Archiv für den Monat: Dezember 2018

Meine letzten Worte?

In zwei Tagen ist dieses Jahr vorbei. Ich hab leider keine Zeit um es kurz vor Neujahr zu verfassen, deshalb schreibe ich jetzt meine letzten Worte für dieses Jahr auf. Dieses Jahr hat sich einiges geändert für mich. Vieles um genau zu sein. Am Anfang dieses Jahres, war ich motiviert mein Fachabi zu meistern, mein Führerschein zu machen und etwas glück mit der Liebe zu haben. Nichts davon ist wahr geworden. Mein Fachabi zerbrach in dem Moment, als ich am ersten Mai ins Krankenhaus eingeliefert wurde, weil ich meine Beine nicht mehr bewegen konnte. Und ein Teil zerbrach in mir, als meine Krankheit bestätigt wurde. Ich hab mich, seit der Wahrheit meines leiblichen Vaters, noch nie so schwach gefühlt. Es war nicht nur meine Seele, die brannte. Es war mein Körper, der weh tat. Und so zog ich mich zurück. Ich sprach mit meiner Familie kaum noch. Und dann ging ich in die Klinik für drei Wochen. Meine Eltern meinten, ich sei fröhlicher gewesen an den Tagen, wo ich Zuhause war. Das war ich auch, wir waren in der Klinik wie eine kleine Familie. Nur leider, hab ich durch das ganze durcheinander, nicht mehr an meinen Führerschein gedacht. Ich kam beim Fachabi nicht mehr mit und kippte vor allen in der Klasse zwei mal um. Es war hart. Bei der Liebe habe ich leider aufgegeben in diesem Jahr. Vielleicht lag es daran, weil ich viel mit meiner Krankheit beschäftigt war. Typen wollten sich mit mir treffen, wollten mich ins Bett bekommen aber ich hasse das. Kann mich mal ein Typ nicht nur wegen meinem Körper mögen? Es nervt mich. Es wundert mich, dass ich nicht so tief gesunken bin, wie ich eigentlich gedacht habe. „Sie ist krank verdammt und säuft sich jetzt nur noch ins Koma oder raucht wie ne kloppte oder schläft mit jedem Typen, nur um sich davon ablenken zu lassen“. Nein, so wollte ich nie sein. Mein Gehirn ist zwar komplett unter Strom aber meinen Stolz und meinen Wert habe ich nicht weg geworfen. Ich werde nicht saufen und rauchen, wie mein Vater. Ich werde keine schlampe, die sich von jedem durchnehmen lässt. Ich bin immer noch Ich selbst geblieben. Zwar etwas kälter aber immer noch ich selbst. Und das wünsche ich mir auch fürs nächste Jahr. Ich werde kämpfen, für mein Führerschein, für meine Ausbildung, für meine Familie, meine Freunde und nicht zu vergessen: Für mich selbst! Und wenn die Liebe eines Tages auf mich zu kommt, werde ich keine Angst haben. Ich werde nächstes Jahr 18. Es wird Zeit Erwachsen zu werden.

