Gut oder Böse?

Manchmal frage ich mich, ob ich alles falsch mache. Egal was ich tue oder verstehe, immer mach ich es falsch. Ich kann von mir behaupten, das ich ein guter Mensch bin. Vielleicht etwas stur und nachtragend, aber gut. Ich versuche in jedem Menschen etwas gutes zu sehen. Und bei einigen Menschen, habe ich schon längst aufgegeben. Vielleicht bin ich doch nicht so gut, wie ich vorgebe zu sein. Das meine Mutter vielleicht sterben könnte, hat mir ein neues Licht auf das gezeigt, wer ich eigentlich bin. Meine Mutter war schon immer perfekt. Sie war stark und hat alles für ihre Kinder aufgegeben. Sie hat versucht, mich immer glücklich zu machen, auch wenn wir damals nicht so viel Geld hatten. Und dann kam mein Erzeuger. Ein Versager, wie meine Mutter ihn genannt hat. Ein krimineller Versager. Er hat eigentlich alles verloren, was er geliebt hat. Er hat keine Familie mehr. Er hat immer nur Bier gesoffen und sein Geld für Zigaretten ausgegeben. Seine Eltern haben ihn verstoßen, weil er ein Straßenjunge war und ihm Regeln egal wurden. Selbst sein eigener Bruder, mein Onkel, hat sich gegen ihn gewendet und wollte ihn nie wieder sehen. Das einzige was er wirklich hatte, war ich. Ich war seine kleine Prinzessin gewesen. Ich weiß nicht, wieso er meine Brüder nie geliebt hat aber zu mir war er gut. Ich war seine einzige und erste Tochter gewesen. Und trotzdem ist er gegangen. Er wollte mich mit nehmen, ihm war alles egal, jeder einzelne außer ich.  Aber meine Mutter, so perfekt wie sie halt war, hat ihn ausgetrickst, so dass er nicht mehr zurück kommen kann und mich nie wieder sah. Eine Mutter, die ihr Kind vor einem Versager Vater retten wollte. Tja und jetzt sitze ich hier. Man könnte sich fragen, wieso ich ihn immer noch beschütze. Meinen  Vater meine ich nicht, sondern ihn. Ist er so wie mein Vater? Er hat ein Herz, ein gutes.  Das wusste ich sofort, als ich in seine grauen Augen blickte. Er ist ein ziemlicher Idiot aber verdammt, ich würde für ihn alles stehen und liegen lassen. Was ich an ihm so mag? Er hat eigentlich viele Fehler gemacht und mich oft verletzt, alle fragen sich, warum ich noch zu ihm halte. Ich liebe ihn. Auch wenn es mich zerreist, es einfach so zu sagen aber ich liebe diesen Typen. Und er könnte noch so viele zusammenschlagen. Und würde er hinter Gittern sitzen. Ich weiß wer er ist. Er hat Gefühle. Er will auch nur geliebt werden, wie jeder andere. Ich will ihn einfach nur umarmen und sagen, dass wir es schaffen können. Ich habe so Angst ihn zu verlieren. Ich will seine Stimme hören und wissen, das es ihm gut geht. Warum auch immer Gott wollte, dass ich an ihn glaube, ich tue es. Und jeder, der schlecht von ihm spricht, weiß nicht wer er wirklich ist. Der Mann, der mich aus der Menge raus gezogen hat und mit mir gelaufen ist. Der Mann, der mir so viel Respekt zeigt und mich immer um lachen bringen will. Ich mache mir was vor, wenn ich sagen würde, dass er ein schlechter Mensch ist. Aber Angst habe ich trotzdem, nicht vor ihm, sondern um ihn.

Tod?

