Archiv für den Monat: Oktober 2018

Warnung

Ich war fast die ganze Nacht wach. Und wenn ich geschlafen habe, dann hab ich von ihm geträumt. Alle sagen, er ist schlecht. Sie sagen, dass er ein Versager ist und aus seinem Leben nichts machen wird. Stimmt das? Das ich über ihn nachdenke, ist ein Zeichen dafür, dass ich das nicht glaube. Er ist hart, wenn es darum geht, sein Vertrauen zu bekomme. Er lässt auch schwer jemanden an sich heran. Ich dachte am Anfang auch so wie alle anderen. Ich habe schnell über Menschen geurteilt,  die anders waren als ich. Meine Mutter hat mir das sehr gut beigebracht. Aber was hat meine Meinung geändert?  Ich habe in seine Augen gesehen und musste feststellen, dass mich für eine Sekunde etwas berührt hat. Und ich wollte wissen, wer dieser Mensch ist. Und je mehr Zeit ich mit ihm verbrachte, desto mehr sah ich seinen Schmerz und Kummer. Ich sah,  wie kaputt er eigentlich war. Ich ich fand heraus, dass ihm meine Meinung, nicht egal war. Er war am Anfang sehr vorsichtig mit mir, wahrscheinlich wollte er nicht, dass ich alles von ihm sehe und dann gehe.  Und wenn es darauf ankam, war er für mich da. Unsere Beziehung ist echt kompliziert. Wir verlieren uns und finden dennoch zueinander. Aber warum? Ist das diese kaputte Liebe die ich in Büchern lese? Dieser kaputte Junge, der sich zu dröhnt und nichts als Mist macht und dann kommt dieses perfekte Mädchen und will niemanden außer ihn?  Bin ich echt in sowas gelandet? Es gab eine Geschichte, die ein gutes ende nahm zu dieser verdreckten Situation. 2000 Seiten über streitereien, Liebe und Verrat. Ich habe diese Buchreihe mit 15  Jahren gelesen und habe nur eins Gedacht: Diese Liebe ist ja total anstrengend. Esist schon traurig, dass ich mein Leben mit dem von einer Buchreihe vergleiche aber die Gedanken des Mannes, der in diesem Buch auch 20 Jahre alt ist..seine Gedanken ähneln den von ihm. Mag sein, dass ich dumm bin und mich alle vor diesem Menschen warnen.  Aber ich würde immer hinter ihm stehen. Egal was er getan hat, egal ob er wieder völlig betrunken ist. Ich würde ihn nicht verurteilen sondern einfach nur umarmen. Ich will ihn wieder haben.

Gut oder Böse?

Manchmal frage ich mich, ob ich alles falsch mache. Egal was ich tue oder verstehe, immer mach ich es falsch. Ich kann von mir behaupten, das ich ein guter Mensch bin. Vielleicht etwas stur und nachtragend, aber gut. Ich versuche in jedem Menschen etwas gutes zu sehen. Und bei einigen Menschen, habe ich schon längst aufgegeben. Vielleicht bin ich doch nicht so gut, wie ich vorgebe zu sein. Das meine Mutter vielleicht sterben könnte, hat mir ein neues Licht auf das gezeigt, wer ich eigentlich bin. Meine Mutter war schon immer perfekt. Sie war stark und hat alles für ihre Kinder aufgegeben. Sie hat versucht, mich immer glücklich zu machen, auch wenn wir damals nicht so viel Geld hatten. Und dann kam mein Erzeuger. Ein Versager, wie meine Mutter ihn genannt hat. Ein krimineller Versager. Er hat eigentlich alles verloren, was er geliebt hat. Er hat keine Familie mehr. Er hat immer nur Bier gesoffen und sein Geld für Zigaretten ausgegeben. Seine Eltern haben ihn verstoßen, weil er ein Straßenjunge war und ihm Regeln egal wurden. Selbst sein eigener Bruder, mein Onkel, hat sich gegen ihn gewendet und wollte ihn nie wieder sehen. Das einzige was er wirklich hatte, war ich. Ich war seine kleine Prinzessin gewesen. Ich weiß nicht, wieso er meine Brüder nie geliebt hat aber zu mir war er gut. Ich war seine einzige und erste Tochter gewesen. Und trotzdem ist er gegangen. Er wollte mich mit nehmen, ihm war alles egal, jeder einzelne außer ich.  Aber meine Mutter, so perfekt wie sie halt war, hat ihn ausgetrickst, so dass er nicht mehr zurück kommen kann und mich nie wieder sah. Eine Mutter, die ihr Kind vor einem Versager Vater retten wollte. Tja und jetzt sitze ich hier. Man könnte sich fragen, wieso ich ihn immer noch beschütze. Meinen  Vater meine ich nicht, sondern ihn. Ist er so wie mein Vater? Er hat ein Herz, ein gutes.  Das wusste ich sofort, als ich in seine grauen Augen blickte. Er ist ein ziemlicher Idiot aber verdammt, ich würde für ihn alles stehen und liegen lassen. Was ich an ihm so mag? Er hat eigentlich viele Fehler gemacht und mich oft verletzt, alle fragen sich, warum ich noch zu ihm halte. Ich liebe ihn. Auch wenn es mich zerreist, es einfach so zu sagen aber ich liebe diesen Typen. Und er könnte noch so viele zusammenschlagen. Und würde er hinter Gittern sitzen. Ich weiß wer er ist. Er hat Gefühle. Er will auch nur geliebt werden, wie jeder andere. Ich will ihn einfach nur umarmen und sagen, dass wir es schaffen können. Ich habe so Angst ihn zu verlieren. Ich will seine Stimme hören und wissen, das es ihm gut geht. Warum auch immer Gott wollte, dass ich an ihn glaube, ich tue es. Und jeder, der schlecht von ihm spricht, weiß nicht wer er wirklich ist. Der Mann, der mich aus der Menge raus gezogen hat und mit mir gelaufen ist. Der Mann, der mir so viel Respekt zeigt und mich immer um lachen bringen will. Ich mache mir was vor, wenn ich sagen würde, dass er ein schlechter Mensch ist. Aber Angst habe ich trotzdem, nicht vor ihm, sondern um ihn.