Wahre Stärke

Gestern bin ich aufgewacht und stand unter Strom. Jeder kleine Schritt tat mir weh. Aber ich musste stark sein, für die große Weihnaschtswanderung. Ich habe mich jedes Jahr davor gedrückt. Letztes Jahr war es mein Knie, was weh tat. Davor das Jahr tat mir der Rücken weh und so weiter. Aber dieses Jahr gab es keine Ausreden mehr. Ich musste da durch. Die ersten Schritte, taten am meisten weh. Mein Körper werte sich, zwang mich, aufzuhören. Aber ich wollte meine Familie nicht enttäuschen. Nach Meterlangem laufen, waren wir im Wald. Der Geruch des Waldes, jagte mir eine Gänsehaut ein. Ich war als Kind oft im Wald und habe dort mit meinen damaligen Freunden gespielt. Es fühlte sich an, wie eine Ewigkeit, als wir immer tiefer in den Wald gingen. Bis wir an einer Stelle ankamen, die mir bekannt vor kam. ,,Wir sind hier?!“, fragte ich meine Eltern. Sie lachten nur. Hier war ein Teil von Olfen, den ich auswendig kannte, Eversum. Und als wir einen Weg lang liefen, fiel es mir wieder ein. Als ich die große Wiese sah, wo die Lippe umher floss, kamen mir so viele Erinnerungen zurück. Hier bin ich damals mit Wiebke immer hin gegangen. Ich sah mich auf der Wiese rennen und lachen, wo daneben jetzt ein Aussichst Turm war. Und dann merkte ich auch, wie lange ich nicht mehr hier war. Dieser Moment hat mich so sehr bewegt, dass mir die Tränen kamen.  Ich war da 13 Jahre alt und noch voller Energie. Aber der Schmerz stichte in meinem Rücken. Und nach der Pause fing ich an, schneller zu laufen, fester zu laufen. Ich blendete den Schmerz aus. Und war plötzlich von meiner Familie ganz vorne mit dem Hund. Meine Geschwister jammerten schon, das sie nicht mehr konnten. Aber plötzlich war ich voller Energie und spürte keine Schmerzen mehr. Ich fühlte mich wieder, wie ein Kind. Meine ganze Familie war von meiner Stärke begeistert und stolz auf mich, dass ich 10 Kilometer, ohne jammern gemeistert habe.  Dieses mal, habe ich den Schmerz für diesen Tag besiegt und genoss es, für diesen Augenblick, schmerzfrei zu sein. Und mit dieser Stärke, gehe ich morgen arbeiten.

Sorgen.

Ist es falsch, sich so viele Sorgen um einen Menschen zu machen? Das man diesen Menschen beschützen will und zu ihm rennen würde? Egal was man gerade hat? So habe ich mich gestern gefühlt, als er nach mir gerufen hat. Als ich seine Stimme hörte, war es sofort klar: ich muss zu ihm!“ Ich zog meine Jacke an und wollte gerade die Tür auf machen, als mein Vater rein kam. Er ließ mich nicht gehen, ich wäre viel zu blass im Gesicht und außerdem zitterten meine Beine und mein Gang wäre ganz schwach. Er wollte nicht, dass ich auf dem Weg umkippe und niemand bekäme es mit. So zog er meine Jacke aus, entschuldigte sich und ging raus. Ich wäre zu ihm gegangen, egal ob ich kurz vorm umfallen gewesen wäre. Für ihn würde ich alles tun. Und ich frage mich immer noch, wieso ich? Wieso kommt er immer zu mir? Normale Freunde sind wir ja wohl nicht. Und ich kann nicht aufhören, mir so viele scheiß Sorgen um ihn zu machen! Ich weiß so viel von ihm und nichts davon schreckt mich ab, für ihn da zu sein. Ich kenne ihn. Und ich würde immer zu ihm halten und für ihn kämpfen. Weil..ich ihn..liebe. Ich weiß nicht mal selber was das bedeutet. Ich weiß nur, dass ich immer zu ihm gehen würde und immer nur das Gute in ihm sehe..

Liebe?

Merkt man es, wenn man jemanden liebt? Und welche Art von Liebe ist es? Natürlich ist es ein Unterschied, wenn man jetzt seine Schwester oder seine Freunde liebt. Und wir suchen doch alle einen, der uns irgendwie wiederspiegelt. Die Person fürs Leben. Sonst ist man ja eines Tages alleine. Aber woher weiß man genau, dass es diese Person ist?