Seit Montag habe ich das Gefühl zu ersticken. Naja, eigentlich seit Samstag. Seit er mich wieder da raus gelockt hat. Ich habe mich damit abgefunden, dass wir nie ein paar werden. Das es immer so sein wird. Meine eiskalte Maske sahs perfekt auf meinem Gesicht. Aber als er von Beziehung sprach, war ich total verirrt. Er wollte doch nicht aber jetzt schon? Ich hab es nicht ernst genommen, weil er betrunken war. Er hat mir so oft gesagt, dass er betrunken nur scheiße labert. Also wollte ich mir auch da keine Hoffnungen machen aber so stehen lassen wollte ich es auch nicht. Am nächsten Tag wollte er den Kontakt abbrechen und ich war verwirrter als den Tag  davor. Wieso auf einmal? Glaubt er, er tut mir nicht gut? Glaubt er, er sei kein guter Mensch? Oder er hat einfach genug mit mir rum gespielt und hat kein bock mehr auf mich. Da brach mein Herz nur ein kleines bisschen. Ich war es von ihm gewohnt, es tat nicht so sehr weh, er würde wieder kommen. Am Montag, hatte ich das Gefühl, als ob ich sterben würde, weil zwei Sachen mich völlig außer Bahn geworfen haben.  Ich hab etwas dummes gemacht, etwas, was mein Leben verändern könnt..und seins. Das wir miteinander geschlafen haben, war ja nichts neues. Aber er weiß nicht, wie mein Zyklus da. Ich erzählte der Frauenärztin mein Problem, wollte mir keine Sorgen machen. Aber ihre Miene sagte in diesem Moment mehr. Ich habe nämlich eine Pille zuspät genommen, weil ich eingeschlafen war und habe sie erst am nächsten Morgen dann nach genommen. Da es die 12 Stunden überschritten hatte, sagte sie mir, dass der Schutz für diesen Monat weg ist, da sich eine Eizelle befruchten könnte. Das war nicht mein Problem, ich habe nach dieser Panne nicht mit ihm geschlafen…aber davor. Ich habe kurz vor meinen Tagen, in der sogenannten Pillenpause mit ihm geschlafen. Sie  sah mich an und sagte: Das könnte zum Problem werden. Sie fragte mich aus und kam zu dem Ergebnis, dass ich auf meine nächste Regel warten soll und wenn sie ausbleiben, ich ein Test machen soll. Der Ultraschall wäre noch zu früh um irgendwas sehen zu können, wenn da was wäre. Und mit diesem schock, ging ich da raus und musste mich fassen. Ich musste mich anstrengen, nicht zu heulen. Ich sahs im Wartezimmer und musste noch auf meine Mutter warten. In diesem Wartezimmer waren so viele Baby Zeitschriften und überall hingen Baby Bilder in diesem Zimmer. Ich redete mir ein, dass das unmöglich ist. Aber selbst wenn meine Ärztin sich nicht sicher ist, weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. Als meine Mutter nach einer gefühlten ewigkeit auch fertig war, waren wir beide vorne. Sollte ich das meiner Mutter erzählen? Aber da verschwand auch der Gedanke sofort. Sie würde mich umbringen. Sie sah aber nicht gut aus. Sie fragte, nach einer Überweisung und sofort wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Als wir zum Auto liefen fragte ich sie dann. Sie meinte, das sie knubbel in der Brust hat, auf den verdacht auf Krebs. Ich dachte sie will mich verarschen. Aber diese Stille im Auto war so erdrückend, dass ich gar nichts mehr denken konnte.  Werde ich Mutter oder wird meine Mutter sterben? Oder beides?  Im Auto lief mir schon eine Träne runter, alles drehte sich. Ich sah meiner Mutter an, dass sie auch mit den Tränen kämpfte. Das hab ich von ihr.  Als wir Zuhause waren, warteten mein Vater und meine kleine Schwester auf uns. Und als wir da waren, fing sie  an zu weinen. Ich nahm meine kleine Schwester mit nach oben um ihr das in Ruhe erklären zu können. Aber schon auf dem Weg, konnte ich nicht mehr. Meine Schwester sah mich an, musste auch weinen, weil ich weinte. Ich musste ein gutes Vorbild sein. Aber als ich ihr das gesagt habe, fing sie nur noch stärker an zu weinen und umarmte mich. Ihre einzigen Worte, die sie immer wiederholt hat waren : Ich will nicht, dass Mama stirbt!“ Nach diesem Tag, hatte ich das Gefühl zu sterben. Ich wollte es ihm sagen. Aber wie soll man jemandem sagen, dass er vlt Vater wird? Aber er will das nicht, dass hat er mich deutlich geschrieben. Er will keine Familie, er ist so tief in seinem Hass versunken. Wenn es sein muss und es wirklich stimmt, hau ich einfach ab, mein Kind soll nicht so leiden. Ich glaube er hat es geschafft, ich habe Angst vor ihm. Er ist nicht mehr der, der er er vorgegeben hat zu sein. Er ist wie mein Vater. Und wenn ich wirklich Schwanger bin, werde ich alles tun, um es zu beschützen. Er wollte keine Familie.