Tod?

Seit Montag habe ich das Gefühl zu ersticken. Naja, eigentlich seit Samstag. Seit er mich wieder da raus gelockt hat. Ich habe mich damit abgefunden, dass wir nie ein paar werden. Das es immer so sein wird. Meine eiskalte Maske sahs perfekt auf meinem Gesicht. Aber als er von Beziehung sprach, war ich total verirrt. Er wollte doch nicht aber jetzt schon? Ich hab es nicht ernst genommen, weil er betrunken war. Er hat mir so oft gesagt, dass er betrunken nur scheiße labert. Also wollte ich mir auch da keine Hoffnungen machen aber so stehen lassen wollte ich es auch nicht. Am nächsten Tag wollte er den Kontakt abbrechen und ich war verwirrter als den Tag  davor. Wieso auf einmal? Glaubt er, er tut mir nicht gut? Glaubt er, er sei kein guter Mensch? Oder er hat einfach genug mit mir rum gespielt und hat kein bock mehr auf mich. Da brach mein Herz nur ein kleines bisschen. Ich war es von ihm gewohnt, es tat nicht so sehr weh, er würde wieder kommen. Am Montag, hatte ich das Gefühl, als ob ich sterben würde, weil zwei Sachen mich völlig außer Bahn geworfen haben.  Ich hab etwas dummes gemacht, etwas, was mein Leben verändern könnt..und seins. Das wir miteinander geschlafen haben, war ja nichts neues. Aber er weiß nicht, wie mein Zyklus da. Ich erzählte der Frauenärztin mein Problem, wollte mir keine Sorgen machen. Aber ihre Miene sagte in diesem Moment mehr. Ich habe nämlich eine Pille zuspät genommen, weil ich eingeschlafen war und habe sie erst am nächsten Morgen dann nach genommen. Da es die 12 Stunden überschritten hatte, sagte sie mir, dass der Schutz für diesen Monat weg ist, da sich eine Eizelle befruchten könnte. Das war nicht mein Problem, ich habe nach dieser Panne nicht mit ihm geschlafen…aber davor. Ich habe kurz vor meinen Tagen, in der sogenannten Pillenpause mit ihm geschlafen. Sie  sah mich an und sagte: Das könnte zum Problem werden. Sie fragte mich aus und kam zu dem Ergebnis, dass ich auf meine nächste Regel warten soll und wenn sie ausbleiben, ich ein Test machen soll. Der Ultraschall wäre noch zu früh um irgendwas sehen zu können, wenn da was wäre. Und mit diesem schock, ging ich da raus und musste mich fassen. Ich musste mich anstrengen, nicht zu heulen. Ich sahs im Wartezimmer und musste noch auf meine Mutter warten. In diesem Wartezimmer waren so viele Baby Zeitschriften und überall hingen Baby Bilder in diesem Zimmer. Ich redete mir ein, dass das unmöglich ist. Aber selbst wenn meine Ärztin sich nicht sicher ist, weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. Als meine Mutter nach einer gefühlten ewigkeit auch fertig war, waren wir beide vorne. Sollte ich das meiner Mutter erzählen? Aber da verschwand auch der Gedanke sofort. Sie würde mich umbringen. Sie sah aber nicht gut aus. Sie fragte, nach einer Überweisung und sofort wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Als wir zum Auto liefen fragte ich sie dann. Sie meinte, das sie knubbel in der Brust hat, auf den verdacht auf Krebs. Ich dachte sie will mich verarschen. Aber diese Stille im Auto war so erdrückend, dass ich gar nichts mehr denken konnte.  Werde ich Mutter oder wird meine Mutter sterben? Oder beides?  Im Auto lief mir schon eine Träne runter, alles drehte sich. Ich sah meiner Mutter an, dass sie auch mit den Tränen kämpfte. Das hab ich von ihr.  Als wir Zuhause waren, warteten mein Vater und meine kleine Schwester auf uns. Und als wir da waren, fing sie  an zu weinen. Ich nahm meine kleine Schwester mit nach oben um ihr das in Ruhe erklären zu können. Aber schon auf dem Weg, konnte ich nicht mehr. Meine Schwester sah mich an, musste auch weinen, weil ich weinte. Ich musste ein gutes Vorbild sein. Aber als ich ihr das gesagt habe, fing sie nur noch stärker an zu weinen und umarmte mich. Ihre einzigen Worte, die sie immer wiederholt hat waren : Ich will nicht, dass Mama stirbt!“ Nach diesem Tag, hatte ich das Gefühl zu sterben. Ich wollte es ihm sagen. Aber wie soll man jemandem sagen, dass er vlt Vater wird? Aber er will das nicht, dass hat er mich deutlich geschrieben. Er will keine Familie, er ist so tief in seinem Hass versunken. Wenn es sein muss und es wirklich stimmt, hau ich einfach ab, mein Kind soll nicht so leiden. Ich glaube er hat es geschafft, ich habe Angst vor ihm. Er ist nicht mehr der, der er er vorgegeben hat zu sein. Er ist wie mein Vater. Und wenn ich wirklich Schwanger bin, werde ich alles tun, um es zu beschützen. Er wollte keine Familie.

