Liebe, Glaube, Zuversicht

Die Frage ist schon vielen durch den Kopf gegangen: Weshalb bin ich hier? Ich glaube, dass jeder Mensch hier auf dieser Welt, zu etwas bestimmt ist. Nur müssen wir selber herausfinden, zu was wir bestimmt sind. Wir müssen uns selber finden, wohin wir hingehören und zu wem. Nur ist das alles  nicht so einfach und das Leben stellt uns wirklich viele Steine auf den Weg, wo wir uns eigentlich finden sollten. Ich werde nächstes Jahr verdammte 18 Jahre alt und weiß immer noch nicht, was ich werden soll. Die meisten in meiner Klasse, wissen ganz genau, was sie machen werden, einige bewerben sich sogar schon dafür. Leider kann ich mich gerade auf nichts konzentrieren, als auf meine Krankheit. Solange ich nicht drei Wochen in diesem Krankenhaus war, um mich stärker zu machen, mache ich keine Pläne für meine Zukunft. Ich meine, was ist wenn ich jetzt alles plane und alles im Kopf habe und am Ende die Therapie nicht bei mir anschlägt. Die Ärzte sagten mir bereits, dass diese Krankheit nicht heilbar ist und ich mein ganzes Leben lang damit leben muss. Es gibt nicht mal Tabletten, die meine Schmerzen vollständig betäuben. Ich habe nämlich gemerkt, dass Novalgin langsam nicht mehr bei mir anschlägt. Und wenn ich stärkere nehme, kann es meine innere Organe kaputt machen. Alles nur Müll. Wieso kann ich nicht einfach Windpocken bekommen, wie jedes andere Kind (nein, ich hatte es nicht als Kind) , oder irgendeine Allergie, wozu es Tabletten dafür gibt? Natürlich, Krebs ist schlimmer, aber wenigstens wissen die Ärzte dann, was zu tun ist. Als ich beim MRT war, habe ich gebetet, dass sie irgendwas finden, irgendwas, was man sehen kann. Aber das haben sie nicht. Meine Krankheit bleibt unsichtbar und fühlt sich trotzdem so echt an. Aber ich versuche, mich davon nicht runter zu ziehen. Ich kämpfe jeden verdammten Tag und stehe jeden Tag auf. Ich lächel sogar die Menschen an, die ich liebe.

Er war bei mir und hat bei mir geschlafen, als meine Eltern mal paar Tage weg waren. Wir haben viel geredet. Ich hatte das Gefühl, als hätte uns das näher gebracht. Eigentlich wollte ich mich von ihm fern halten, weil ich dachte, dass er kein krankes Mädchen an seiner Seite braucht. Aber er hat mir eingetrichtert, dass ich kämpfen soll. Er war richtig am verzweifeln, als ich sagt, dass ich das alles nicht mehr kann. Er hat dabei fast geweint, seine Stimme brach bei manchen Worten und sein Herz raste dabei. In diesem Augenblick, wusste ich, dass ich ihm wichtig war. Das seine Gefühle zu  mir noch da waren, wie meine zu ihm, war etwas gutes. Aber er ist auch gefangen. Das er sein Vater so sehr vermisst, wurde mir sofort klar, als wir das erste mal miteinander geschlafen haben, auf dieser Matratze. Da hat er das erste mal von seinem Vater gesprochen. Und beim letzten Treffen, war er total offen, lag vielleicht auch am Alkohol aber mir wurde klar, wie sehr ich ihn brauche. Und ich kann ihn nicht alleine lassen. Allerdings muss ich auch an meine Krankheit denken. Das sich zwei Menschen, die so unterschiedlich sind, dennoch stark was für den anderen empfinden, dass es sowas gibt, hab ich nur in diesen Büchern gelesen. Ich dachte mir, dass sowas überhaupt nicht möglich ist. Aber das erlebe ich ja selber. Ich weiß nicht was wir sind oder was wir eines Tages werden, ich weiß nur, dass man alleine nur halb so stark ist wie zusammen. Ich glaube an ihn, ich hoffe , das weiß er. Das Schicksal wollte, dass wir uns kennen lernen. Daran glaube ich.