Erfahrungen

Man sagt, dass man mit dem Alter genug Erfahrungen sammeln kann, um sein Leben zu bestimmen. Das die Erfahrungen uns zeigen, was wir ein Mensch wir sind. Tja, mit 17 Jahren ist es vielleicht noch früh um zu sagen, was ich für ein Mensch bin. Und Lebenserfahrungen habe ich auch nicht so wirklich. Ich stehe sozusagen vom Ende des Jugendlichen darseins und vor dem Beginn des Erwachsen werdens. Und ich habe keine Ahnung, wie ich es angehen soll. Meine Krankheit und der Krankenhausaufenthalt haben mir aber ein kleines Licht gebracht in mein Leben, ein Licht welches ich folgen werde. Und das bin ich selbst. Ich habe gemerkt, dass ich mich zum Teil wieder gefunden habe. Meine Krankheit ist entstanden, weil ich ganz still war. Angst war mein größtes Gefühl in mir neben dem, meine Mutter zu enttäuschen. Wer hätte gedacht, dass aus so viel Angst, krank werden kann? Das einzige was mich festgehalten hat, war die Liebe. Eine Sache habe ich aber wirklich gelernt: Ich bin gut, so wie ich bin. Und ich habe immer alles getan, damit die anderen glücklich sind, dabei habe ich mich immer total vergessen. Ich will Leben. Ich will frei sein. Und ich will eine Liebe, die niemals endet.  Heutzutage, ist sowas schwer zu finden. Aber die liebe steckt in so vielen Kleinigkeiten,  die wir gar nicht mehr erkennen. Der Unterschied zwischen Lieben und mögen?  Mögen ist der erste Schritt um zu Lieben. Und wenn man jemanden liebt, sorgt man sich um sie, mehr als um irgendwen sonst.  Aber woran erkennt man das alles? Meine erste richtige Liebe war unglaublich schön. Eine Erinnerung, die ich niemals vergessen werde. Diese Loyalität, dieses Gefühl was in einem geweckt wird und man sich gegenseitig beschützt. Das war mein Bild von der Liebe. Und eine wichtige Sache habe ich später gemerkt: man kann auch eine kaputte Seele lieben.

Krankenhaus?