Ich habe das selbe Max vor kurzem gefragt. Viele Weiber stehen auf ihn, was mich nicht besonders wundert. Er sieht gut aus und hat ein Herz aus Gold. Er fand es aber nicht so toll. Er meinte, dass er keine davon je lieben würde.  Ich fragte ihn, warum? ,,Liebe entsteht nicht einfach so. Es braucht Zeit, um zu wissen, dass man diese Person liebt. Diese ganzen Mädchen, meinen mich zu lieben, obwohl sie mich nie weinen gesehen haben. Sie haben immer nur meine gute Laune genossen. Aber wenn man jemanden liebt, dann muss man alles von ihm sehen. Und wenn diese Person dann weint, würde man alles tun, um diese Person glücklich machen zu wollen“. Ich war baff. Ich fragte ihn, woher er das alles wusste. ,,Ich habe dich geliebt und sonst keine seit dem“, sagte er nur und zog an seiner Kippe. Ich war dann froh, dass ich wenigstens eine gute Sache bei ihm hinterlassen habe.  Kaum zu glauben, dass wir so ein Gespräch geführt haben. Aber er hatte recht. Ich hoffe für ihn, dass er eines Tages wieder so eine Liebe findet. Ich habe sie schon gefunden.

Geist.

Ich glaube, mein Gehirn ist ziemlich kaputt. Ich fange an Dinge zu vergessen. Nach jedem Anfall, sind es immer mehr Dinge. Und gestern, als sich plötzlich die Wände im Badezimmer bewegt haben, dachte ich, ich bin verrückt.  Stimmen wurden ganz stumpf und alles fühlte sich plötzlich so unecht an. Ich bekam Angst, wie ein kleines Mädchen war ich in meinem Kopf gefangen. Meine Therapeutin sagte mir, ich soll ganz genau achten, was mich in so einer Lage bringt. Aber dafür gab ich nicht mal einen Grund, ich habe normal mit meiner Familie gegessen, bis ich mich wie eine Maschine verhielt. Alles verdammt gruselig. Vorallem ging es mir davor noch super. Ich habe mit den Kindern gespielt und mich aufs Essen gefreut mit meiner Familie aber anscheinend war ich zu glücklich, denn da dachte sich mein Kopf „Jetzt bist du wieder verrückt“ und zack war ich ein Geist. Ich glaube aber, wenn ich mich zu  sehr damit befasse, wird es schlimmer. Morgen muss ich wieder zur Klinik, um meine Fortschritte mitzuteilen. Fortschritte? Ich bin mehr umgekippt oder hatte Anfälle in den letzten Monaten, als in den ganzen zwei Jahren wo ich diesen Schmerzanfall bekam. Mein Kopf tut auch mega weh gerade und irgendwie zieht es im Unterleib auch noch. Reicht es nicht schon, dass ich regel schmerzen habe, soll das zwischendurch auch noch weh tun? Aber was sagen die Therapeuten immer? „Ignorier  es“ wow, danke für den Tipp. Wenn sich jemand mal den Arm bricht, soll man auch einfach daneben stehen und sagen „Ignorier es“? So fühl ich mich immer. Warum auch Gott wollte, dass ich eine komplizierte Krankheit bekomme. Ich überlege schon, die Pille abzusetzen, weil die ganze Hormone vlt auch meine Schmerzen verstärkt. Aber dann denke ich mir auch, wenn es nicht der Fall ist und ich dann Schwanger werde, hätte ich die schmerzen dann doch behalten und nicht rum experimentiert. Also Augen zu und durch.

Ich wünsche mir..

