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Angst

Ich habe das Gefühl, dass etwas sich in mir verändert, dass irgendwas passiert. Meine Krankheit wird immer schlimmer, immer lästiger und anstrengender für mich. Nicht nur, dass ich am ganzen Körper Chronische Schmerzen habe, die hin und her wandern, kommen noch andere Dinge ins Spiel. Aber genau diese Dinge, entscheiden meine ganze Stimmung. Eigentlich haben die vor fast zwei Jahren leicht angefangen aber ich hab sie nicht ernst genommen, niemand hat das. Aber ich glaube, das waren die ersten Anzeichen von  meiner Krankheit. Mein Kreislauf ist im Arsch. Ich war immer sportlich gewesen und einer von den schnellsten gewesen in meiner Klasse. Aber irgendwann bekam ich im Schulsport keine Luft mehr und vor lauter Panik, fing ich  an zu weinen und viel zu Boden. Ich sah aus, als würde ich sterben, meinten meine Freunde. Ich schob es auf die Sporthalle, es war so drückend warm gewesen. Beim dritten mal, kippte ich aber draußen beim sprinten um. Und als ich im März glaube ich, einfach so im Unterricht umgekippt bin, war es eindeutig. Ein Monat später hatte ich dann auch diesen Schmerzschub, der bis heute nicht weg gegangen ist. Die Schmerzen hatte ich auch schon mal. Sie waren nur kurz da und verschwanden ganz schnell, also dachte ich mir nichts bei, vor allem weil ein paar Monate gar nichts kam. Aber jetzt wird meine Krankheit von Tag zu Tag schlimmer. Ich werde immer müder, mit jedem Tag. Ich schlafe nur noch im zwei Stunden Takt und hab schon seit Monaten nicht mehr durch geschlafen. Ich hatte gestern auch wieder vom rumliegen Herzrasen bekommen. Mein ganzer Körper schaltet sich immer mehr ab. Ich esse kaum noch was oder bekomme kaum noch was runter. Als ob mein Körper protestieren würde, dass ich was essen soll. Appetit hab ich manchmal aber wenn ich das Essen schon rieche oder nur ein wenig esse, wird mir schlecht. Als ob ich gleich alles wieder raus kotzen müsste. Selbst mein Kiefer versteift sich manchmal und es fällt mir schwer zu kauen. In den letzten Tagen habe ich auch gemerkt, dass meine Ohren sehr empfindlich wurden. Meine kleine vier jährige Cousine hat letztens mit einer Gabel die ganze Zeit gegen ihr Glas getrommelt und während alle nur am lachen und begeistert davon waren, zuckte ich bei jedem schlag zusammen und musste mir die Ohren zu halten. Ich werde auch immer Licht empfindlicher. Generell spielen mir meine Augen in letzter zeit oft Streiche, manchmal erkenne ich ohne Brille alles ganz scharf, sei es nur für 5 Sekunden. Und manchmal sehe ich mit meiner Brille alles verschwommen, auch nur für kurze Zeit. Irgendwas passiert mit mir, ich fühle es. Jeden Tag fühle ich mich schwächer und mein ganzer Körper wird von den Schmerzen immer steifer und schwerer. Ich träume ich schreckliche Dinge. Nicht mehr die gewöhnlichen Albträume, wo ich von dem Mann verfolgt wurde, der mich früher geschlagen hat. Diese Träume fühlen sich noch echter an, es sind Träume, wo ich sterbe. Träume, wo ich aufwache und Blind bin oder nichts mehr hören kann. Träume, wo ich zu viel gegessen habe und Blut auskotze. Träume, wo ich einschlafe und nie wieder aufstehe. Ich sehe meine eigne Beerdigung vor meinen Augen. Meine Finger tun gerade wieder weh, ich schreibe zu viel. Mein Rücken versteift sich wieder, ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Kann es doch sein, dass da mehr ist? Wenn ich ernster krank bin, als alle denken, dann kommt mir alles logischer vor. Diese ganzen Symptome , ich habe echt angst, dass ich eines Tages ins Bett gehe und nie wieder aufstehen werde. Deshalb versuche ich gerade, solange ich noch fit genug bin, mich um meine Freunde zu kümmern, mit ihnen Zeit zu verbringen und zu lachen. Ich hab das Gefühl, dass ich eines Tages nicht mehr die Kraft dazu haben werde. Alle sehen mich und höre mich lachen, sie denken so schlimm krank kann sie nicht sein. Das ist auch gut so, niemand soll mich deswegen anders behandeln. Ich mache das alles für meine Familie und für die Menschen die ich liebe. Ich möchte nicht das sie sehen, wie sehr ich leide. Ich wünschte nur, du würdest mit mir noch ein letztes mal richtig  Zeit verbringen. Denn ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde, dieses Kampf zu gewinnen. Ich wünsche mir nur ein Tag in deine Armen mit den Worten, dass ich es schaffen werde. Aber alles was mir bleibt, ist die Angst.