Ich bin seit einer Woche und drei Tagen im Krankenhaus und darf jetzt das Wochenende zuhause sein, Sonntag um 16 Uhr muss ich wieder in der Klinik sein. Um ehrlich zu sein, kommt es mir nicht so vor, als wäre ich in einem Krankenhaus. Die Patienten um mich her rum, sind genau so wie ich. Man sieht ihnen die Schmerzen gar nicht an, die sie mit sich tragen. Aber ich weiß, wie sie sich fühlen und sie wissen, wie ich mich fühle. Natürlich habe ich da schon Leute kennengelernt, mit den ich oft die Zeit zusammen verbringe und es macht so viel Spaß mit ihnen, allerdings ist das auch total anstrengend. Meine Therapeutin versucht her raus zu finden, woher ich diese Schmerzen bekommen habe. Das ist immer eine emotionale Achterbahn. Bei den meisten Patienten auf der Station , ist nämlich geklärt, woher die schmerzen kommen. Bei mir ist das leider etwas komplizierter. Ich bin wenigstens aktiver geworden und war in den schwimm und sportstunden immer voll dabei. Naja, einmal hab ich die Kontrolle kurz verloren, beim Völkerball. Ich war von meinem Team als letzte im Feld und zwei Bälle waren auf mich gerichtet. Den einen von der Seite konnte ich gut ausweichen aber beim anderen, der hinter mir war, haben meine Beine nicht mehr reagiert und ich bin gestürzt. Was allerdings gut war, so ist der Ball über mir geflogen zu meinem Team und sie konnten sich befreien. Alle dachten, dass ich es mit Absicht gemacht habe und meine Sportlehrerin in der Klinik hat mich für diesen Einsatz gelobt. Was sie aber nicht wussten, war, dass das nicht meine Absicht war.  Dieser Sturz ging auch so schnell, ich weiß nicht mal mehr wie ich gefallen bin. Ich weiß nur, dass ich mich noch mit meinen Händen abstützen konnte und schon auf dem Boden lag. Das diese Krankheit gefährlicher ist als sie aussieht, habe ich in den ersten Tagen gesehen. Meine Zimmernachbarin, die heute entlassen wurde, lief mit Krücken durch die Gegend, als ich eingewiesen wurde. Eine kam vor zwei Tagen und sahs im Rollstuhl. Ich hoffe nur, dass es bei mir nicht schlimmer wird. Ich hab sogar schon ein gerät bekommen. Tens nennen wir es. Das muss man sich zwei mal am Tag, eine halbe stunde drauf machen. Es sind Stromschläge, die meine Muskeln im Rücken entspannen sollen, weil durch die Schmerzen mein ganzer Körper steifer wird. Das bekomme ich dann wenn ich entlassen werde, von der Klinik verschrieben für zuhause. Alles in einem, ist das schon ganz gut. Ich bemühe mich, jeden Tag.

Verrückt?

Ich hatte am 22 August,also vor ein paar Tagen einen Anfall. Es geschah Zuhause, ein glück. Ich fühlte mich nach dem aufwachen schon ganz komisch und ich hatte eine innere Unruhe und Angst in mir, die ich nicht erklären konnte. Ich hatte keine Schmerzen. Aber ich war trotzdem nicht ich selbst. Ich war wie eine Maschine, ausdruckslos und meine Augen waren leer. Als würde ich jemanden fremdes anschauen, als ich mich im Spiegel sah. Als ich mir was zu essen machen wollte, bemerke mein Vater mein komisches Verhalten. Ich antwortete ohne Gefühl und sehr langsam. Und als er mich ansah, liefe eine Träne meine Wange runter und ich fing an laut zu schreien und zu weinen. Ich sahs auf dem Stuhl und ich fing an zu zittern. Mein ganzer Körper bebte und ich wusste nicht wieso. Meine Hände zitterten so sehr, dass ich nichts mehr halten konnte. Mein Vater versuchte mit mir zu reden aber ich hörte ihn nicht richtig. Alles war laut und leise zugleich. Irgendwann hat es aufgehört. Ich konnte nicht mehr weinen, ich habe alle meine Tränen verbraucht  und all meine Kraft. Ich sahs da noch eine Ewigkeit, bis ich wie eine Maschine aufgestanden und in mein Zimmer gelaufen bin. Ein Anfall, der alles verändert hat. Seit dem, bin ich manchmal nicht mehr ich selbst und mir fällt es erst wieder ein, wenn es passiert ist. Ich kann hier nicht alles aufschreiben, was mir in den letzten Tagen für komische Dinge passiert sind. Das ist alles zu krass. Das krasse war ja noch gerade. Ich wollte von meiner Freundin nach Hause laufen. Als ich dann gerade vor meiner Tür stand, habe ich vergessen, wieso ich da rein wollte. Ich ging ein paar Schritte zurück, um mir das Haus an zu schauen. Ich sah das Haus, ich kannte das Haus. Aber ich wusste nicht, das ich dort wohnte. Ich weiß nicht, wie lange ich da vor stand und schaute auf den Boden und immer wieder links und rechts. Der Boden sah früher anders aus, die ganze Straße sah anders aus. Ich erinnerte mich an die Straßen, die neu gebaut wurden und schaute mein Haus nochmal an. Und da traf es mich, wie ein Blitz und plötzlich, wusste ich wieder alles. Und als ich es wusste, ging ich schnell rein und musste das hier aufschreiben. Seit meinem letzten Anfall, passieren die verrücktesten Dinge – oder werde ich verrückt?

