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Ausbildung

Heute war ein entscheidener Tag für mich. Ich wurde von meiner Lehrerin zu einem Gespräch gerufen mit einer anderen Schülerin. Sofort bekam ich Panik. Würde ich jetzt von der Schule geschmissen, weil ich so schlecht geworden bin? Die Lehrerin aber machte uns ein Angebot. Ich wollte nach meinem gescheitertem Fachabi, eine Ausbildung in der Kinderpflege machen. Plötzlich bekam ich das Angebot, schon nach dem Halbjahr zu wechseln in die elfte Klasse. Die hätten ein Platz für mich und warteten nur noch auf meine Zustimmung. Entweder ich mach das Fachabi noch mit oder ich wechsel. Ich würde dann nur das halb jahr mit machen und dann sofort in die zwölfte versetzt werden und nach der zwölften, hätte ich meine Ausbildung. Meine Eltern waren von diesem Angebot total glücklich. Ich hatte meine bedenken und habe bis Freitag Zeit, mich zu entscheiden. Wie sieht das denn in den Bewerbungen aus mit einem abgebrochendem Fachabi? Was soll ich dann sagen? „Ich habe eine Chronische Erkrankung und bekomme hin und wieder ein paar Anfälle, mein Gehirn ist also geschädigt und nicht in der Lage, dem niveau  vom Fachabi anpassen zu können, weshalb ich die Kinderpflege Ausbildung in betracht gezogen habe“ , die würden auch nur denken, ich wäre gestört oder so. Allgemein, wenn ich sowas in eine Bewerbung mit einbringe, würde mich keiner nehmen aus Angst, ich könnte jeden Moment umfallen. Und da ich erst im Februar dauerhaft Therapiert werde, war ich am nachdenken. So weitermachen oder ertrage ich eine neue Umgebung mit noch mehr neuen Menschen die kein Plan haben, wie es mir wirklich geht. Anderer seits kann ich auch neu Anfangen. Alle wissen von meiner schlimmen Krankheit und alle Lehrer haben ja so mitleid mit dem armen jungen Mädchen. Weshalb hab ich wohl ein Platz bekommen in der Ausbildung in weniger als zwei Wochen? Krankheitsbonus! Ich kann jemand anderes sein. Ich kann gesund sein. Nur für einen Moment kann ich da ganz normal sein. Auch wenn es kacke sein wird meine Freunde da einfach hängen zu lassen aber wie meine Therapeutin mir geraten hat „Du musst einmal an dich denken“  Und das werde ich, ich will nicht dieses kranke Kind sein, ich will eine Zukunft haben. Ich mach es.

Heute war ich auch bei Max. Tja was soll ich sagen, es hat sich nichts geändert..denke ich.

Peinlich.

Heute als ich aufgewacht bin dachte ich, dass ich jeden Moment kotzen müsste. Mein Kopf dröhnte, wie bei einem Kater. Dabei habe ich seit Samstag kein Alkohol mehr getrunken. Das waren wohl die Nebenwirkungen von meinem Anfall gestern. Schlimm genug, dass ich jeden Moment ein Anfall bekommen könnte, nein, es muss dann auch noch passieren, wenn ich bei ihm bin. Peinlich. Langsam weiß er aber schon, wie  man dabei reagiert. Ruhig bleiben, mich in den Arm nehmen und mich beruhigen. Anders als in der Schule, wo alle Panik geschoben haben und den Krankenwagen gerufen haben. Trotzdem habe ich es in diesem Moment gehasst. Wer will denn bitte die Kontrolle von seinem Körper verlieren? Meine Therapeutin meinte, dass sowas entsteht, wenn ich zu erschöpft bin, dass sich mein Gehirn ganz abschalten will. Als ich Zuhause war, hab ich dann also zuerst bis 23 Uhr geheult, bis ich dann eingeschlafen bin. Und heute morgen war dann das Ergebnis von diesem Drama. Ich habe meinen Bus fast verpasst, weil ich zu spät aufgestanden bin und 20 Minuten gebraucht habe um mich anzuziehen und meine Zähne zu putzen. Ungeschminkt und mit leerem Magen ging ich dann. Und vor der Klasse habe ich mich hingelegt und habe versucht, da weiter zu schlafen. Und weil es nach den ersten Stunden nicht besser wurde, bin ich nach der vierten einfach gegangen. Die Lehrer mussten mich nur ansehen um zu wissen, dass ich die Wahrheit sagte, dass es mir nicht gut gehen würde. Und jetzt sitze ich hier, Zuhause und habe heute noch ein Vorstellungsgespräch im Altenheim. Das war einer der Gründe, wieso ich auch eher gegangen bin, damit ich wenigsten beim Gespräch etwas besser aussehe als jetzt. Aber ich brauche diesen Job.Mir ist immer noch scheiße übel. Ich habe selbst mein Essen in der Schule aufgegessen. Und morgen bin ich bei Max, das kann ja was werden.

