Ich wünsche mir..

Als ich in der Klinik war, sollte ich in der letzten Deutschstunde etwas schreiben.  Ich sollte schreiben, was ich mir wünsche. Es war Dienstag und die Lehrerin hat mir einen ganzen Stapel voller Papier gegeben, von Patienten, die vor mir da waren und ihre Wünsche aufgeschrieben haben. Ich konnte mir nicht alle durchlesen und fand ein Brief, der mich bewegt hat. Und als ich unten ankam, sah ich auch wer es geschrieben hat. Es war Nika, die an dem Freitag gegangen war. Obwohl sie erst 15 war, schrieb sie wundervoll. Ich vermisste sie in dem Moment und machte ein Foto von ihrem Brief. Als ich weiter schaute, sah ich einen Brief mit einer schrecklichen Handschrift. Und obwohl darauf kein Name stand, wusste ich sofort, wer das geschrieben hat. Es war Hauke. Gerade mal 14 Jahre alt und das einzige was er sich gewünscht hat, war seinen Unfall verhindern zu wollen. Ich wollte ihn in diesem Moment umarmen aber er war schon fast eine Woche nicht mehr da. Diese Menschen in der Klinik sind mir alle ans Herz gewachsen. Wir saßen alle bei Nika, als sie jeden Abend ihre komischen Anfälle hatte. Jeden Abend kamen wir alle zusammen und spielten Werwolf. Unsere Gemeinschaft war so stark und wir haben uns gegenseitig vom Leid abgelenkt. Gestern als ich Reli hatte, war unsere Aufgabe, sich etwas zu wünschen und aufzuschreiben. Ich dachte dabei an Nika und Hauke und all die Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Meine Mitschüler wünschten sich ein Auto, Geld oder den Führerschein. Einige wünschten sich auch Liebe und Glück fürs neue Jahr. Sie wünschten sich, dass sie das Fachabi schaffen würden. Einige wünschten sich auch Gesundheit. Ich schrieb nur einen Satz auf, der alles verkürzt, was ich in der Klinik geschrieben habe „Ich wünsche mir…das Gesundheit für jeden das wichtigste bleibt“. Heute in Deutsch sagte unser Lehrer, wie eine Welt wäre, wenn es nur ums Geld gehen würde. ,,Ein chronisch krankes Kind soll man helfen? Wozu? Es wird doch immer nutzlos für die Bevölkerung sein. Dann kann man lieber 20 gesunde deutsche helfen, eine Wohnung zu finden, die können ja dann wenigstens arbeiten gehen“, sagte er vor der ganzen Klasse. In diesem Moment schaute mich Robin von der Seite an und es drehten sich einige Mitschüler zu mir und tuschelten. Warum dieser scheiß Lehrer ausgerechnet das als Beispiel gegeben hat weiß ich nicht. Er weiß doch genau, dass ich das habe. Ich bin nach der vierten dann gegangen, weil mein Körper seit dem mit Schmerz übergossen war, dass mir jeder Knochen weh tat. Aber ich bin nicht so hilflos, wie alle denken. Ich hab es satt, dass sich alle sorgen um mich machen und mir helfen wollen. Ich bin krank ja, aber ich bin nicht behindert. Ich kann immer noch sprechen und denken, wie normale Menschen. Ich kann fühlen, ich bin nicht kaputt wie eine Maschine. Aber der Lehrer hatte schon recht. Würde die Welt nur so denken, würde man mir nicht helfen wollen. Aber eigentlich, kann dir das niemand nehmen. Man muss es selber bekämpfen und das tue ich jeden Tag. Als ich gestern bei ihm war, hatte ich keine Schmerzen. Es war wundervoll, dass ich Momente mal genießen konnte, ohne ein fake lächeln zu erzwingen. Es war echt. Alles. Und ich danke ihm dafür. Es gibt doch noch etwas, was ich mir wünsche: Das dieser Mann eines Tages wirklich glücklich ist. Das hat er verdient.