Unsichtbar.

Manchmal hab ich das Gefühl zu ersticken, zu verzweifeln und bin mit allem ziemlich überfordert.  Es wird immer schlimmer. Meine Krankheit ist dabei, mich zu übernehmen.  Denn alles, was mir geholfen hat, hilft mir nicht mehr. Meine Novalgin Tropfen schlagen nicht mehr bei mir an und die Ärzte meinten eigentlich, dass es mir in den Ferien besser gehen wird, weil ich dann den ganzen Schulstress nicht habe. Leider, ist dies nicht der Fall bei mir. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer.  Ich habe das meinem Vater heute am Tisch erzählt, meine Mutter war da arbeiten. Eigentlich hasse ich es, meinen Eltern noch mehr sorgen zu bereiten aber ich kann schlecht lügen und sagen, dass es mir besser geht, obwohl es nicht so ist. Mein Vater war total sprachlos und wusste nicht so wirklich, was er sagen sollte. Ihm stand ein riesiges Fragezeichen im Gesicht geschrieben. Laut den Untersuchungen, bin ich auch eine gesunde junge Frau. Trotzdem stimmt was nicht mit mir. Meine Krankheit ist unsichtbar und stark. Wie lange kann ich dem stand halten?

Liebe, Glaube, Zuversicht

Die Frage ist schon vielen durch den Kopf gegangen: Weshalb bin ich hier? Ich glaube, dass jeder Mensch hier auf dieser Welt, zu etwas bestimmt ist. Nur müssen wir selber herausfinden, zu was wir bestimmt sind. Wir müssen uns selber finden, wohin wir hingehören und zu wem. Nur ist das alles  nicht so einfach und das Leben stellt uns wirklich viele Steine auf den Weg, wo wir uns eigentlich finden sollten. Ich werde nächstes Jahr verdammte 18 Jahre alt und weiß immer noch nicht, was ich werden soll. Die meisten in meiner Klasse, wissen ganz genau, was sie machen werden, einige bewerben sich sogar schon dafür. Leider kann ich mich gerade auf nichts konzentrieren, als auf meine Krankheit. Solange ich nicht drei Wochen in diesem Krankenhaus war, um mich stärker zu machen, mache ich keine Pläne für meine Zukunft. Ich meine, was ist wenn ich jetzt alles plane und alles im Kopf habe und am Ende die Therapie nicht bei mir anschlägt. Die Ärzte sagten mir bereits, dass diese Krankheit nicht heilbar ist und ich mein ganzes Leben lang damit leben muss. Es gibt nicht mal Tabletten, die meine Schmerzen vollständig betäuben. Ich habe nämlich gemerkt, dass Novalgin langsam nicht mehr bei mir anschlägt. Und wenn ich stärkere nehme, kann es meine innere Organe kaputt machen. Alles nur Müll. Wieso kann ich nicht einfach Windpocken bekommen, wie jedes andere Kind (nein, ich hatte es nicht als Kind) , oder irgendeine Allergie, wozu es Tabletten dafür gibt? Natürlich, Krebs ist schlimmer, aber wenigstens wissen die Ärzte dann, was zu tun ist. Als ich beim MRT war, habe ich gebetet, dass sie irgendwas finden, irgendwas, was man sehen kann. Aber das haben sie nicht. Meine Krankheit bleibt unsichtbar und fühlt sich trotzdem so echt an. Aber ich versuche, mich davon nicht runter zu ziehen. Ich kämpfe jeden verdammten Tag und stehe jeden Tag auf. Ich lächel sogar die Menschen an, die ich liebe.

