Archiv für den Monat: Juni 2018

Verlust oder ein Geschenk?

Wir Menschen verlieren oft bestimmte Dinge, nur realisiert man das erst später. Aber vielleicht ist Verlust gar nicht mal so schlimm. So konnte ich dich kennen lernen. Wir beide haben etwas gemeinsam. Schon von Anfang an ist mir das aufgefallen, als du mir das erzählt hast. Wir haben beide einen Verlust erlitten, unsere Väter. Du verlorst deinen besten Freund. So wie du mir das erzählt hast, war er alles für dich und du hast ihn verloren in der Zeit, wo du ihn am meisten gebraucht hättest. Er war einfach nicht mehr da, von heute auf morgen. Ich weiß nicht, wie viele dir das schon gesagt haben aber ich verstehe dich. Auch ich verlor mein Vater aber auf eine andere Art. Ich hatte ihn nie richtig. Ich habe fast keine Erinnerungen mehr an ihm. Ich kenne das Gefühl gar nicht, wenn man sich komplett fühlt. Was ist das für ein Gefühl? Erinnerst du dich noch daran, als du komplett warst? Ich weiß nur, das er mich nie geschlagen hatte, das kam später von jemand anderem. Aber das ist egal jetzt. Er war aber auch von heute auf morgen nicht mehr da. Er verließ mich aber es war seine Entscheidung. Und plötzlich stand ich da alleine mit meiner Mutter und meiner großen Schwester. So wie du. Als ich fünf war habe ich meine Mutter gefragt, was ein Papa ist. Ich war damals noch ein Kind, ein Kind ohne Vater.  Du kennst das gar nicht, du kennst mein Leben in saus und braus. Ein Haus, jedes Jahr Urlaub in einem anderen Land, neue teure Sachen, etwas was nicht selbstverständlich ist. So hast du mich kennengelernt. Ich war die Tochter eines Polizisten. Aber ich hatte auch ein einfaches Leben. Als ich kein Papa mehr hatte. Als ich nur meine Mutter und meine große Schwester hatte. Ich war trotzdem glücklich, vor allem als meine Mutter den Mann raus warf, der mich geschlagen hat. Ich wollte nie ein Mann in meiner Familie, sie waren alle Verräter. Männer sind grausam und egoistisch. Durch ihn wurde ich so still, kein Mann hat mich gehört auf dieser Welt. Kein Mann hat mir zugehört. Kein Mann schenkte mir Liebe. Zu meinem Stiefvater habe ich keine großartige Bindung. Nicht so eine, wie es meine kleine Schwester hat. Ihr hat man immer zu gehört, sie kennt es nicht anders. Meine Mutter war nie zuhause und wir wohnten in einer kleine Wohnung, mitten in Bochum. Sie war arbeiten, fast jeden Tag. Aber ich war nicht allein. Meine große Schwester hat sich um mich gekümmert. Ich war fünf und meine Schwester zehn. Wo wäre ich wohl ohne meine Schwester gewesen? Das fragst du dich bestimmt auch manchmal, unsere Schwestern sind einfach großartig. Sie tun so viel für uns und haben unsere Kindheit nicht ganz so trostlos gemacht. Und sie würden alles für uns tun, das weiß ich, weil ich auch alles für meine kleine tun würde.  Aber ich frage mich was schlimmer ist. Ein Vater der gegangen ist und ein echter Vater war oder einer ein Vater, der freiwillig gegangen ist. Was tut mehr weh? Ein Freund verloren zu haben oder ein Verräter, der eigentlich dein Freund hätte sein sollen? Ich würde nie was rückgängig machen wollen, du aber schon oder? Was wäre, wenn mein Vater nie gegangen wäre, wenn er wie dein Vater immer da gewesen wäre? Dann würden wir uns wahrscheinlich gar nicht kennen, dann würde ich nicht neben dir wohnen und wir würden nicht immer zusammen Bus fahren zur Schule. Ich wäre nicht in deinem Leben. Vielleicht wäre ich komplett gewesen damals. Aber mit dir bin ich es. Du weißt nicht wie ich mich freue, wenn du mir zuhörst. Wenn du auf Kleinigkeiten achtest. Wie ich mich bei dir sicher fühle. Ich habe keine Angst vor dir. Vielleicht werde ich es dir nicht direkt sagen und du wirst es auch nicht hier lesen, es ist für mich. Hätte ich die Wahl zwischen dir und meinem Vater, würde ich dich nehmen. Aber das könntest du nicht sagen. Ich würde es dir gar nicht übel nehmen. Ich kann ihn nicht ersetzen aber ich lasse dich nicht alleine, ich will dich beschützen, weil ich dich liebe, nur dich liebe. Ich habe dich als Geschenk bekommen, Gott hat mir dich gegeben als ausgleich von meinem Vater. Er wollte mir Liebe schenken. Und ich würde es nie ändern wollen. Ich weiß nicht, ob wir eines Tages eine Familie werden, vielleicht ist es noch zu früh um das zu sagen. Aber im hier und jetzt will ich nur eins, das du mein Mann bist und mich beschützt. Ich verspreche dir, dass ich dann deine Frau bin.