Zum scheitern verurteilt

Am Anfang hast du mir eine Gänsehaut verpasst, als ich dich gesehen habe. Du hattest diesen bösen Blick drauf, wenn du mal wieder nachdenkst. Ich wollte mich da eigentlich von dir fern halten. Dein Tattoo und deine Kreuz Kette haben sofort alle bemerkt. Es wurde über dich getuschelt. Meine Meinung zu dir änderte sich, als ich dir das erste mal in die Augen sah. Ich bin gegen dich gelaufen im Krankenhaus und wir beide starrten uns eine Zeit lang an. Du lächeltest schüchtern und bist an mir vorbei gelaufen. Ab da, habe ich meine Meinung über dich geändert. Du sahst dann nicht mehr so böse aus. Und ich wollte wissen wer du bist. Was dazu führte, dass ich mich in dich verliebte. Es war falsch, meine Mutter hat mich immer vor Typen wie dir gewarnt. Aber das erste mal, hörte ich nicht auf sie. Ich hörte auf mein Herz, auf meine Gefühle zu dir. Und als ich es wirklich wusste, wurdest du anders, distanziert und kalt. Es tat mir in der Seele weh, in der Schule wurdest du abweisender und keiner hat von dir richtig Notiz genommen, keiner außer mir. Niemand hat gefragt wie es dir geht und manchmal hatte ich angst dich zu fragen, ich wollte dir nicht auf die nerven gehen. Nach den ersten Schultagen fragte dich unsere Lehrerin, wen du schon alles kennst. Du zeigtest dabei nur auf mich und sagtest meinen Namen, dabei lächeltest du. Ab da kamen die Lehrer immer zu mir, wenn du Tage lang nicht zur Schule kamst und ich wusste nie was ich sagen sollte. Oktoberfest hast du gesagt, du hast dich in mich verliebt. Neben dir ein zu schlafen und auf zu wachen war das schönste für mich. Aber es war immer ein hin und her. Und jetzt hast du mich entgültig fallen gelassen. Ich dachte, als du meintest, dass du es versuchen willst, dass wir es endlich schaffen würden. Plötzlich sah ich eine Zukunft mit dir. Aber dir wurde alles zu viel und so hast du mich fallen gelassen, einfach so ohne eine richtige Erklärung von Angesicht zu Angesicht. Mir tat alles weh, nicht nur meine Krankheit brachte mich um, sondern noch mein Herz. Aber du willst es nicht zu geben, dass du mich brauchst. Du bist so ein Sturkopf, zusammen würden wir alles schaffen. Stattdessen rufst du nach mir, wenn du betrunken bist und sagst mir, ich soll dich nicht verlassen. Du hast mich verlassen. Aber ich bin trotzdem zu dir gerannt. Dich so zu sehen, am bluten, am weinen, dass du sagst du kannst nicht mehr, dass du mich brauchst, mein Kopf war durcheinander. Aber ich wusste, dass du es am nächsten Tag abstreiten würdest und du es nur darauf schieben würdest, dass du betrunken warst, hielt ich dich trotzdem im Arm fest. Du warst in dem Moment wie ein kleiner Junge, nicht mehr den Mann, den ich eigentlich kannte. Du warst verletzlich, du hast es zu gelassen. Und ich war froh darüber, dass du mich brauchtest. War es nur für diesen Moment. Du wolltest mir in die Augen sehen, dein Blick war voller Sehnsucht und Liebe, so kannte ich dich. Und du ließt mich erst gehen, als ich dich küssen sollte. Ich glaube du liebst mich noch, willst es aber nicht zugeben, du Idiot. Aber bald hast du mich so ganz verloren. Ich kann bald nicht mehr.

Schwangerschaft?

Ich muss mal meine Gedanken wieder fest halten. Ich bin 17 Jahre aber ich fühle mich nicht so. Und ich denke an dich Person die ich liebe. Ich frage mich, wie schnell alles schief gehen konnte. Wieso habe ich mich in ihn verliebt. Alles wäre so viel leichter gewesen, hätten wir uns nie geküsst oder miteinander geschlafen. Ich dachte eine Zeit, ich wäre schwanger von ihm. Meine Angst wurde größer als ich mich übergab und mein Unterleib nur geschmerzt hat, obwohl ich erst in zwei Wochen meine Tage erwarten sollte. Ich habe nichts mehr getrunken, nicht mal auf diesem Betriebsfest. Ich dachte wirklich, da wäre etwas in mir..und ich glaube ich hatte recht.  Ich habe niemanden davon erzählt, weil es nichts mehr geändert hätte. Ich hab ihm meine Vermutung erzählt, aber nicht, das ich es vermutlich verloren habe. Als ich meine Tage hätte bekommen sollen, dass war da, wo ich noch nichts wusste, war meine Blutung komisch, anders. Da fand die Einistungsblutung statt vermute ich. Meine Brüste fingen an zu ziehen und mein Unterleib drückte nur an einer Stelle. Ich wusste nicht, was mit mir passierte, ich schob es auf die Krankheit. Aber was drei Wochen später nach dieser Blutung passiert ist, habe ich mich nicht getraut zu sagen. Ich bekam ein Schmerzanfall unten im Unterleibt. Ich war allein und hatte noch nie so starke schmerzen da unten empfunden. Kurz danach, breitete sich der Schmerz am ganzen Körper aus, von meiner Wirbelsäure bis hin zu meinen Fingern. Ich dachte echt, ich sterbe. Mein Kopf und mein Unterleib brachte mich um. Als ich ins Badezimmer rennen wollte, weil sich alles drehte, tropfte Blut auf den Boden. Ich bekam Nasenbluten. Als ich die Blutung stoppen wollte und mit einem Tuch durch die Gegend lief und meine Eltern anrufen wollte, passierte etwas da unten. Es fühlte sich an, als ob ich auslaufen würde. Als ich nachschaute..war auch da Blut, mitten in der Pillen zeit. Danach war der Schmerz in meinem Unterleibt verstummt und mein Körper beruhigte sich wieder von diesem Erlebnis. Ich rief meine Eltern nicht mehr an. Ich sagte niemandem davon was. Nicht den Ärzten, nicht meinen Freunden, nicht ihm. Ich konnte nicht darüber reden. Ich wusste nicht mal selbst, was da passiert ist. Eine Woche später, bekam ich dann meine normale Blutung wieder, sie war nicht komisch, sie war normal. Die bedenken, dass da vielleicht etwas war, das es in mir gelebt hat und dann in mir gestorben ist, mein Körper hätte das nicht ausgehalten. Ich habe seine  Schmerzen gespührt, als er gestorben ist. Aber das bin ich auch fast, ich werde niemals diese Schmerzen vergessen und das Blut, was mir von der Nase runter lief, mein Gesicht, was kreide Bleich war. Wenn ich ihm das sagen würde, wüsste ich nicht, wie er reagieren würde. Aber vielleicht ist es besser wenn er nichts weiß. So schütze ich ihn vor noch mehr kummer.