Er war bei mir und hat bei mir geschlafen, als meine Eltern mal paar Tage weg waren. Wir haben viel geredet. Ich hatte das Gefühl, als hätte uns das näher gebracht. Eigentlich wollte ich mich von ihm fern halten, weil ich dachte, dass er kein krankes Mädchen an seiner Seite braucht. Aber er hat mir eingetrichtert, dass ich kämpfen soll. Er war richtig am verzweifeln, als ich sagt, dass ich das alles nicht mehr kann. Er hat dabei fast geweint, seine Stimme brach bei manchen Worten und sein Herz raste dabei. In diesem Augenblick, wusste ich, dass ich ihm wichtig war. Das seine Gefühle zu  mir noch da waren, wie meine zu ihm, war etwas gutes. Aber er ist auch gefangen. Das er sein Vater so sehr vermisst, wurde mir sofort klar, als wir das erste mal miteinander geschlafen haben, auf dieser Matratze. Da hat er das erste mal von seinem Vater gesprochen. Und beim letzten Treffen, war er total offen, lag vielleicht auch am Alkohol aber mir wurde klar, wie sehr ich ihn brauche. Und ich kann ihn nicht alleine lassen. Allerdings muss ich auch an meine Krankheit denken. Das sich zwei Menschen, die so unterschiedlich sind, dennoch stark was für den anderen empfinden, dass es sowas gibt, hab ich nur in diesen Büchern gelesen. Ich dachte mir, dass sowas überhaupt nicht möglich ist. Aber das erlebe ich ja selber. Ich weiß nicht was wir sind oder was wir eines Tages werden, ich weiß nur, dass man alleine nur halb so stark ist wie zusammen. Ich glaube an ihn, ich hoffe , das weiß er. Das Schicksal wollte, dass wir uns kennen lernen. Daran glaube ich.

Gefangen

Menschen unterschätzen ihre Gesundheit. Sie sagen ihr Leben sei scheiße, obwohl sie doch gesund sind. Wir Menschen suchen immer was anderes, was wir nicht haben, andere aber schon und sagen dann, dass man unglücklich ist. Wann ist man unglücklich? Viele fühlen sich allein gelassen und sie denken, keiner versteht sie. Sie lassen dir nicht mal die Möglichkeit, einen  zu verstehen. Aber so geht es mir ähnlich. Wie soll jemand meine Krankheit verstehen, wenn sie doch sowas nicht haben. Ich sehe doch ihre Blicke, wenn sie fragen wie es mir geht und es gar nicht wirklich wissen wollen. Wenn sie sich wundern, warum ich mies drauf bin, dabei vergessen sie immer, dass ich doch durchgehen schmerzen habe. Natürlich kann ich nicht immer lächeln und so tun, als sei alles in Ordnung. Aber sie vergessen das schnell. Sie sehen mich lachen und das ich unterwegs bin und was mit Freunden mache, deshalb denken sie, so schlimm kann es gar nicht sein. Das ich gefangen in meinem Körper bin, sieht keiner. Aber mal abgesehen davon, schlafe ich nicht besonders gut. Mein Kopf verarbeitet alles vom Tag und zeigt mir meistens das schlimmste, was mir passieren könnte. Heute war das nicht so. Ich habe von ihm geträumt. Diese Träume waren eigentlich ganz normale, wie wir in der Schule sitzen und uns kleine Nachrichten geschrieben haben. Es waren Erinnerungen, die mein Kopf für mich abgespielt hat. Schöne Erinnerungen, damit ich besser schlafen konnte. Wie wir zusammen im Bus sitzen und über Leute reden, die neben uns oder hinter dem anderen sitzen. Wie wir uns gegenseitig ärgerten und sein lachen einfach das schönste wahr. Wie er an seinem Geburtstag mein Geschenk aufgemacht hat und gesagt hat, es sei einer der schönsten Geschenke, was er jemals bekommen hat. Wie er mich danach so fest umarmt hat und ich ihn im Traum nicht los lassen wollte. Ich wurde einmal wach und bin danach wieder schnell eingeschlafen und wurde in seinen Armen wach. Mein Kopf hat wirklich schöne Erinnerungen behalten. Ihn neben mir liegen zu sehen und sein grinsen dabei, war einer meiner Lieblingsorte. Egal wie sehr ich mir sage, das ich ihn hasse und egal wie oft mich sein Verhalten die letzten Wochen abgefuckt hat, mein Kopf hat nur das wiedergerufen, was mich wirklich glücklich macht. Und als er mir gesagt hat, dass er mich liebt und mich fest gedrückt hat, wachte ich mit Tränen auf und musste realisieren, dass es nie wieder so sein wird. Damit komme ich klar, ich muss. Aber nicht nur mein Körper ist gefangen, sondern auch mein Herz.