Strom.

Das Jahr ist bald rum und irgendwie denke ich mir jedes Jahr: Was zur Hölle war das?!

Bei meinem Führerschein sieht es langsam wenigstens besser aus. Als ich gestern da war, hab ich sogar ein Bogen bestanden. Der Fahrlehrer meinte, dass ich bald in die Prüfung gehen könnte. Ich weiß noch wie Svenii und ich da saßen und wir darüber lachen mussten, weil wir im Februar angefangen haben und wir schon fast Dezember hatten und wir nicht mal die Theorieprüfung bestanden haben. Meine Freunde sind echt goldwert. Svenii und Lea erinnern mich immer an die tollsten Momente, sei es in der Schule oder in der Freizeit. Sie erinnern mich an eine Zeit, wo alles noch normal war. Lea, Svenii und ich waren in der Schule immer zusammen. Ab und zu bin ich zu Max gegangen und ich war einfach glücklich. Das wir alle in einer Klasse saßen war das beste für mich. Wenn man nur zu Schule geht, um seine Liebsten zu sehen, dann hat man die Definition von Freundschaft. Ich habe nie fünfen geschrieben und Schmerzen haben nie mein Leben beeinflusst. Ich finde solche Erinnerungen immer wieder schön. Wo Noten meine einzigen Sorgen waren, wo ich noch gesund war und Max Mutter noch lebte. Lea merkt, wie sehr ich in mich hinein sinke, seit dem meine Krankheit immer tiefer in meinem Gehirn verankert ist. Immer schreibt sie mir und will Zeit mit mir verbringen. Sie ist echt eine beste Freundin. Und wenn ich traurig bin, versucht sie immer alles positiv zu reden. Ich kann echt froh sein, solche Freunde zu haben. Suyien fragt auch immer ob ich Zeit habe und hat mal aus Spaß gesagt „Ja du meldest dich ja sonst nie“. Das zu hören, tat mir schon etwas weh. Vernachlässige ich meine Freunde so sehr? Ich habe das Gefühl, dass nicht nur ich unter meiner Krankheit leide, sonder die ganzen Menschen um mich herum auch. Familie und Freunde. Mit meiner Mutter streite ich mich in letzter Zeit nur noch. Sie macht mich aggressiv wenn sie davon redet, was ich alles tun könnte, damit es mir besser geht. Ich weiß es doch selber. Aber sie sagt, sie sieht nicht, wie sehr ich mich bemühe. Mein Vater kann davon nicht viel mit reden, ich hab ihn seit zwei Tagen nicht mehr gesehen, weil er arbeiten ist. Und wenn wechseln wir nur ein zwei Worte miteinander. Seit meine große Schwester ausgezogen ist, hat sich einiges geändert. Ich bin einfach wütend. Aber das ist mein Kampf und keiner soll darunter leiden müssen, dass wurde für mich bestimmt.  Und ich werde lächeln, obwohl meine ganzen Knochen unter strom sind.

