Angst

Ich habe das Gefühl, dass etwas sich in mir verändert, dass irgendwas passiert. Meine Krankheit wird immer schlimmer, immer lästiger und anstrengender für mich. Nicht nur, dass ich am ganzen Körper Chronische Schmerzen habe, die hin und her wandern, kommen noch andere Dinge ins Spiel. Aber genau diese Dinge, entscheiden meine ganze Stimmung. Eigentlich haben die vor fast zwei Jahren leicht angefangen aber ich hab sie nicht ernst genommen, niemand hat das. Aber ich glaube, das waren die ersten Anzeichen von  meiner Krankheit. Mein Kreislauf ist im Arsch. Ich war immer sportlich gewesen und einer von den schnellsten gewesen in meiner Klasse. Aber irgendwann bekam ich im Schulsport keine Luft mehr und vor lauter Panik, fing ich  an zu weinen und viel zu Boden. Ich sah aus, als würde ich sterben, meinten meine Freunde. Ich schob es auf die Sporthalle, es war so drückend warm gewesen. Beim dritten mal, kippte ich aber draußen beim sprinten um. Und als ich im März glaube ich, einfach so im Unterricht umgekippt bin, war es eindeutig. Ein Monat später hatte ich dann auch diesen Schmerzschub, der bis heute nicht weg gegangen ist. Die Schmerzen hatte ich auch schon mal. Sie waren nur kurz da und verschwanden ganz schnell, also dachte ich mir nichts bei, vor allem weil ein paar Monate gar nichts kam. Aber jetzt wird meine Krankheit von Tag zu Tag schlimmer. Ich werde immer müder, mit jedem Tag. Ich schlafe nur noch im zwei Stunden Takt und hab schon seit Monaten nicht mehr durch geschlafen. Ich hatte gestern auch wieder vom rumliegen Herzrasen bekommen. Mein ganzer Körper schaltet sich immer mehr ab. Ich esse kaum noch was oder bekomme kaum noch was runter. Als ob mein Körper protestieren würde, dass ich was essen soll. Appetit hab ich manchmal aber wenn ich das Essen schon rieche oder nur ein wenig esse, wird mir schlecht. Als ob ich gleich alles wieder raus kotzen müsste. Selbst mein Kiefer versteift sich manchmal und es fällt mir schwer zu kauen. In den letzten Tagen habe ich auch gemerkt, dass meine Ohren sehr empfindlich wurden. Meine kleine vier jährige Cousine hat letztens mit einer Gabel die ganze Zeit gegen ihr Glas getrommelt und während alle nur am lachen und begeistert davon waren, zuckte ich bei jedem schlag zusammen und musste mir die Ohren zu halten. Ich werde auch immer Licht empfindlicher. Generell spielen mir meine Augen in letzter zeit oft Streiche, manchmal erkenne ich ohne Brille alles ganz scharf, sei es nur für 5 Sekunden. Und manchmal sehe ich mit meiner Brille alles verschwommen, auch nur für kurze Zeit. Irgendwas passiert mit mir, ich fühle es. Jeden Tag fühle ich mich schwächer und mein ganzer Körper wird von den Schmerzen immer steifer und schwerer. Ich träume ich schreckliche Dinge. Nicht mehr die gewöhnlichen Albträume, wo ich von dem Mann verfolgt wurde, der mich früher geschlagen hat. Diese Träume fühlen sich noch echter an, es sind Träume, wo ich sterbe. Träume, wo ich aufwache und Blind bin oder nichts mehr hören kann. Träume, wo ich zu viel gegessen habe und Blut auskotze. Träume, wo ich einschlafe und nie wieder aufstehe. Ich sehe meine eigne Beerdigung vor meinen Augen. Meine Finger tun gerade wieder weh, ich schreibe zu viel. Mein Rücken versteift sich wieder, ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Kann es doch sein, dass da mehr ist? Wenn ich ernster krank bin, als alle denken, dann kommt mir alles logischer vor. Diese ganzen Symptome , ich habe echt angst, dass ich eines Tages ins Bett gehe und nie wieder aufstehen werde. Deshalb versuche ich gerade, solange ich noch fit genug bin, mich um meine Freunde zu kümmern, mit ihnen Zeit zu verbringen und zu lachen. Ich hab das Gefühl, dass ich eines Tages nicht mehr die Kraft dazu haben werde. Alle sehen mich und höre mich lachen, sie denken so schlimm krank kann sie nicht sein. Das ist auch gut so, niemand soll mich deswegen anders behandeln. Ich mache das alles für meine Familie und für die Menschen die ich liebe. Ich möchte nicht das sie sehen, wie sehr ich leide. Ich wünschte nur, du würdest mit mir noch ein letztes mal richtig  Zeit verbringen. Denn ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde, dieses Kampf zu gewinnen. Ich wünsche mir nur ein Tag in deine Armen mit den Worten, dass ich es schaffen werde. Aber alles was mir bleibt, ist die Angst.