Als ich in der Klinik war, sollte ich in der letzten Deutschstunde etwas schreiben.  Ich sollte schreiben, was ich mir wünsche. Es war Dienstag und die Lehrerin hat mir einen ganzen Stapel voller Papier gegeben, von Patienten, die vor mir da waren und ihre Wünsche aufgeschrieben haben. Ich konnte mir nicht alle durchlesen und fand ein Brief, der mich bewegt hat. Und als ich unten ankam, sah ich auch wer es geschrieben hat. Es war Nika, die an dem Freitag gegangen war. Obwohl sie erst 15 war, schrieb sie wundervoll. Ich vermisste sie in dem Moment und machte ein Foto von ihrem Brief. Als ich weiter schaute, sah ich einen Brief mit einer schrecklichen Handschrift. Und obwohl darauf kein Name stand, wusste ich sofort, wer das geschrieben hat. Es war Hauke. Gerade mal 14 Jahre alt und das einzige was er sich gewünscht hat, war seinen Unfall verhindern zu wollen. Ich wollte ihn in diesem Moment umarmen aber er war schon fast eine Woche nicht mehr da. Diese Menschen in der Klinik sind mir alle ans Herz gewachsen. Wir saßen alle bei Nika, als sie jeden Abend ihre komischen Anfälle hatte. Jeden Abend kamen wir alle zusammen und spielten Werwolf. Unsere Gemeinschaft war so stark und wir haben uns gegenseitig vom Leid abgelenkt. Gestern als ich Reli hatte, war unsere Aufgabe, sich etwas zu wünschen und aufzuschreiben. Ich dachte dabei an Nika und Hauke und all die Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Meine Mitschüler wünschten sich ein Auto, Geld oder den Führerschein. Einige wünschten sich auch Liebe und Glück fürs neue Jahr. Sie wünschten sich, dass sie das Fachabi schaffen würden. Einige wünschten sich auch Gesundheit. Ich schrieb nur einen Satz auf, der alles verkürzt, was ich in der Klinik geschrieben habe „Ich wünsche mir…das Gesundheit für jeden das wichtigste bleibt“. Heute in Deutsch sagte unser Lehrer, wie eine Welt wäre, wenn es nur ums Geld gehen würde. ,,Ein chronisch krankes Kind soll man helfen? Wozu? Es wird doch immer nutzlos für die Bevölkerung sein. Dann kann man lieber 20 gesunde deutsche helfen, eine Wohnung zu finden, die können ja dann wenigstens arbeiten gehen“, sagte er vor der ganzen Klasse. In diesem Moment schaute mich Robin von der Seite an und es drehten sich einige Mitschüler zu mir und tuschelten. Warum dieser scheiß Lehrer ausgerechnet das als Beispiel gegeben hat weiß ich nicht. Er weiß doch genau, dass ich das habe. Ich bin nach der vierten dann gegangen, weil mein Körper seit dem mit Schmerz übergossen war, dass mir jeder Knochen weh tat. Aber ich bin nicht so hilflos, wie alle denken. Ich hab es satt, dass sich alle sorgen um mich machen und mir helfen wollen. Ich bin krank ja, aber ich bin nicht behindert. Ich kann immer noch sprechen und denken, wie normale Menschen. Ich kann fühlen, ich bin nicht kaputt wie eine Maschine. Aber der Lehrer hatte schon recht. Würde die Welt nur so denken, würde man mir nicht helfen wollen. Aber eigentlich, kann dir das niemand nehmen. Man muss es selber bekämpfen und das tue ich jeden Tag. Als ich gestern bei ihm war, hatte ich keine Schmerzen. Es war wundervoll, dass ich Momente mal genießen konnte, ohne ein fake lächeln zu erzwingen. Es war echt. Alles. Und ich danke ihm dafür. Es gibt doch noch etwas, was ich mir wünsche: Das dieser Mann eines Tages wirklich glücklich ist. Das hat er verdient.

Innerlich.