Verlust oder ein Geschenk?

Wir Menschen verlieren oft bestimmte Dinge, nur realisiert man das erst später. Aber vielleicht ist Verlust gar nicht mal so schlimm. So konnte ich dich kennen lernen. Wir beide haben etwas gemeinsam. Schon von Anfang an ist mir das aufgefallen, als du mir das erzählt hast. Wir haben beide einen Verlust erlitten, unsere Väter. Du verlorst deinen besten Freund. So wie du mir das erzählt hast, war er alles für dich und du hast ihn verloren in der Zeit, wo du ihn am meisten gebraucht hättest. Er war einfach nicht mehr da, von heute auf morgen. Ich weiß nicht, wie viele dir das schon gesagt haben aber ich verstehe dich. Auch ich verlor mein Vater aber auf eine andere Art. Ich hatte ihn nie richtig. Ich habe fast keine Erinnerungen mehr an ihm. Ich kenne das Gefühl gar nicht, wenn man sich komplett fühlt. Was ist das für ein Gefühl? Erinnerst du dich noch daran, als du komplett warst? Ich weiß nur, das er mich nie geschlagen hatte, das kam später von jemand anderem. Aber das ist egal jetzt. Er war aber auch von heute auf morgen nicht mehr da. Er verließ mich aber es war seine Entscheidung. Und plötzlich stand ich da alleine mit meiner Mutter und meiner großen Schwester. So wie du. Als ich fünf war habe ich meine Mutter gefragt, was ein Papa ist. Ich war damals noch ein Kind, ein Kind ohne Vater.  Du kennst das gar nicht, du kennst mein Leben in saus und braus. Ein Haus, jedes Jahr Urlaub in einem anderen Land, neue teure Sachen, etwas was nicht selbstverständlich ist. So hast du mich kennengelernt. Ich war die Tochter eines Polizisten. Aber ich hatte auch ein einfaches Leben. Als ich kein Papa mehr hatte. Als ich nur meine Mutter und meine große Schwester hatte. Ich war trotzdem glücklich, vor allem als meine Mutter den Mann raus warf, der mich geschlagen hat. Ich wollte nie ein Mann in meiner Familie, sie waren alle Verräter. Männer sind grausam und egoistisch. Durch ihn wurde ich so still, kein Mann hat mich gehört auf dieser Welt. Kein Mann hat mir zugehört. Kein Mann schenkte mir Liebe. Zu meinem Stiefvater habe ich keine großartige Bindung. Nicht so eine, wie es meine kleine Schwester hat. Ihr hat man immer zu gehört, sie kennt es nicht anders. Meine Mutter war nie zuhause und wir wohnten in einer kleine Wohnung, mitten in Bochum. Sie war arbeiten, fast jeden Tag. Aber ich war nicht allein. Meine große Schwester hat sich um mich gekümmert. Ich war fünf und meine Schwester zehn. Wo wäre ich wohl ohne meine Schwester gewesen? Das fragst du dich bestimmt auch manchmal, unsere Schwestern sind einfach großartig. Sie tun so viel für uns und haben unsere Kindheit nicht ganz so trostlos gemacht. Und sie würden alles für uns tun, das weiß ich, weil ich auch alles für meine kleine tun würde.  Aber ich frage mich was schlimmer ist. Ein Vater der gegangen ist und ein echter Vater war oder einer ein Vater, der freiwillig gegangen ist. Was tut mehr weh? Ein Freund verloren zu haben oder ein Verräter, der eigentlich dein Freund hätte sein sollen? Natürlich kann man das nicht vergleichen. Ich würde nie was rückgängig machen wollen, du aber schon oder? Was wäre, wenn mein Vater nie gegangen wäre, wenn er wie dein Vater immer da gewesen wäre? Dann würden wir uns wahrscheinlich gar nicht kennen, dann würde ich nicht neben dir wohnen und wir würden nicht immer zusammen Bus fahren zur Schule. Ich wäre nicht in deinem Leben. Vielleicht wäre ich komplett gewesen damals. Aber mit dir bin ich es. Du weißt nicht wie ich mich freue, wenn du mir zuhörst. Wenn du auf Kleinigkeiten achtest. Wie ich mich bei dir sicher fühle. Ich habe keine Angst vor dir. Vielleicht werde ich es dir nicht direkt sagen und du wirst es auch nicht hier lesen, es ist für mich. Hätte ich die Wahl zwischen dir und meinem Vater, würde ich dich nehmen. Aber das könntest du nicht sagen. Ich würde es dir gar nicht übel nehmen. Ich kann ihn nicht ersetzen aber ich lasse dich nicht alleine, ich will dich beschützen, weil ich dich liebe, nur dich liebe. Ich habe dich als Geschenk bekommen, Gott hat mir dich gegeben als ausgleich von meinem Vater. Er wollte mir Liebe schenken. Und ich würde es nie ändern wollen. Ich weiß nicht, ob wir eines Tages eine Familie werden, vielleicht ist es noch zu früh um das zu sagen. Aber im hier und jetzt will ich nur eins, das du mein Mann bist und mich beschützt. Ich verspreche dir, dass ich dann deine Frau bin.

