Gedanken.

Meine Krankheit ist gerade das einzige, was mich wirklich unter druck setzt. Ich dachte, dass nach meiner grausamen Kindheit, alles besser wird. Ich glaubte daran, dass alles gut werden wird. Ich habe als kleines Kind jeden Tag gebetet. Ich wollte immer so sein, wie die anderen Kinder. Ich wollte frei sein, aber ich war gefangen. Kinder sollten nicht mit Angst im Gefühl nach Hause gehen. Kinder sollten keine Angst zuhause haben. Kinder sollten lachen und im Dreck spielen. Man muss ihnen zuhören und ihnen ganz viel Liebe schenken. Aber das konnte ich nicht zu dieser Zeit. Ich erinnere mich als das Monster zum ersten mal unsere Wohnung betrat. Damals hatte ich noch keine Angst. Warum sollte man sich als vier jährige auch gedanken machen, über einen Mann, den meine Mutter kennengelernt hat. Meine Mutter war nicht mehr alleine und sie sah glücklich aus. Meine große Schwester durfte mal alleine raus, ohne ihre kleine Schwester mit zu schleppen. Aber dann, als er bei uns einzog, zeigte er sein wahres Gesicht. Ich verstehe nicht, wie ein Mann, der selber Kinder hatte, einem Kind so viel Angst und Schmerzen hinzufügen konnte. Ich brauchte  nur eine Sache falsch zu machen und schon wurde ich angeschrien und ins Zimmer geschubst. Manchmal sperrte er mich auch auf den Balkon aus und da sahs ich eine Ewigkeit in der Kälte im regen, wie ein Hund. Seine Faust hatte die genaue größe meines kleinen Magens gehabt, wo er immer drauf einschlug. Nur dann, wenn ich  mit ihm alleine war. Er drohte mir, wenn ich was meiner Mutter sagen würde, würde er etwas schlimmes tun. Und so wurde ich ganz still. Ich betete zu Gott, jeden Tag. Ich wollte nicht so leben. Meine Mutter hat es aber selber her raus gefunden, als sie mich umzog, sah sie die vielen Flecken auf meinem Rücken. Dann zogen wir um, aber er folgte uns. Er drohte mir noch mehr, er würgte mich, wenn ich irgendwas sage, dass er nicht nur mir, sondern meiner Mutter was antun wird.  Ich habe jeden Tag geweint. Und dann endlich hat sie ihn ganz raus geschmissen und ich konnte ich in meiner Wohnung wieder wohl fühlen. Dann mit fünf kam mein Stiefvater. Ich hatte so eine Angst vor ihm. Aber er gab sich richtig viel Mühe, um mein Vertrauen zu gewinnen. Bis ich ihn eines Tages Papa nannte. Mit elf habe ich die Wahrheit über meinen Erzeuger erfahren. Es fühlte sich an, als würde ich sterben. All die grausamen Dinge die er getan hat, all die lügen die er mir erzählt hat. Es war, als ob jemand mein Herz raus gerissen hätte. Mit zwölf war ich so tief in der Depression, dass ich sterben wollte. Nichts ergab für mich einen Sinn, ich fühlte nichts mehr. Aber ich gab nicht auf. Ich glaubte daran, dass alles gut wird. Mit vierzehn hat sich zum ersten mal ein Junge richtig für mich interessiert. Er wollte nicht nur meinen Körper, er wollte mich als Menschen, mit Leib und Seele. Alles würde gut gehen, er hat mich lebendiger gemacht. Ich fühlte etwas, es war Liebe. Aber die endete auch, je älter man wurde. Und wenn eine Liebe stirbt, wird eine neue Liebe wieder geboren. Daran glaubte ich auch und ich hatte recht. Ich wurde mit allem fertig, Gott hat zu jedem schlechten was mir wiederfahren ist, mir etwas gutes Geschenkt. Aber meine Krankheit, da gibt es nichts gutes. Ich habe immer versucht, das gute zu sehen. Habe immer für alles und jeden gekämpft und mich stark gemacht. Aber irgendwie, sehe ich nichts gutes mehr. Da ist diese leere,die sich über meiner Seele verteilt. Meine Krankheit kann leider dinge hervorrufen, die meine Krankheit noch verschlimmern. Depressionen. Die Ärzte sagten zwar, ich hätte depressive Verstimmungen aber ich befürchte, sie wurden verstärk. Ich will nichts mehr machen, ich will nicht mehr kämpfen, ich will doch einfach nur glücklich Leben. Er meinte, er würde mich nur runter ziehen. Aber meine Krankheit zieht mich nach unten und ich sehe kein Licht mehr nach oben. Niemand reicht mir die Hand. Ich bin allein.