IchLiebeDich

Ich habe damals immer gedacht, dass Männer kein Herz haben. Ich frage mich, wie ein Mann eine vier jährige gegen die Wand pressen konnte und ihr ins Gesicht geschlagen hat, als wäre es gar nichts. Ich frage  mich, wie es ihn nicht interessiert hat, dass er mich gegen die Tür geschubst hat und meine Lippe platzte und das Blut einfach so runter floss. Er hat nur gesagt, ich soll das sauber machen. Alles was blieb, war die Narbe an meiner Lippe. Aber er hat mich nicht zerstört. Ich hatte zwar mehr Angst als andere Kinder, war aber als ich hier her zog, das glücklichste Kind überhaupt. Mit acht Jahren war mein Leben wunderschön. Ich habe auf den Straßen gespielt und habe gesehen, wie jedes Haus hier aufgebaut wurde. Ich bin mit meinem Hund immer durch die Mais Felder gerannt mit zehn und ich hatte alles was ich brauchte. Bis ich mit elf Jahren einen dummen Gedanken hatte. Wo ist mein Vater? Ich habe ihn gefunden. Eine elf Jährige, versessen darauf, ihren Vater zu finden hat eigenständig ihn in Amerika aufgespürt und zu ihm Kontakt aufgebaut. Es waren die schönsten zwei Wochen, die ich mit meinem Vater hatte. Wir haben jeden Tag geskypt und ich schrieb mit ihm immer im fünf Uhr morgens, weil es da bei ihm 23 Uhr war. Und dann ging ich zur Schule. Aber als alles raus kam, war er der erste Mann, der mir das Herz brach. So viele schreckliche Dinge musste ich mir von meiner Mutter anhören und ich merkte, wie alles in mir stück für stück zerbrach. Aber meine Mutter hat dabei so sehr geweint, dass ich völlig verstört war. An dem Tag habe ich meinen Hund geschnappt und bin raus gegangen. Ich bin gerannt, ins Mais Feld, habe mich hingekniet und geweint. Ich habe noch nie so laut geschrien. Wie kann jedes Wort von ihn eine einzige Lüge gewesen sein? Ab da wurde ich ganz anders. Und mit zwölf wollte ich mich dann umbringen. Alles war geplant. Als ich das Blut sah, war es fast so weit. Aber da hörte ich eine kleine Stimme die mich rief. Es war meine kleine Schwester, die damals fünf Jahre alt war. Und sofort kam mir ihr lächeln vor Augen, wie sie sich immer freute, wenn ich von der Schule kam. Ich konnte ihr das nicht antun. Und so hörte ich auf. Mir wurde aber alles egal. Meine Noten waren schlecht und son Typ wie Sven nutzte das alles aus. Dann empfand ich so viel Wut und Hass auf Männer, dass ich Sven nur noch Leiden sehen wollte. Männer sind grausame Wesen, dachte ich mir, als ich den plan schmiedete, Sven vor der ganzen Schule bloß zu stellen. Ich war da immer noch zwölf, fast dreizehn. Und ich hatte es geschafft. Alle lachten ihn aus und schlugen auf ihn ein. Er hat seine ganzen Freunde verloren und ich habe gelacht. Bis ich mich irgendwann darin verlor. Er hat es verdient. Und dann kam noch Nico, der mich ja so sehr geliebt hat. Mein Gott diese Jungs waren alle damals so naiv. Sahen die nicht, wie kaputt ich war? Ich meine ich habe einem Jungen gerade alles genommen und er hat deshalb die schule eher verlassen. ich war zu jedem Jungen eis kalt. Aber dann kam eine Flamme auf mich zu. Sie schenkte mir wärme, Licht und Geborgenheit. Das aller wichtigste aber: Liebe. Er war ein guter Junge und wollte mir helfen. Es hat lange gedauert, bis ich ihn an mich ran ließ. Aber er war es mir Wert. Max ist mein Retter gewesen. Er hatte mein Blut an seinen Händen und versprach mir, mich nie wieder zu verlassen. Ich habe ihn einmal gefragt, wieso er mich will, wo er doch so viele andere haben kann, die nicht so kaputt waren. Er schaute mir in die Augen und sagte: Weil mir die anderen egal sind und ich nur dich will. Kein Mann auf dieser Welt hat mich so glücklich gemacht. Wir haben uns mal auf den Boden gelegt und bis in die Nacht und über unsere Träume und Wünsche geredet. Ich war da vierzehn. Er war mein Held, diese roten Haare waren nicht der Teufel, es war das warme Licht. Ich danke dir Max, du hast dafür gesorgt, dass ich das gute in Menschen sehe. Ich würde alles für dich tun, du hast mich gerettet. Und nur wegen dir, weiß ich was Liebe ist. IchLiebeDich.

Ein Traum?

Ich habe von einem Kind geträumt. Ich kannte dieses Kind nicht, jedenfalls am Anfang nicht. Das Kind war ein kleiner Junge mit blauen Augen und blondem Haar. Er hatte einige Sommersprossen am ganzen Körper und seine Hände waren ganz klein. Ich glaube er war da drei oder so. Ich habe Tage in meinen Traum gelebt mit diesem kleinen. Ich war allein. Bis es irgendwann seine Arm zu mir ausstreckte und mich Mama nannte. Ich nahm das Kind automatisch auf meinen Arm, sagte, dass ich es immer beschützen würde. Keine Spur vom Vater. Ich war alleine mit diesem Jungen, der mein Sohn sein sollte. Alles ganz schön komisch, wenn man von sowas träumt. Als ich aufgewacht bin, war ich ziemlich verwirrt. Träume sind echt gruselig. Einmal habe ich von jemanden geträumt den ich noch nie gesehen habe und zack, stand er eines Tages vor mir. Dieser Moment war krass. Warum träumt man solche sachen? Sind es Vorahnungen? Das würde ja super passen, dass ich ein Kind allein groß ziehen würde. Dann würde sich meine Geschichte wiederholen. Und mein armes Kind hat den schmerz ganz tief in sich drin, nie einen  Vater zu haben und sich weniger Wert zu fühlen. Wenn das meine Zukunft sein sollte, habe ich was falsch gemacht. Komme auf diesen Traum nicht klar.

