IchLiebeDich

Ich habe damals immer gedacht, dass Männer kein Herz haben. Ich frage mich, wie ein Mann eine vier jährige gegen die Wand pressen konnte und ihr ins Gesicht geschlagen hat, als wäre es gar nichts. Ich frage  mich, wie es ihn nicht interessiert hat, dass er mich gegen die Tür geschubst hat und meine Lippe platzte und das Blut einfach so runter floss. Er hat nur gesagt, ich soll das sauber machen. Alles was blieb, war die Narbe an meiner Lippe. Aber er hat mich nicht zerstört. Ich hatte zwar mehr Angst als andere Kinder, war aber als ich hier her zog, das glücklichste Kind überhaupt. Mit acht Jahren war mein Leben wunderschön. Ich habe auf den Straßen gespielt und habe gesehen, wie jedes Haus hier aufgebaut wurde. Ich bin mit meinem Hund immer durch die Mais Felder gerannt mit zehn und ich hatte alles was ich brauchte. Bis ich mit elf Jahren einen dummen Gedanken hatte. Wo ist mein Vater? Ich habe ihn gefunden. Eine elf Jährige, versessen darauf, ihren Vater zu finden hat eigenständig ihn in Amerika aufgespürt und zu ihm Kontakt aufgebaut. Es waren die schönsten zwei Wochen, die ich mit meinem Vater hatte. Wir haben jeden Tag geskypt und ich schrieb mit ihm immer im fünf Uhr morgens, weil es da bei ihm 23 Uhr war. Und dann ging ich zur Schule. Aber als alles raus kam, war er der erste Mann, der mir das Herz brach. So viele schreckliche Dinge musste ich mir von meiner Mutter anhören und ich merkte, wie alles in mir stück für stück zerbrach. Aber meine Mutter hat dabei so sehr geweint, dass ich völlig verstört war. An dem Tag habe ich meinen Hund geschnappt und bin raus gegangen. Ich bin gerannt, ins Mais Feld, habe mich hingekniet und geweint. Ich habe noch nie so laut geschrien. Wie kann jedes Wort von ihn eine einzige Lüge gewesen sein? Ab da wurde ich ganz anders. Und mit zwölf wollte ich mich dann umbringen. Alles war geplant. Als ich das Blut sah, war es fast so weit. Aber da hörte ich eine kleine Stimme die mich rief. Es war meine kleine Schwester, die damals fünf Jahre alt war. Und sofort kam mir ihr lächeln vor Augen, wie sie sich immer freute, wenn ich von der Schule kam. Ich konnte ihr das nicht antun. Und so hörte ich auf. Mir wurde aber alles egal. Meine Noten waren schlecht und son Typ wie Sven nutzte das alles aus. Dann empfand ich so viel Wut und Hass auf Männer, dass ich Sven nur noch Leiden sehen wollte. Männer sind grausame Wesen, dachte ich mir, als ich den plan schmiedete, Sven vor der ganzen Schule bloß zu stellen. Ich war da immer noch zwölf, fast dreizehn. Und ich hatte es geschafft. Alle lachten ihn aus und schlugen auf ihn ein. Er hat seine ganzen Freunde verloren und ich habe gelacht. Bis ich mich irgendwann darin verlor. Er hat es verdient. Und dann kam noch Nico, der mich ja so sehr geliebt hat. Mein Gott diese Jungs waren alle damals so naiv. Sahen die nicht, wie kaputt ich war? Ich meine ich habe einem Jungen gerade alles genommen und er hat deshalb die schule eher verlassen. ich war zu jedem Jungen eis kalt. Aber dann kam eine Flamme auf mich zu. Sie schenkte mir wärme, Licht und Geborgenheit. Das aller wichtigste aber: Liebe. Er war ein guter Junge und wollte mir helfen. Es hat lange gedauert, bis ich ihn an mich ran ließ. Aber er war es mir Wert. Max ist mein Retter gewesen. Er hatte mein Blut an seinen Händen und versprach mir, mich nie wieder zu verlassen. Ich habe ihn einmal gefragt, wieso er mich will, wo er doch so viele andere haben kann, die nicht so kaputt waren. Er schaute mir in die Augen und sagte: Weil mir die anderen egal sind und ich nur dich will. Kein Mann auf dieser Welt hat mich so glücklich gemacht. Wir haben uns mal auf den Boden gelegt und bis in die Nacht und über unsere Träume und Wünsche geredet. Ich war da vierzehn. Er war mein Held, diese roten Haare waren nicht der Teufel, es war das warme Licht. Ich danke dir Max, du hast dafür gesorgt, dass ich das gute in Menschen sehe. Ich würde alles für dich tun, du hast mich gerettet. Und nur wegen dir, weiß ich was Liebe ist. IchLiebeDich.