Kämpfen

Schmerz. Ein Wort, wo sich jeder etwas darunter vorstellen kann. Jeder hatte schon Schmerzen. Wenn man als Kind hingefallen ist und sich die Kniee aufgeschlagen hat, wenn man sich wieder an seinem Bett gestoßen hat oder unsere Liebe uns das Herz gebrochen hat. Und immer gibt es eine Reaktion . Als Kind weint man, wenn man sich stößt Flucht man und wenn jemand einem das Herz bricht, dann weint man. Aber was ist mit den Schmerzen die immer da sind? Chronische Schmerzen. Was passiert da? Jeder gesunde Mensch, der nicht solche komischen Schmerzen mit sich trägt, unterschätzen sie. Sie sagen, man steigert sich zu sehr rein oder bildet sich alles ein. Ja, man redet sich alles schlimmer als es ist. Diese Menschen, die keine Schmerzen haben wollen einem Weis machen, wie man sich fühlt. Aber das können sie nicht. Sie sagen, man muss gegen den Schmerz kämpfen. Seit wann muss man gegen sich selbst kämpfen? Wer hat uns das beigebracht? Von klein auf wurde uns alles gezeigt, alles beigebracht was wichtig ist. Laufen, sprechen , nicht ans Feuer gehen..alles wurde uns beigebracht damit wir eines Tages selber Leben können. Aber wer hat uns beigebracht, gegen sich selbst zu kämpfen? Schmerzen gehen vorbei, dass sagte Papa immer, wenn man hingefallen ist. Aber ich  bin nicht hingefallen, ich sollte keine Schmerzen haben, Papa. Mama sagte immer, ich soll vorsichtig sein, damit mir nichts passiert. Aber Mama, ich war immer vorsichtig, wieso ist mir dann trotzdem etwas passiert? Weil man nicht immer alles weiß. Es gibt Dinge im Leben, die suchen einen Menschen aus, der lernen muss dagegen zu kämpfen. Damit er eines Tages den Menschen beibringen kann, wie man kämpfen muss. Ein Schmerzsyndrom. Ja eine Schmerzkrankheit. Das ist etwas seltendes, ein Phänomen wie meine Ärztin es beschrieben hat. Wollte ich das? Wollte ich ein Phänomen sein? Diesen Schmerz kann man nicht beschreiben. Er ist da, immer. An den verschiedensten stellen. Wann hatte ich keine Schmerzen? Ich hab sie jeden Tag. Jetzt sind es  gerade meine Finger und Hände, obwohl ich nur das mache, was Menschen jeden Tag machen. Im Internet sein. Im Krankenhaus Menschen zu helfen, tut weh. Es fühlt sich an, als ob tausende Nadeln gegen meine Hände gebohrt werden, nur weil ich einem Menschen helfen wollte, auf zu stehen. Mein Hals tut weh, einfach so. Manchmal lasse ich Dinge aus meiner Hand fallen, selbst mein Handy. Manchmal erkennt man es. Manchmal lassen wir zu, dass andere Menschen unseren Schmerz sehen. Aber wenn man einfach nur da sitzt und jemand fragt, warum wir so komisch gucken..eher traurig, was denkt ihr euch dabei? Nichts. Weil ihr sowas nicht kennt. Sollen wir jede Sekunde vor schmerz zittern? Sollen wir in der Klasse einfach anfangen zu weinen? Wir gucken so, weil wir kämpfen. Das ist kämpfen. Wenn die Schmerzen einen umbringen können aber wir trotzdem einfach da sitzen und sogar ein Lächeln von uns geben. Alle sagen, man soll kämpfen. Aber das tuen wir schon die ganze Zeit. Nur, wurde uns das anders beigebracht und deshalb sehen die anderen Menschen das auch nicht. Wir sind verdammt nochmal Krank! Warum gucke ich wohl so? Weil ich Schmerzen habe! Soll ich es mir jeden Tag auf die Stirn schreibe? Will ich Aufmerksamkeit dadurch? Nein, aber sowas, solche Sätze und Fragen kann man sich sparen. Du bist nicht Krank, du leidest nicht so wie ich. Denk daran, wenn du dir das nächste mal denkst, warum ich so traurig gucke. Ich versuche vor dir zu Lächeln , siehst du es nicht? Ich kämpfe.