Freundschaft

Die Familie kann man sich nicht aussuchen, die Freunde aber schon. Und dann werden die richtigen Freunde, auch ein Teil deiner Familie. Jeder meiner Freunde hat gute und schlechte Eigenschaften. Meine beste Freundin zum Beispiel. Sie hört mir immer zu und wir haben uns wirklich noch nie gestritten. Aber verdammt, sie ist der unpünktlichste Mensch den ich kenne. Ich habe mich schon so oft darüber aufgeregt und bin damals nur wegen ihr immer zu spät in den WP1 Kurs gestürmt, weil ich sie vor der Schule immer abgeholt habe und sie ewig brauchte. Ich höre die Stimmen meiner Klassenkameraden immer noch, wie sie damals alle  zusammen immer „Zu späääääät“ gerufen haben und ich mich hinsetzte und mir dachte „Nur wegen dir Lea“.  Aber ich wollte nie ohne sie fahren. Mein bester Freund ist irre lustig. Man kann ihm alles anvertrauen und er verurteilt mich nie. Aber das er fast bei jedem Weib denkt, dass er verliebt ist , geht mir ganz schön auf die nerven. Wie oft habe ich ihn die Meinung gegeigt um ihn zu beschützen, dass er sich nicht in irgendwas verrennt. Und dann hinterfragt er alles, was man sagt. Aber verdammt, ich würde für die beiden sterben. Nicht nur für die beiden. Für alle  meine Freunde. Sie sind nämlich meine Familie geworden. Und es ist schwer, ehrliche Freunde zu finden. Wo ein „wie geht es dir?“ nicht nur eine begrüßungs Form ist, sonder weil man wirklich wissen will, wie es einem geht. Natürlich erzähle ich nicht allen meinen Freunden meine Geheimnisse. Ihm habe ich auch nicht alles erzählt, aber er weiß viel von mir. Und er hat mir auch vieles anvertraut.  Für ihn würde ich auch sterben. Aber es gibt gerade einen Freund, um den ich mir am meisten sorgen mache. Ja, Max. Er hat mir vor zwei Tagen erzählt, dass sein Vater Krebs hat. Ich war so sauer, dass ist alles so unfair. Er hat doch seine Mutter vor zwei Jahren an Krebs verloren und jetzt auch noch sein Vater? Er wäre ein weisen Kind. Das hat er nicht verdient. Und warum haben die alle Krebs? Wegen dem RAUCHEN. Ich will das meinen Kinder nicht antun müssen, zu sterben, wo sie mich doch am meisten brauchen, nur weil ich Lungenkrebs habe. Ich wäre sofort zu Max gerannt aber leider wohnt er nicht neben an. Ich will nicht wissen, was mit ihm passiert, wenn auch noch sein Vater Tod ist. Er war damals so ein glücklicher Junge und er ist gerade dabei, alles zu verlieren. Ich werde da sein Max. Ich werde deine Hand halten, wenn es so weit gekommen ist. „Freunde für immer“ sagten wir uns mit 14.