Mein Onkel ist zu besuch.  Aber nicht nur irgendein Onkel, es ist der Bruder meines leiblichen Vaters. Als ich ihn das erste mal gesehen habe, viel mir sofort seine innere Ruhe auf. Er ist anständig und seine Kinder schätzen ihn als Vater. Ich will nicht wissen, was seine Kinder über mich denken. Wahrscheinlich kannten sie meinen Vater und die ganzen Geschichten und plötzlich steht seine Tochter vor ihrer Tür. Manchmal vergesse ich es, eine Polin zu sein. Aber je mehr ich da sahs und jedes einzelne Wort verstand, was sie redeten, fühlte ich mich wieder wie ein kleines Kind. Meine erste Sprache die ich konnte war polnisch. Ich war ein richtiges polnisches kleines Mädchen. Ich war oft in Polen bei meiner Oma mit meiner Schwester, Mama hatte immer viel zu tun. Mit meiner Cousine verbrachte ich die meiste Zeit zusammen, neben meiner Schwester. Obwohl wir zwei Jahre auseinander waren, machten wir alles zusammen. Wir redeten dabei nur polnisch. Aber das war unser Problem damals. Wir mussten plötzlich eine andere Sprache können. Ich tat mich nicht schwer dabei, ich war da gerade erst vier und je kleiner man ist, umso leichter kann man einem Kind was beibringen. Meine Cousine war schon sechs und tat sich damit ganz schwer. Ich durfte sie zwei Jahre nicht sehen, weil meine Tante meinte, dass sie wegen  mir kein deutsch konnte und nur mit mir polnisch sprach. Das war für mich sehr schwer damals. Kein polnisch sprechen. Nur deutsch. Das sagte selbst meine Mutter immer zu mir. Und eines Tages, wenn meine Mutter mich was auf polnisch fragte, antwortete ich auf deutsch. Jedes mal. Polnisch war in meinem Leben gar nicht mehr so wichtig gewesen. Deutsch können stand ganz oben bei mir. Im Kindergarten hatte ich so meine ersten Freunde gefunden und in der Schule sah man mir nicht mehr an, dass ich eine Polin war. Plötzlich war ich eine deutsche gewesen. Ich lernte lesen und schreiben auf deutsch. Man hat mich zu was ganz anderes geformt. Und meine polnische Familie lernte ich nie kennen oder sah sie viele Jahre nicht mehr. Das was ich wirklich war, versteckte sich in meinem Herzen und ist ganz tief vergraben worden. Ich war keine Polin mehr. Ich war eine deutsche. Und als meine Oma nach sieben Jahren uns besuchen kam, konnte ich nicht mehr mit ihr sprechen. Es war einfach weg. Ich konnte sie verstehen, jedes einzelne Wort aber ich konnte es nicht von mir geben. Ihr Gesicht dabei, als ob ihr Herz brechen würde. Und es tat mir so leid in diesem Moment. Aber ich gehörte nicht mehr dazu. Ich war keine Polin mehr. Ich sprach es nicht mehr bis ich meinen Vater kennenlernen wollte. Und als mein Onkel Freitag mit mir getanzt hat, hat er mit mir einen polnischen  Tanz getanzt, den alle Polen können in meinem Alter. Meine Tante nahm es ganz stolz mit ihrem Handy auf und sagte :Wie eine richtige Polin tanzt du. Du bist eine Kluczkowski“. Dieser Satz, bei dem bekam ich eine Gänsehaut durch meinen ganzen Körper. Als ob mich etwas berührt hätte. In diesem Moment, mochte ich meinen Namen zum ersten mal. Durch meinen Vater hab ich diesen Namen nur mit schlechten Dingen verbunden, aber zum ersten mal sah ich, dass dieser Name nicht nur Schmerz in mir auslöste, sondern auch liebe.