Kämpfen

Schmerz. Ein Wort, wo sich jeder etwas darunter vorstellen kann. Jeder hatte schon Schmerzen. Wenn man als Kind hingefallen ist und sich die Kniee aufgeschlagen hat, wenn man sich wieder an seinem Bett gestoßen hat oder unsere Liebe uns das Herz gebrochen hat. Und immer gibt es eine Reaktion . Als Kind weint man, wenn man sich stößt Flucht man und wenn jemand einem das Herz bricht, dann weint man. Aber was ist mit den Schmerzen die immer da sind? Chronische Schmerzen. Was passiert da? Jeder gesunde Mensch, der nicht solche komischen Schmerzen mit sich trägt, unterschätzen sie. Sie sagen, man steigert sich zu sehr rein oder bildet sich alles ein. Ja, man redet sich alles schlimmer als es ist. Diese Menschen, die keine Schmerzen haben wollen einem Weis machen, wie man sich fühlt. Aber das können sie nicht. Sie sagen, man muss gegen den Schmerz kämpfen. Seit wann muss man gegen sich selbst kämpfen? Wer hat uns das beigebracht? Von klein auf wurde uns alles gezeigt, alles beigebracht was wichtig ist. Laufen, sprechen , nicht ans Feuer gehen..alles wurde uns beigebracht damit wir eines Tages selber Leben können. Aber wer hat uns beigebracht, gegen sich selbst zu kämpfen? Schmerzen gehen vorbei, dass sagte Papa immer, wenn man hingefallen ist. Aber ich  bin nicht hingefallen, ich sollte keine Schmerzen haben, Papa. Mama sagte immer, ich soll vorsichtig sein, damit mir nichts passiert. Aber Mama, ich war immer vorsichtig, wieso ist mir dann trotzdem etwas passiert? Weil man nicht immer alles weiß. Es gibt Dinge im Leben, die suchen einen Menschen aus, der lernen muss dagegen zu kämpfen. Damit er eines Tages den Menschen beibringen kann, wie man kämpfen muss. Ein Schmerzsyndrom. Ja eine Schmerzkrankheit. Das ist etwas seltendes, ein Phänomen wie meine Ärztin es beschrieben hat. Wollte ich das? Wollte ich ein Phänomen sein? Diesen Schmerz kann man nicht beschreiben. Er ist da, immer. An den verschiedensten stellen. Wann hatte ich keine Schmerzen? Ich hab sie jeden Tag. Jetzt sind es  gerade meine Finger und Hände, obwohl ich nur das mache, was Menschen jeden Tag machen. Im Internet sein. Im Krankenhaus Menschen zu helfen, tut weh. Es fühlt sich an, als ob tausende Nadeln gegen meine Hände gebohrt werden, nur weil ich einem Menschen helfen wollte, auf zu stehen. Mein Hals tut weh, einfach so. Manchmal lasse ich Dinge aus meiner Hand fallen, selbst mein Handy. Manchmal erkennt man es. Manchmal lassen wir zu, dass andere Menschen unseren Schmerz sehen. Aber wenn man einfach nur da sitzt und jemand fragt, warum wir so komisch gucken..eher traurig, was denkt ihr euch dabei? Nichts. Weil ihr sowas nicht kennt. Sollen wir jede Sekunde vor schmerz zittern? Sollen wir in der Klasse einfach anfangen zu weinen? Wir gucken so, weil wir kämpfen. Das ist kämpfen. Wenn die Schmerzen einen umbringen können aber wir trotzdem einfach da sitzen und sogar ein Lächeln von uns geben. Alle sagen, man soll kämpfen. Aber das tuen wir schon die ganze Zeit. Nur, wurde uns das anders beigebracht und deshalb sehen die anderen Menschen das auch nicht. Wir sind verdammt nochmal Krank! Warum gucke ich wohl so? Weil ich Schmerzen habe! Soll ich es mir jeden Tag auf die Stirn schreibe? Will ich Aufmerksamkeit dadurch? Nein, aber sowas, solche Sätze und Fragen kann man sich sparen. Du bist nicht Krank, du leidest nicht so wie ich. Denk daran, wenn du dir das nächste mal denkst, warum ich so traurig gucke. Ich versuche vor dir zu Lächeln , siehst du es nicht? Ich kämpfe.

Beste Freunde?

Man sagt, das Freundschaften etwas tolles seien. Das man sich so nicht alleine fühlt und man immer jemanden zum reden hat. Das der andere, genau so durchgeknallt ist wie man selbst und das man sich nicht  verstellen muss. Man kann so sein, wie man wirklich ist. Man redet über so viele Dinge mindestens tausendmal und die sind immer wieder besonders, vor allem die Gespräche bis spät in die Nacht. Und man weiß, das man sich in diesem Moment frei fühlt. Bestimmt sind Jungs Freundschaften wesentlich lockerer als die von Mädchen aber Jungs sind genau so. Eine Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Jungen ist genau so. Oder nicht? Vielleicht sind normale Freundschaften nicht so aber wenn man einen besten Freund hat, dann schon oder?