An meine Eltern

Du bist gerade in mein Zimmer gekommen Mama und hast gefragt, was ich mache. Das ich ein Blog habe ist einer der vielen Dinge, die du nicht über mich weißt. Du kennst mich, ich bin deine Tochter. Aber jeder hat seine Geheimnisse. Ich habe meinen Blog schon drei Jahre. Dort schreibe ich immer meine Gedanken und Gefühle auf, weil ich sie nie so wirklich ausdrücken kann. Ich weiß auch nicht, wieso ich mich euch nicht so öffnen kann. Man soll mit den Eltern doch alles reden können oder nicht? Ihr kennt mich Zuhause, als das Stille Mädchen, was nie wirklich etwas erzählt. Bei meinen Freunden bin ich die lauteste. Die verrückteste. Die, die immer so viel zu erzählen hat, weil bei ihr immer so vieles passiert. Vielleicht erzähle ich euch nicht so viel, weil ich leider von klein auf mich meiner Angst stellen musste, jeden Tag. Die Angst hat so viel Macht über meinen Körper. Als ich dich kennenlernte Papa, hatte ich Angst vor dir. Ich wollte nie mit dir alleine sein. Ich wollte, dass du gehst. Weißt du noch Mama, als du Roland endlich raus geworfen hast und er nur zwei Wohnungen weiter von uns entfernt war? Das war mein Schulweg. Ich bin morgens immer daran vorbei gerannt. Und zurück bin ich immer durch die Schrebergärten gelaufen. Manchmal hast du mich sogar angemeckert, dass ich so spät zuhause sei. Dabei bin ich immer ein Umweg gelaufen, aus lauter Angst. Das wusstest du wahrscheinlich nie. Wie gesagt, du kennst mich, aber du weißt viele Dinge nicht. Als ich das erste mal mit Papa alleine war, war ich krank. Ich hatte Magendarm und du warst arbeiten. Er war in unserem Zimmer am Computer und ich lag im Bett. Ganz still war ich und habe versucht, so leise wie möglich zu atmen. Aber als ich zur Toilette musste, wollte ich mich leise raus schleichen. Roland hat nämlich alles an mir kritisiert. Wie ich laufe, wie ich esse, ja sogar wie ich mir die Hände waschte. Und machte ich es einmal nicht so, wie er es wollte, zack, lag ich auf dem Boden. Papa hat gemerkt, dass ich raus wollte. Er fragte mich, wieso ich mich raus schleiche, es sei doch total normal, dass ich zur Toilette musste, wenn ich krank bin. Ich sagte nichts und ging ganz schnell aufs Klo. Mein Herz raste und ich habe gehofft, das du nach Hause kommst. Er hat sich wirklich immer so viel Mühe gegeben, mein Vertrauen zu gewinnen. Jetzt kommen mir wieder die Tränen. Er hat mir so vieles beigebracht und sich um mich gekümmert. Und als Emely da war und Papa immer mit ihr Spazieren gehen wollte, bin ich mit gegangen. Aber nicht wegen Papa. Ich hatte Angst. Angst, dass er Emely etwas antut. Ich wollte sie beschützen, eine Siebenjähre hatte solche Gedanken. Das alles nur wegen der Angst. Obwohl Papa doch so ein guter Mensch ist. Nach einer Zeit ging es. Und als ich zehn war und Emely drei, haben wir viel auf dem Heuboden gespielt. Wir haben immer eine Heuschlacht gemacht. Einmal habe ich aber nicht aufgepasst und Emely bekam Staub ins Auge und fing an zu weinen. Du warst in der Nähe Papa und hast gefragt, was passiert ist. Ich hab versucht es dir zu erklären und wollte Emelys Hand nehmen aber du wolltest mich zur Seite schieben..und hast mich dann ausversehen geschubst und ich viel hin. Sofort bekam ich Angst und selbst deine geschockten Augen und dein „Es tut mir leid“ kam nicht bei mir an und ich rannte weg. Ich habe dann geweint, weil ich etwas falsch gemacht habe und auf dem Boden lag, wie Roland es früher gemacht hat. Es sind diese Kleinigkeiten, die ihr nie wusstet. Kleinigkeiten, die mich geformt haben. Du konntest nichts dafür Papa, du wusstest nicht, dass ich danach noch mehr Angst hatte, was falsches zu tun. Das speicherte sich alles  bei mir ab. Aber je älter ich wurde, desto mehr ging das in den Hintergrund. Ihr habt nichts falsch gemacht, dass alles ist nicht eure Schuld. Du hast für uns gekämpft Mama, in Zeiten, wo wir nur uns drei hatten.  Und Papa, du kamst leider zu spät um mir all die schönen Dinge zu erzählen, denn bei mir war schon was verankert. Ich hatte immer das Gefühl, ein Problem Kind zu sein. Es lag nicht an euch. Ich wollte auch so gut sein, wie Michela, sie war schon immer mein Vorbild gewesen. Ich hatte das Gefühl, dass alle in meiner Klasse immer besser waren als ich. Woher kam denn diese Unzufriedenheit? Wieso habe ich mich immer so hart beurteilt? Das weiß ich selber  nicht, es war einfach wie eingespeichert. Und zu meinem Pech wurde ich auch noch krank. Chronische Schmerzen zu haben, sind nicht einfach nur Schmerzen. Ich stehe morgens auf und fühle mich, als hätte ich Fieber. So schlapp und müde aufzustehen will niemand. Die meisten bleiben ja dann mit Fieber im Bett liegen. Leider darf ich das nicht. Ich stehe aber immer später auf, ich hab schon oft deswegen fast den Bus verpasst. Ich erinnere mich an das Mädchen, die perfekt immer alles organisiert hat und immer pünktlich für die Schule aufgestanden ist. Es macht mich traurig, dass sie plötzlich so weit entfernt scheint.  