Ausbildung

Heute war ein entscheidener Tag für mich. Ich wurde von meiner Lehrerin zu einem Gespräch gerufen mit einer anderen Schülerin. Sofort bekam ich Panik. Würde ich jetzt von der Schule geschmissen, weil ich so schlecht geworden bin? Die Lehrerin aber machte uns ein Angebot. Ich wollte nach meinem gescheitertem Fachabi, eine Ausbildung in der Kinderpflege machen. Plötzlich bekam ich das Angebot, schon nach dem Halbjahr zu wechseln in die elfte Klasse. Die hätten ein Platz für mich und warteten nur noch auf meine Zustimmung. Entweder ich mach das Fachabi noch mit oder ich wechsel. Ich würde dann nur das halb jahr mit machen und dann sofort in die zwölfte versetzt werden und nach der zwölften, hätte ich meine Ausbildung. Meine Eltern waren von diesem Angebot total glücklich. Ich hatte meine bedenken und habe bis Freitag Zeit, mich zu entscheiden. Wie sieht das denn in den Bewerbungen aus mit einem abgebrochendem Fachabi? Was soll ich dann sagen? „Ich habe eine Chronische Erkrankung und bekomme hin und wieder ein paar Anfälle, mein Gehirn ist also geschädigt und nicht in der Lage, dem niveau  vom Fachabi anpassen zu können, weshalb ich die Kinderpflege Ausbildung in betracht gezogen habe“ , die würden auch nur denken, ich wäre gestört oder so. Allgemein, wenn ich sowas in eine Bewerbung mit einbringe, würde mich keiner nehmen aus Angst, ich könnte jeden Moment umfallen. Und da ich erst im Februar dauerhaft Therapiert werde, war ich am nachdenken. So weitermachen oder ertrage ich eine neue Umgebung mit noch mehr neuen Menschen die kein Plan haben, wie es mir wirklich geht. Anderer seits kann ich auch neu Anfangen. Alle wissen von meiner schlimmen Krankheit und alle Lehrer haben ja so mitleid mit dem armen jungen Mädchen. Weshalb hab ich wohl ein Platz bekommen in der Ausbildung in weniger als zwei Wochen? Krankheitsbonus! Ich kann jemand anderes sein. Ich kann gesund sein. Nur für einen Moment kann ich da ganz normal sein. Auch wenn es kacke sein wird meine Freunde da einfach hängen zu lassen aber wie meine Therapeutin mir geraten hat „Du musst einmal an dich denken“  Und das werde ich, ich will nicht dieses kranke Kind sein, ich will eine Zukunft haben. Ich mach es.

Heute war ich auch bei Max. Tja was soll ich sagen, es hat sich nichts geändert..denke ich.

Peinlich.

Heute als ich aufgewacht bin dachte ich, dass ich jeden Moment kotzen müsste. Mein Kopf dröhnte, wie bei einem Kater. Dabei habe ich seit Samstag kein Alkohol mehr getrunken. Das waren wohl die Nebenwirkungen von meinem Anfall gestern. Schlimm genug, dass ich jeden Moment ein Anfall bekommen könnte, nein, es muss dann auch noch passieren, wenn ich bei ihm bin. Peinlich. Langsam weiß er aber schon, wie  man dabei reagiert. Ruhig bleiben, mich in den Arm nehmen und mich beruhigen. Anders als in der Schule, wo alle Panik geschoben haben und den Krankenwagen gerufen haben. Trotzdem habe ich es in diesem Moment gehasst. Wer will denn bitte die Kontrolle von seinem Körper verlieren? Meine Therapeutin meinte, dass sowas entsteht, wenn ich zu erschöpft bin, dass sich mein Gehirn ganz abschalten will. Als ich Zuhause war, hab ich dann also zuerst bis 23 Uhr geheult, bis ich dann eingeschlafen bin. Und heute morgen war dann das Ergebnis von diesem Drama. Ich habe meinen Bus fast verpasst, weil ich zu spät aufgestanden bin und 20 Minuten gebraucht habe um mich anzuziehen und meine Zähne zu putzen. Ungeschminkt und mit leerem Magen ging ich dann. Und vor der Klasse habe ich mich hingelegt und habe versucht, da weiter zu schlafen. Und weil es nach den ersten Stunden nicht besser wurde, bin ich nach der vierten einfach gegangen. Die Lehrer mussten mich nur ansehen um zu wissen, dass ich die Wahrheit sagte, dass es mir nicht gut gehen würde. Und jetzt sitze ich hier, Zuhause und habe heute noch ein Vorstellungsgespräch im Altenheim. Das war einer der Gründe, wieso ich auch eher gegangen bin, damit ich wenigsten beim Gespräch etwas besser aussehe als jetzt. Aber ich brauche diesen Job.Mir ist immer noch scheiße übel. Ich habe selbst mein Essen in der Schule aufgegessen. Und morgen bin ich bei Max, das kann ja was werden.