Ruhe.

Ich war gestern bei einer Freundin, um meinen Kopf etwas frei zu bekommen. Die ganze Zeit hier rum zu sitzen und darauf zu warten, was als nächstes mit mir passiert, wurde mir zu blöd und weil sie mich praktisch angebettelt hat, konnte ich schlecht nein sagen. Das blöde an meiner Krankheit ist, dass ich nie weiß was als nächstes passiert. Bekomme ich wieder keine Luft oder sehe ich wieder nur Licht und kippe um? Keine Ahnung. Ich musste zu meiner Freundin zwei Stunden fahren. Fast zwei Stunden Bus und den Rest mit dem Zug. Sie holte mich am Bahnhof ab aber in der Zeit musste ich warten. Und da passierte es wieder. Alles wurde plötzlich so laut in meinem Kopf. So viele Geräusche umsingelten mich und ich bekam Panik. Mein Herz raste aus Angst, obwohl ich nur auf einen dämlichen Zug gewartet habe. Ich schaute mehrmals nach links und rechts, weil ich dachte, das ein Zug direkt neben mir fahren würde aber er war Meter weit entfernt. Und als mich ein Mann angequatscht hat, weil er etwas Kleingeld wollte, habe ich ihn praktisch angeschrien, dass ich kein Geld habe. Mir ging es besser, als ich meine Freundin sah, ich wollte ihr praktisch in die Arme rennen, weil ich so erleichtert war, sie zu sehen. Doch das tat ich nicht. Ich bin gut darin, meine Gefühle zu verbergen. Aber als ich dann Zuhause war, konnte ich nicht mehr. Es war super anstrengend ein Tag so zu tun, als sei alles in Ordnung. Ich hab bei ihr nämlich  geschlafen. Als  keiner heute zuhause war, setzte ich mich vors Fenster und schaute in meinen Garten. Ich fand es beruhigend , ich weiß noch wie ich als achtjährige durch den Garten gesprungen bin, damals war noch alles voller Gras und ich wollte immer ein Handstand machen. Ich kann nicht fassen, dass das alles fast 10 Jahre her ist. Ich war damals voller Energie und konnte rennen, ohne einen Schmerzanfall zu bekommen. Ich war einer der besten gewesen in Sport, ich war so glücklich. Egal ob meine Vergangenheit viele Sachen verdunkelt hat, zu rennen und zu lachen war einer meiner lieblings Dinge. Ich dachte über all die schönen Sachen nach, die ich in diesem Garten gemacht habe und dann hörte ich etwas. Es war ein rauschen in meinen Ohren und mein Kopf fing an zu drücken. Ich hasste es, ich konnte meine Finger kaum bewegen. Natürlich brach ich dann zusammen und fing an  zu heulen. Diese Krankheit macht mich einfach  nur noch kaputt. Und wo ich endlich dachte, ich kann es raus lassen, hat mich ein Nachbar gesehen und meine Eltern angerufen. Die dann mich angerufen haben. Und das schlimmste war noch, dass mein Nachbar noch bei mir klingelte und ich meine Tränen weg wischen musste und ihn überzeugen musste, das es mir gut geht. Ich kann es nicht meinen Eltern sagen, eigentlich will ich es niemanden sagen. Ich will nicht, dass alle denken, das ich verrückt werde. Das einzige was ich brauche, ist Ruhe. Heute ist auch zwei mal was in meinen Augen geblitzt. Es war für eine Sekunde hell und dann war es weg. Ich weiß nicht, was mit mir nicht stimmt!