Ich fühle mich einfach dauerkrank. Noch dazu kommen die Schmerzen, die hin und her von Körperteil zu Körperteil wandern, als ob es Leben würde. Ich kämpfe mit meinem eigenem Gehirn. Mein Schmerz ist so unterschiedlich, es fühlt sich immer anders an. Manchmal wie ein blauer Fleck, dann wie Feuer aber ganz oft wie Strom. Es ist ein ekelhaftiges Gefühl, wenn der Strom durch deine Knochen hin und her wandert. Ihr tut mir leid, Mama und Papa. Mama, du kannst mir nicht helfen und das ist das schlimmste, was einer Mutter passieren kann, meintest du. Wenn dein eigenes Kind leidet und man nur zusehen kann. Ich kann nicht sterben Mama, Gott will nicht, das ich sterbe. Ja und ich stehe nur für euch auf. Wie oft wollte ich im Bett liegen bleiben, weil mich meine Schmerzen die ganze Nacht wacht gehalten haben. Und ich gehe trotzdem zur Schule. Mein Gesicht ist manchmal so blass, dass meine Freunde sagen, ich sehe aus wie der Tod. Ja, so fühle ich mich oft. Aber ich lächel dich immer an Mutter. Ich bleibe stark, ich bin dein Kind. Deine Stärke fließt durch meinen Adern. Ich werde eines Tages genau  stark sein für meine Kinder. Du würdest für mich sterben Mama. Ich würde auch für dich sterben. Für jeden von euch in meiner Familie. Emely, es tut mir leid, dass du mich oft  sehen musstest. Du kamst manchmal einfach in mein Zimmer und hast mich weinen gesehen. Auch wo ich meine Anfälle hatte, habe ich deine Angst in deinen Augen gesehen. Manchmal hast du mir sogar geholfen. Als ich geweint habe, hast du dich neben mich gesetzt und hast mir ein Taschentuch gegeben und mich ganz doll umarmt. Es tut mir leid Emely, ich bin die große, ich muss auf dich aufpassen, nicht umgekehrt. Ich bin stolz auf dich. Papa, ich weiß wir hatten nicht immer so ein guten draht zueinander. Das war nicht fair von mir.  Du hast mir das Uhrenlesen beigebracht mit fünf. Du hast mich abends immer ins Bett gebracht in Bochum. Du hast mir eine kleine Schwester geschenkt und dieses Leben hier. Du warst mit mir bei so vielen Ärzten um heraus zu finden was ich habe. Du gehst jeden Tag raus und kämpfst mit deinem Leben, nur damit wir in ruhe schlafen können. Ich denke viel darüber nach wie meine Krankheit entstanden sein konnte. Ich hatte nie wirklich einen Unfall, der meine ganz Körper Schmerzen ausgelöst haben kann. Aber mir den Kopf zu zerbrechen macht die Sache nun auch nicht besser. Meine Freunde haben es nicht leicht mit mir in letzter Zeit. Ich hab mich gestern aufgerafft, mich mit meiner besten Freundin wieder zu treffen. Ich melde mich nie bei ihr, was mir auch leid tut. Obwohl ich sie über alles liebe. Svenii hab ich schon lange nicht mehr gesehen, drei Monate oder so. Bei Martin melde ich mich auch nie, obwohl er mein bester Freund ist. Aber ich bin zu müde, um meine ganzen storys zu erzählen und zu müde, um mir seine anzuhören.Ich war damals ein echt guter zuhörer. Aber mitlerweile kann ich nicht mal mehr richtig zuhören, wenn man direkt mit mir spricht. Das ich nicht mal absicht. Es tut mir leid. Ich bin selber zu ihm richtig kacke. Ich sage dinge, ohne darüber nachzudenken. Max hat mich für diese Eigenschaft geliebt. Ich hab nie groß drum herum geredet, sondern war knall hart. Bei ihm bin ich wohl zu knall hart.  Ich weiß auch nicht wieso. Als ich letzte Woche bei ihm war und er raus gegangen ist, habe ich von seiner Schwester einiges erfahren und es hat mich etwas stutzig gemacht. Er hätte wohl ein alkohol Problem. Da tat er mir leid und ich wollte eigentlich zu ihm und ihn umarmen aber ich blieb wie angewurzelt sitzen. Obwohl wir nicht zusammen sind und das wahrscheinlich auch nie passieren wird, bin ich mitten in seiner Familie drin und die reden so mit mir, als ob ich zur Familie gehöre. Seine Schwester hat mich schon immer gemocht, meinte sie. Sie hat mir mal gesagt, wie froh sie ist, dass er mich kennengelernt hat.  Wir haben uns glaube ich im Juni für zwei Stunden getroffen, als er arbeiten war. Er weiß nichts davon, er musste auch nicht wissen, wie sehr wir uns wirklich verstanden. Sie hat mir so viel von seiner Vergangenheit erzählt, so viele Dinge wo ich mich gefragt habe: Und was soll ich jetzt machen? Sie hat wahrscheinlich gehofft, dass ich ihn zu irgendwas bewege. Hab ich das? Ich denke nicht so wirklich. Und obwohl ich alles über seine Vergangenheit weiß, bin ich trotzdem bei ihm geblieben. Ich war für ihn da und er für mich. Mama, du hasst ihn aber du kennst ihn nicht so wie ich. Er hat schon so vieles für mich getan und mich so oft zum lachen gebracht. Er hat ein gutes Herz und ich werde immer hinter ihm stehen. Als Freunde.