Ich kenne dich schon lange aber wir wurden nicht sofort Freunde. Das weißt du selber. Als wir in der achten Klasse zusammen in den Mathe G-Kurs geschmissen wurden, lernten wir uns erst richtig kennen. Wir waren vielleicht so 15 Schüler in diesem Kurs, wenn nicht sogar weniger. Zuerst sahst du neben meiner Feindin und als sie in den E-Kurs wechselte, sahst du vor mir mit einem anderen aus unserer Klasse. Dieser Mathe Lehrer konnte einfach nicht erklären und da drehtest du dich das erst mal zu mir um und fragtest, ob wir diese Scheiße verstehen würden. Du schautest dabei mich an und nicht die, die neben mir sahs. Du hast dabei gelächelt. Dieses Lächeln habe ich schon lange nicht mehr gesehen wenn ich mich zurück erinnere. Wo ist dein Lächeln geblieben? Und natürlich habe ich diese Scheiße auch nicht verstanden und wir beide fingen an zu lachen. Wir fingen an zu schreiben aber meistens nur über Mathe. Aber du sahst schon automatisch so schräg zu mir gerichtet im Mathe Unterricht. Irgendwann umarmten wir uns zur Begrüßung, einfache Freunde waren wir. Wir fingen an richtig zu schreiben, jeden Tag. Du warst manchmal noch echt schüchtern, das kenne ich von dir heute nicht mehr. Du hast immer auf mich gewartet vor der Klasse, damit wir zusammen zu Mathe laufen konnten, obwohl der Raum neben an war. Du hast mir in dieser Zeit sehr geholfen. Unser erstes Treffen war total komisch und wir gingen spazieren. Du hast mir so viel über dich erzählt, du warst so offen und warst nur am strahlen. Du hattest eine glückliche Kindheit und ich war froh darüber. Wir waren beide 14 Jahre alt. Deine Mutter hat dich damals abgeholt. Beim zweiten Treffen bin ich nach der Schule mit dem Bus mit gefahren zu dir nach Hause. Wir haben über so vieles geredet und uns kaputt gelacht wie noch nie. Du warst mein Bester Freund in diesem Moment, ich war sehr stark depressiv. Vielleicht hast du es gesehen an meinen Armen. Und trotzdem hast du an dem Tag meine Hand gehalten und ich schlief auf deiner Brust ein. Aber mehr war da nicht. Wir waren nur Freunde, beste Freunde. Das dachte ich immer. Aber ohne dich wäre ich nicht mehr hier, wir haben uns geliebt. Ich werde nie vergessen wie du das erste mal sagtest, das du mich liebst und du mich dann geküsst hast. Das war also Liebe. Danke dir, ohne dich würde ich immer noch denken, das sowas beste Freunde machen würden. Aber das tun nur Menschen, die sich lieben. Du hast es dir zur Aufgabe gemacht, mich zum lachen zu bringen, jeden Tag und das hast du toll gemacht. Meine Depression war weg, das dachte ich. Aber das alles perfekt sei, wäre doch viel zu schön gewesen. Im selben Jahr sagtest du mir, das deine Mutter Krebs hatte. Deine kleine Welt stürzte ein in dem Moment, als sie wirklich starb und du vor ihr Grab standest. Ich hielt auf ihrer Beerdigung deine Hand um zu zeigen, dass ich immer für dich da wäre. Und das versuchte ich, wirklich.  Wir waren da schon länger als 1 Jahr zusammen. Du ließt dich hängen aber das sah niemand, niemand außer ich. Du wolltest nicht mehr zur Schule gehen und hast oft ein paar Tage gefehlt. Hausaufgaben und Klausuren waren für dich nicht mehr so wichtig. Ich beschloss aber, dich nicht im Stich zu lassen, weil ich dich liebte. So rief ich dich fast jeden Morgen an, damit du auch den Bus für die Schule bekamst. Ich sagte dir, was du für die Klausuren lernen solltest und schickte dir die Hausaufgaben, damit deine Noten nicht schlechter wurden. Ich habe mich um dich gesorgt. Aber vielleicht wurde ich so zur Spießerin. Ich habe dich an alles erinnert, ja sogar auch oft angemeckert. Klar wurde es mir manchmal zu viel, aber ich liebte dich. Aber da sah ich nicht, dass du mir Dinge verschwiegen hast, weil ich dir vertraut habe und ich dich nie hinterfragt habe. Aber wieso, wieso hast du mir ein halbes Jahr so viel verschwiegen? Und wieso musste ich es von jemand anderen erfahren als von dir? Du warst an den Wochenenden, wo wir nichts machten saufen, mit deiner Gruppe von der ich nie etwas wusste. Du hast anderen Weibern Komplimente gemacht während ich Ahnungslos Zuhause war. Du gabst mir die Schuld, dass du sowas gemacht hast, weil ich mich mit Jungs getroffen habe , die was von mir wollten. Aber was du dir dachtest, was passieren könnte ist nichts im vergleich dazu, was wirklich bei dir passiert ist. Das war der Unterschied. Ich dachte, du vertraust mir. Du weißt nicht wie man sich fühlt wenn eine von deinen Weibern mir die heimlichen Treffen erzählt hat und wie oft ihr immer saufen wart. Du hast in diesem Moment mein Herz gebrochen. Und noch mehr, als du nicht mal versucht hast, es mir zu erklären. Du hast dich einfach nicht mehr gemeldet. Es hat mir schon gereicht, das du angefangen hast zu kiffen und selbst das musste ich selber heraus finden. Aber das, war noch schlimmer. Ich weinte die ganzen fünf Tage, es war ungefähr Ende Mai, vor ungefähr einem Jahr. Ich wusste es da noch nicht aber da bist du gestorben und ich auch. Und ich  habe mich gehasst, als ich dir noch ne Chance gegeben habe. Ich konnte dir nicht mehr vertrauen und habe wegen jedem scheiß gemeckert. Wir haben uns nur noch gestritten. An unserem zwei Jährigen hast du mir einen Ring an den Finger gesteckt aber danach distanziertest du dich noch mehr von mir. Ich war traurig, glaub mir. Aber als ich das erste mal in diese blau/grauen Augen sah war es, als ob mich etwas berührt hätte. Er war mir ein Rätsel, er ist es immer noch. Ja, er war meine entgültige Entscheidung, dass ich dich nicht mehr lieben würde. Er brachte mich wieder zum lächeln, er und nicht du. Das war deine Aufgabe, du hast es dir zur Aufgabe gemacht. Aber du wusstest nicht, dass dir jemand diese Aufgabe weg nehmen konnte. Er erinnerte mich wieder daran, wie es ist verliebt zu sein. Ich hielt nur noch fest, weil wir beste Freunde waren und ich dich nicht im stich lassen wollte. Ich sehe uns manchmal immer noch am Spielplatz sitzen, da waren wir noch wirklich beste Freunde. Aber ich konnte an nichts mehr festhalten, was nicht mehr da war. Also ließ ich dich los. Es tat mir weh aber ich habe an dem Tag nicht geweint, erst als ich alles von dir aus meinem Zimmer entfernt hatte und in eine Kiste stopfte. Ich versuche bis heute dir irgendwie noch zu helfen aber du wirkst mir immer fremder. Wir sind beide jetzt 17 Jahre alt.  Ich habe mich damit abgefunden , ich kann dir nicht helfen. Ich kann dir nur zu hören, aber ich liebe jetzt jemand anderes , dem ich jetzt zur Seite stehe und ich gehöre ihm und nicht mehr dir und ich bereue diese Entscheidung auch nicht. Als ich dir das letzte mal in die Augen sah, sah ich nur diese Leere, das kiffen hat deine ganzen Gefühle verblassen lassen. Dein Lächeln von damals war genau so weg. Du bist gegangen , du bist nicht mehr mein Bester Freund. Aber ich werde nie vergessen wer du warst, bevor du gegangen bist.