Erfahrungen

Man sagt, dass man mit dem Alter genug Erfahrungen sammeln kann, um sein Leben zu bestimmen. Das die Erfahrungen uns zeigen, was wir ein Mensch wir sind. Tja, mit 17 Jahren ist es vielleicht noch früh um zu sagen, was ich für ein Mensch bin. Und Lebenserfahrungen habe ich auch nicht so wirklich. Ich stehe sozusagen vom Ende des Jugendlichen darseins und vor dem Beginn des Erwachsen werdens. Und ich habe keine Ahnung, wie ich es angehen soll. Meine Krankheit und der Krankenhausaufenthalt haben mir aber ein kleines Licht gebracht in mein Leben, ein Licht welches ich folgen werde. Und das bin ich selbst. Ich habe gemerkt, dass ich mich zum Teil wieder gefunden habe. Meine Krankheit ist entstanden, weil ich ganz still war. Angst war mein größtes Gefühl in mir neben dem, meine Mutter zu enttäuschen. Wer hätte gedacht, dass aus so viel Angst, krank werden kann? Das einzige was mich festgehalten hat, war die Liebe. Eine Sache habe ich aber wirklich gelernt: Ich bin gut, so wie ich bin. Und ich habe immer alles getan, damit die anderen glücklich sind, dabei habe ich mich immer total vergessen. Ich will Leben. Ich will frei sein. Und ich will eine Liebe, die niemals endet.  Heutzutage, ist sowas schwer zu finden. Aber die liebe steckt in so vielen Kleinigkeiten,  die wir gar nicht mehr erkennen. Der Unterschied zwischen Lieben und mögen?  Mögen ist der erste Schritt um zu Lieben. Und wenn man jemanden liebt, sorgt man sich um sie, mehr als um irgendwen sonst.  Aber woran erkennt man das alles? Meine erste richtige Liebe war unglaublich schön. Eine Erinnerung, die ich niemals vergessen werde. Diese Loyalität, dieses Gefühl was in einem geweckt wird und man sich gegenseitig beschützt. Das war mein Bild von der Liebe. Und eine wichtige Sache habe ich später gemerkt: man kann auch eine kaputte Seele lieben.