Heute gehe ich auf einen Geburtstag. Aber mir geht es gerade richtig scheiße. Abzusagen wäre echt scheiße, ich will meine Freundin nicht enttäuschen, die sich so darüber gefreut hat. So, einfach mein lächeln auf setzten, mich nach Wochen wieder schminken, damit ich nicht wie de Tod aussehe, was hübsches anziehen und fertig. Ich schaff das schon. Ich muss.

Alltag

Ich finde den Anfang der Woche immer ganz schwierig. Kenn ihr das, wenn ich nach einer Feier mit zu viel Alkohol aufwacht und man sich einfach total scheiße fühlt?  So viele ich mich jeden Morgen. Im Bett liegen bleiben is aber nicht. Man muss aufstehen und da raus gehen. Mit einem dröhnenden Kopf, einem blassen Gesicht und nebenbei wird einem noch scheiße übel. Mein Morgen. Jeden Tag. Ich konnte wieder niemandem zu hören und war Geistig gar nicht anwesend. In Mathe fing meine linke Hand auf zu geben und versetzte sich in eine Starre. Ich konnte einfach mein Stift nicht mehr halten. Dann kam mein ganzer Arm hinterher. Will mein Körper mich eigentlich verarschen? Meine linker Arm wurde eiskalt und blau lila. Tja, bei meinem Glück ist er jedenfalls nicht abgefallen. Dann wurde mir richtig heiß und ich sah nur noch Umrisse. Nochmal kippe ich nicht um, dachte ich und stand auf. Den Mathe Lehrer hat das gar nicht mal gemerkt, dass ich wieder kurz vorm zusammenklappen war.  Ich ging durch meine Reihe und stolperte fast auf den Boden. Meine Beine zitterten, werten sich, weiter zu laufen. Mein linker Arm hang einfach nur noch neben mir. Ich hörte die Stimmen meiner Klassenkameraden, je mehr mich das Licht holte. Aber ich riss mit aller kraft mit meiner rechten Hand die Tür auf nach draußen und der kalte Wind befreite mich. Meine Sehkraft kam wieder und ich konnte wieder normal sehen. Die frische Luft tat mir so gut aber mein linker arm wollte sich immer noch nicht bewegen. Viele fragten mich, ob es mir gut geht und meine Freundin war so süß und hat sich so gut um mich gekümmert. Ein Freund von mir dagegen, war wie jeder andere. „Geh doch nach Hause, wenn es dir nicht so gut geht“. Dieser Satz machte mich so wütend, dass ich ihn angeschrien habe.  Normale Menschen haben doch keine Ahnung wie sehr ich kämpfe und mir wünschte, gar nicht mehr mein Bett zu verlassen. Als ich zuhause war, klagte meine Mutter über Rückenschmerzen, wie sehr ihr das weh tut und es nach Tabletten einfach nicht besser wurde. Als ich sie einschmiere musste am Rücken musste ich es einfach raus lassen. „Stell dir vor, du hast diese Schmerzen jeden Tag und es gibt garichts, was es besser machen würde“. Sie sagte: Das wäre schrecklich, so würde ich nicht leben wollen“. Zack, meine Mutter jammert wegen jedem scheiß, also von ihr hab ich es jedenfalls nicht, oder? Sage ich jeden Tag zu meinen Mitmenschen, was ich für schmerzen habe und wie schlimm die sind? Nein, ich lächel sie an. ,,Genau so fühle ich mich jeden Tag“ antworte ich ihr und verließ schweigend das Zimmer. Menschen die sagen, sie haben Kopfschmerzen, alles ist scheiße und ihr Tag war ja so anstrengend , mit den will ich mal ein Tag tauschen. Aber bei mir kommt so viel auf einmal, ich weiß gar nicht mehr, auf was ich reagieren soll. Der Typ mit dem ich gestern dieses Date hatte, wollte sich heute wieder mit mir treffen. Mit diesem Zustand? Aähm, nein? Und dann wollte er noch telefonieren. Was soll das? Er nennt mich schon Prinzessin obwohl wir uns nur einmal getroffen haben. Ich glaube, er ist etwas anhänglich und gerade jetzt nervt mich das. Und der will mir einfach so Geld geben! Wir treffen uns Mittwoch und da hat er eiskalt gefragt, ob ich Geld brauche. Natürlich brauche ich Geld aber ich hasse es zu schnorren. Und überhaupt ist das mega unhöflich. Der wollte mir eiskalt ein 50 Euro schein geben! Ich habe auf 20 reduziert, so viel Geld will man doch nicht annehmen. Will er mich etwa kaufen? Dieser Typ ist komisch. Und überhaupt macht er mir mindestens 10 mal am Tag ein kompliment. Das ist viel zu viel, ich will doch nicht, dass mich ein Typ vergöttert und mir am Arsch hängt. Jemanden den ich beleidigen kann und er mir ein konter gibt und wir beide fangen an zu lassen, ist viel schöner. In der dunkelheit betrunken durch die Stadt zu laufen mit dem richtigen Menschen ist viel schöner, als Geld zu bekommen. Es sind diese Momente, die Menschen näher bringt. Noch dazu hasst er raucher. Er hat sie „nichtsnutzen“ genannt. Sofort wurde ich pissig und sagte, man sollte keine Menschen sofort verurteilen, nur weil sie etwas tun, was man nicht mag. Dabei habe ich nur für einen Menschen gesprochen. Gruselig, dass ich ihn schon unbewusst in Schutz nehme. Auch wenn ich mega wütend auf ihn wäre, würde ich ihn bei anderen immer verteidigen. Ich mag ihn einfach immer noch. Natürlich. Mit ihm die Zeit zu vertreiben ist wesentlich entspannter.