Neuer Anfang, neues Glück

Das wir schon November haben, kann ich mir gar nicht vorstellen oder besser gesagt realisieren. Vor einem Jahr war meine Abschlussfahrt nach Berlin mit meiner ganzen Idioten Klasse. Die Busfahrt war wirklich das beste an dieser scheiß fahrt. Ich war verdammt nochmal 15 und trotzdem mega aufgeregt. Ich hatte vor einem Jahr angst, dass die Zeit mit meiner Klasse bald vorbei sein wird. Das jeder seinen eigenen Weg gehen würde und man noch kaum Zeit füreinander hat. Im Mai kamen dann die ersten Prüfungen und ich dachte, mein Leben sei vorbei. Alle waren im Stress und wollten ihren Abschluss nicht verhauen. Ich hab noch die Lehrer vor Augen, wie sie uns jede Menge Druck machten genau wie meine Mutter. Und Glücklich beendete ich die 10 Klasse mit einem Durchschnitt von 2,5. Seit dem hat sich viel verändert. Kennt ihr noch dieses süße Paar aus der 9. Klasse? Die zuerst beste Freunde waren und dann durch viele Komplikationen doch noch zusammen kamen und das ganze 2 Jahre? Man nannte uns „das Klassenpaar“. Nun, dieses Paar gibt es nicht mehr. Natürlich bin ich traurig, Max und ich haben so viel erlebt und so viel zusammen überstanden. Ich habe die Bilder aus meinem Zimmer abgehangen, alles hat mich an ihn erinnert. Aber es fing ja schon im Mai an, als ich die ganze Wahrheit erfahren habe. Da wollte ich schon schluss machen. Aber ich hab es nicht übers Herz gebracht, er war doch meine große Liebe. Also blieb ich mit ihm zusammen in der Hoffnung, er wird wieder der, der er einmal war. Ein Junge, der immer ein Lächeln auf den Lippen hatte und mich immer zum lachen gebracht hat. Der meine Albträume verjagt hat und mich beschützt hat, wie ein Vater seine Tochter. Der mich geliebt hat und es mir gezeigt hat. Aber, das war er nicht mehr. Seit dem Tod seiner Mutter habe ich alles getan, um ihn glücklich zu machen. Er kiffte, rauchte heimlich aber ich bekam alles herraus. Als ich die Zigaretten Schachtel in seiner Jackentasche gefunden habe, bin ich ausgerastet. Seine Mutter war da noch am Leben aber dem Tode nah. Ich hab ihn angeschrien und gefragt, wie dumm er sein kann. Dass seine Mutter Lungenkrebs hat und er anfängt zu rauchen. Ich hab ihn geschubst so wütend war ich. Aber dann merkte ich auch, wie hart ich zu ihm war. Immer wenn ich da war, habe ich alles getan, damit er glücklich war. Aber was war mit ihm, wenn ich mal nicht da war? Wenn ich so darüber nachdenke, hätte ich auch anders reagieren können. Aber ich wollte mir halt nicht ansehen, wie er zu Grunde ging. Musste ich aber. Er wurde kälter, abweisender. In der Schule hat er kaum was gemacht und dann war ich wie seine Mutter und habe ihm alles erklärt, ihm die Hausaufgaben gebracht, teils sogar die Lösungen geschickt, weil ich halt wollte, dass er irgendwas hatte. Für Arbeiten musste ich ihn zwingen zu lernen und hab ihm alles geschickt was er lernen sollte. Eine Zeit lang, hat er sogar oft verpennt und den Bus verpasst. Seit dem hab ich ihn immer so oft angerufen, bis er wach wurde und sich für die Schule fertig machte. Krass oder? Wenn ich mir so alles durchlese, war das ziemlich viel Anstrengung gewesen. Das spürte ich dann aber auch, wenn ich selber lernen musste. Das war einfach nur noch schrecklich anstrengend gewesen. Aber ich wollte ihn halt nicht im Stich lassen, weil ich ihn über alles liebte. Ich war treu, habe alles gemacht was er gesagt hat und habe ihm so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie sonst keinem Jungen. Und trotzdem war er auf Nico eifersüchtig. Dumm oder? Bei den meisten Jungs war ich eiskalt und hab auch mit vielen kontakt abgebrochen für ihn. Und trotzdem geht er sich mit anderen Mädchen vergnügen, während ich Zuhause war und ein Buch las. Ich weiß, ich höre mich total langweilig an. Und weil ich ja jetzt auf einer neuen Schule bin und in meinem Praktikum, kann ich das verkraften. Das arbeiten ist anstrengen aber so muss ich weniger an Max denken. Und überhaupt, hab ich jemand neuen kennengelernt. Er ist eigentlich das Gegenteil von meiner Vorstellung aber da ist etwas an ihm, was ich mag. Meine neuen Freunde machen sich schon darüber lustig, weil wenn ich von ihm rede die ganze Zeit wie eine bekloppte lächel. Verliebt? Das kann sein, sowas ist lange her bei mir gewesen also weiß ich nicht, was das ist. Ich weiß nur, dass er mich irgendwie glücklich macht und mein Herz komplett ausrastet, wenn ich ihn sehe. Verdammt, ich bin verliebt.