Schübe.

Vielleicht sollte ich mal nicht immer von diesen „Problemen“ reden, die man einfach zur Seite schieben kann, so wie ihn. Vielleicht sollte ich aus meinem Blog etwas machen, was mir sehr viel helfen kann. Meine Schmerzen aufschreiben. Es kommt immer so viel neues dazu, das ich gar nicht mehr hinterher komme. Seit neustem zum Beispiel, ist mein linkes Ohr ziemlich zu gut. Meine Ohren werden zwar empfindlicher aber manchmal denke ich bzw. höre ich, als sei das Geräusch direkt neben mir. Ein mal war ich draußen im Garten und das Fenster vom Schlafzimmer meiner Eltern war auf. Meine Mutter ist gerade rein gegangen und hat ihn gerufen und seine Antwort habe ich so gehört, als sei er direkt neben mir. Ich hab mich sogar erschreckt und dann nach links und rechts geschaut und meine kleine Schwester guckte mich schief an, weil sie nichts gehört hat. Sowas ist mir in den letzten Tagen mindestens ein mal am Tag passiert. Ich fange an, durch zu drehen. Wer glaubt einem sowas auch? Werde ich irre? Heute hab ich etwas neues dazu bekommen. Es war auch ein Schmerzpunkt aber er tat nicht nur weh. Er war an meinem Kopf, an der rechten Gehirnhälfte. Ein Schmerzpunkt der sich anfühlte, als ob ein Punkt von meiner Gehirnhälfte anfängt zu brennen. Er fühlte sich so heiß an und als ich mit meinen Fingern auf die stelle fasste, fühle es sich an, als ob ich meine Finger verbrennen würde, an meinem KOPF! Der Schmerz war unerträglich. Schlimmer als die ganzen normalen Schmerzen, die durch meinen Körper wandern. Ich brannte innerlich. Und das machte mir Angst und ich brach zusammen. Tränen liefen einfach so runter, als ich versuchte, meinen Kopf an zu fassen, ohne mich zu verbrennen. Ich werde irre. Was passiert noch? Was soll noch passieren? Wie viel soll ich noch mit mir rum schleppen? Schmerzen sind die eine Sache. Brennenderschmerz ist noch schlimmer. Ich fühle mich schlapp, habe kein Hunger mehr, muss brechen wenn ich zu viel esse, mir wird oft schwindelig und ich bekomme Atemnot oder Herzrasen, ich habe vor meine Träume Angst, kann nicht durchschlafen und schlechter einschlafen seit neustem. Fuck man und ich bin so unglaublich wütend und bekomme manchmal Anfälle, in den ich mich selber nicht mehr wieder erkenne. Was passiert mit mir? Vor einem Jahr war das nicht so, da war noch alles halbwegs gut. Aber jetzt ist meine Tägliche Aufgabe, nicht vom Schmerz besiegt zu werden..und ich hasse es.