Gegen meinen Willen

Ich bin gerade vom Date wieder zurück gekommen. Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll. Kennt ihr dass, wenn ihr einen Menschen das erste mal sieht und man entweder den drang hat, noch mehr von ihm sehen zu wollen oder den drang hat, ganz weit weg zu laufen? Ich habe beides. Der Typ ist begeistert von mir, was mich nicht besonders gewundert hat. Es klingt zwar eingebildet aber alle Typen die ich kennenlerne, wollen entweder mehr oder finden mich cool und bin mit den gut befreundet. Dieses mittelding hasse ich ja total. Deshalb  habe ich auch nicht mit jedem Typen der was von mir wollte mit dem geschlafen, dann wäre die Liste lang. Ich habe auf der Autofahrt daran gedacht, was dieser Typ eigentlich alles hat. Alles was man braucht. Warum war ich dann nicht so glücklich? Ich habe kurz an ihn gedacht und mich gefragt, ob er auch die letzten Tage an mich gedacht hat. Wahrscheinlich hat er sich auch schon andere bitches geklärt und ich bin für ihn nur noch Vergangenheit. Eine Sache mehr, die mich dazu veranlasst diesem Typen eine chance zu geben. Wenn er ohne mich leben will dann muss ich lernen, mich mit dem Gedanken an zu freunden, dass mich bald jemand anderes anfässt. Obwohl ich ihn immer noch liebe muss ich lernen, ihn los zu lassen. Obwohl ich immer zu ihm rennen würde und diesen kaputten Jungen einfach in den Arm nehmen könnte, kann ich das bald nicht mehr. Ich hoffe er verzeiht mir, dass ich bald nicht mehr zu ihm rennen werde oder ihn auf die Stirn küsse und sage, dass alles gut wird. Er wollte es so, ich muss nur damit leben.

Glücklich?

Ich vermisse ihn. Ich weiß nicht, wieso er mir so wichtig ist. Wieso geht er nicht aus meinem Schädel raus? Ein Freund von mir auf der Klasse ist nicht gerade die große Hilfe. Er reden nur von ihm, wie soll ich mich dann auf jemand anderen konzentrieren? Der Typ der mich Daten will am Sonntag hat eigentlich alle, was meine Mutter sich für mich wünscht. Er hat ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern, ein guten Job und ist auch noch gut aussehend. Das er mich ausführen möchte, ins teure Extrablatt und mich noch mit seinem teurem Audi abholt davon war meine Mutter begeistert. Ich habe auch versucht, mich zu freuen. Ein Mann, der mal sein Leben auf die reihe bekommt, aufmerksam ist und mich einfach anruft, um meine Stimme zu hören. Ich sollte eigentlich glücklich sein. Wieso bin ich es dann nicht? Irgendwie glaube ich, dass er immer noch tief in meinem Herzen ist. Ich habe mit ihm so viel erlebt, sowohl gute als auch schlechte Momente. Ich würde ihn wählen , immer. Aber leider muss ich diesen anderen Weg nehmen, ohne ihn. Ich will neben ihm liegen und seine Hand halten. Wenigstens nur noch ein mal, dann bin ich glücklich.