Dem Ende nah

Ich gehe gleich arbeiten, eher gesagt mit meiner großen Schwester ein wenig Kellnern. So macht man das mit 16 Jahren. Und obwohl ich meinen Abschluss in weniger als drei Wochen schon habe, bin ich im dauerstress. Ich muss mich um viele Dinge kümmern für mein Fachabi und mein diesejähriges Praktikum im Krankenhaus. Die letzten Wochen bestanden darin, alles von meiner Liste ab zu arbeiten, die ich von der Schule und Krankenhaus bekommen habe, die ich erledigen muss, bevor ich dort bin. Das hieß also: Verträge ausfüllen, 40 Blätter durchlesen die wichtig sind fürs Krankenhaus, alles hundert mal zu unterschreiben, Arzt Termine machen für die vor Untersuchungen die man braucht, um im Krankenhaus arbeiten zu dürfen, zum Bürgerbüro rennen um mir Führungszeugnisse machen zu lassen und Bescheinigungen ab zu holen, die ich dann auch noch vom Arzt unterschreiben lassen muss und für Bus Bescheinigung, zusätzliche Impfungen und der ganze Kram. Das stresst einen total. Vor allem , wenn man alles alleine machen muss. Ja gut, ein paar mal hab ich meine große Schwester gefragt aber am Ende blieb ja alles an mir hängen. Zusätzlich noch die Schule, die ich ja auch nicht ganz vergessen darf, 3 Wochen hin oder her. In der zeit wo ich das alles machen musste, waren meine Abschluss Prüfungen. Also noch dafür lernen, Hausaufgaben machen und der ganze Schulkram halt. Stress pur. Noch waren die letzten Monate mit meinem Freund die Hölle aber auch davon hab ich mich nicht klein bekommen. Ich musste ja irgendwie weiter machen. Jungs Probleme sind daher mein geringstes Problem aber genau die, nehmen mir die meiste Kraft. Ich brauch auch noch ein Kleid für mein Abschluss. Eigentlich wollte ich es mir schon vor 3 Wochen besorgen aber nach dem 8 Geschäft hatte ich keine Lust mehr und mir fehlte auch die Kraft dazu. Also bestelle ich mein Kleid jetzt einfach aus dem Internet.

Meine Zeit in der 10. Klasse ist fast vorbei und bald verlasse ich die Schule. Ich kann mich noch an den Tag erinnern, wo ich dass erste mal meine ganze Klasse gesehen habe. Ich kannte die hälfte nicht also war ich total nervös, was auch mich zu kommen wird. Und dann sah ich den Haufen vor meiner Nase. Als ich dann alle vorstellten hab ich mich echt gefragt, was bei den schief gelaufen ist. Dass das jetzt unmöglich meine Klasse sein kann. War es aber. Die ganzen 6 Jahre. Und es war doch eine angenehme Zeit. Und bald kommt eine neue Zeit auf mich zu.

16

Morgen bin ich 16 Jahre. Manchmal vergesse ich, wie schnell die Zeit vergeht. Ich erinnere mich als ich 6 war und ich Emely das erste mal auf dem Arm hatte. Das ist schon 10 Jahre her. Von diesem Tag an, als ich sie zum ersten mal sah, wollte ich, dass sie zu mir aufsieht. Als sie das erste mal krabbelte, krabbelte ich neben ihr her, damit sie sich nicht irgendwo stößt. Wenn ich von der Schule kam in Bochum und ich damals noch diese kleine Wohnung hatte, musste ich aufpassen die Tür nicht so weit auf zu machen, weil sie einfach immer im Weg war. Ihr strahlen als sie mich sah was goldig. Mit ihren ersten zwei Zähnchen nannte sie mich „Dada“. Ich erinnere mich noch daran, dass sie immer versuchte, mir alles nach zu machen, was sie sogar bis heute tut. Als sie das erste mal aufgestanden ist hab ich angefangen zu klatschen und sie machte es mir nach und grinste mich an. Ich habe alles von ihr gesehen, ihre ersten Schritte, ihre ersten Worte, ihre  Verletzungen und Dinge, die ich ihr beigebracht habe. Als sie fünf war, wollte sie genau so gut Inliner fahren wie ich also übte ich mit ihr. Welch eine Ironie, das mir meine große Schwester es ebenso beigebracht hatte, da war ich auch fünf Jahre. Ich weiß noch wie ich fünf wurde in meinem Kindergarten. Ich höre immer noch die Stimme von der Erzieherin die mir gesagt hat „Du bist schon fünf, eine ganze Hand voll“ und ich hab mich in dem Moment total besonders gefühlt. Trotz der vielen Dinge die mir passiert sind habe ich genug schöne Erinnerungen, die die schlimmen verblassen lassen. Ich meine, meine kleine Schwester groß werden zu sehen ist glaube ich fast so, als ob man sein eigenes Kind groß werden sieht. Es ist zwar nicht das selbe aber ähnlich. Wenn sie schmerzen hat, tut es mir ebenso weh. Ich werde nie ihr schreien aus meinem Kopf bekommen, als der Krankenwagen vor unserer Tür stand und ihr Bein verbrannt wurde. Als wir dann alle im Krankenhaus waren und sie gerade nach einer Behandlung wach wurde waren ihre ersten Worte „Wo ist Sandra“. Als ich dann bei ihr war und mich zu ihr ans Bett hin kniete, konnte ich meine Tränen nicht mehr halten.  Und das einzige was sie sagte war „Wieso weinst du?“.  Dabei musste ich lächeln, ich habe ganz vergessen, das sie gar nicht weiß, wie sehr ich sie eigentlich liebe. Aber ich würde genau wie eine Mutter, alles für sie tun. Ich liebe dieses Kind, ich liebe meine kleine Schwester. Und ich weiß wie sehr sie mich liebt, weil ich auch weiß wie es ist eine kleine Schwester zu sein. Ich bin beides. Und ich bin froh darüber an meinem 16 Geburtstag mit diesen beiden Menschen in den Zoo zu gehen, ein Schwestern Tag.

Was noch?

Seit Tagen oder sogar Wochen, fühle mich nicht mehr ich selbst. Vielleicht liegt es auch an den Abschluss, den ich einfach nicht verhauen will. Seit Tagen fühle ich mich müde, habe durchgehen Kopfschmerzen und bekomme manchmal plötzlich starke Bauch oder Magenschmerzen und mir wird übel. Manchmal wird mir nebenbei auch schwindelig. Meine Mutter meinte, es könnten die Nebenwirkungen der Pille sein oder, dass ich einfach viel zu gestresst bin. Ich vermute, es liegt an beiden Dinegn. Die Schule stresst mich und seit dem ich die Pille nehme, kann ich kaum rennen oder Treppen steigen, ohne aus der Puste zu sein. Naja, besser als mit 15 Schwanger zu werden. Also kann ich damit auch Leben, noch.

Ich finde, zwischen Max und mir ist es komisch geworden.. klar liegt es vlt daran, das wir fast zwei Jahre zusammen sind  und es dann nicht mehr so aufregend ist wie am Anfang aber bei mir ist das nicht so. Ich bin sogar total eifersüchtig auf jedes Mädchen mit dem er schreibt und wenn ich dann sehe, das so ne Fotze ihm Herzchen schreibt, ist es vorbei bei mir. Ich hatte bei Nico nie sowas. Ich wusste nicht, mit wem er schreibt oder mit wie vielen Weibern, das hat mich noch nicht mal interessiert. Ich wusste einfach, das er nur mich liebte. Ich will jetzt Max nicht unterstellen, das er mich nicht liebt aber je mehr ich höre oder sehe, wie er mehreren Weibern schreibt, wie wichtig sie ihm seien, wie soll ich mich dann noch besonders fühlen? Oder noch schlimmer, wie soll es nach dem Abschluss sein? Wenn er noch mehr Mädchen kennenlernt und noch mehr Mädchen ihn anbagern. Ich bin nicht wie die anderen scheiß Fotzen die sich denken ich bin eh geil, den schnapp ich mir schon , nein ich in eher die, die Angst hat ersetzt zu werden.  Ich kann nicht mit Stolz sagen ich bin eh geiler als die anderen, denn ich weiß, das es nicht stimmt. Ich hab das Gefühl, das er sich von mir entfernt. Klar, seine Mutter ist gestorben und er will nicht darüber reden und so aber ich habe das Gefühl, dass er mir gar nichts mehr sagt aber dafür anderen Mädchen. Dabei weiß ich noch ganz genau wo wir beste Freunde waren, wir nebeneinander lagen, an die Decke gestarrt haben und wir über unsere Ängste und Träume geredet haben. Er war so offen und ehrlich zu mir, dass ich das Gefühl bekam, besonders zu sein. Dieses Gefühl ist leider verflogen und ich warte darauf, das es zurück kommt.

Eine andere Sache, die mich belastet, meine Mutter. Sie ist nämlich Krank. Es entwickeln sich Gallensteine in ihrer Blase oder so und wenn es schlimmer wird, muss sie operiert werden. Meine Mutter sagt zwar, es sei nicht so schlimm aber wenn ich sie da manchmal so sitzen sehe, völlig blass und schwach und das sie sich beklagt, was sie für Schmerzen hat, wird mir ganz anders. Als würde jemand an mein Herz zerren, aber nur ganz leicht. Ein mal wollte ich in die Küche aber bin vor der Tür stehen geblieben, weil ich meine Mutter weinen hörte, sie weinte sich bei meinem Vater aus. Das zu hören, hat mir den Rest gegeben. Auch mir kamen die Tränen, es ist schließlich meine Mutter. In dem Moment, wusste ich, wie sich Max fühlen musste und zwar die ganze Zeit. Meine Mutter setzt sich irgendwas in den Kopf, das sie davon Krebs bekommen könnte oder so ein scheiß Dreck. Mein Vater hat da sofort reagiert und meinte, sie soll nicht so ein scheiß im Internet glauben. Da hatte er recht, Polizisten mit ihrer „Ich weiß eh alles besser“ Art. Aber in diesem Punkt hatte er recht gehabt. Meine Mutter hatte mal mit 9 Jahren Krebs gehabt aber weil ihr Vater einer der Reichsten Leute in der Stadt war, waren die besten Ärzte bei ihr und haben sie gerettet. Jetzt hat sie ntürlich angst, es wieder zu bekommen. Aber das passiert nicht, es darf nicht passieren, ohne meine Mutter, wäre ich ein niemand. Als mein leiblicher Vater uns verlassen hatte, hatte er die Wahl.  Entweder er würde für das, was er getan hat im Knast sitzen oder Auswandern. Er hat sich für das zweite Entschieden und mich somit verlassen. Meine Mutter, ist das einzige, wo ich wirklich sagen kann, das es meine Mutter ist. Nicht wie mein Stief Dad oder meine halb Schwestern, nein, sie ist meine Mutter. Und ich liebe sie.