Beste Freunde?

Man sagt, das Freundschaften etwas tolles seien. Das man sich so nicht alleine fühlt und man immer jemanden zum reden hat. Das der andere, genau so durchgeknallt ist wie man selbst und das man sich nicht  verstellen muss. Man kann so sein, wie man wirklich ist. Man redet über so viele Dinge mindestens tausendmal und die sind immer wieder besonders, vor allem die Gespräche bis spät in die Nacht. Und man weiß, das man sich in diesem Moment frei fühlt. Bestimmt sind Jungs Freundschaften wesentlich lockerer als die von Mädchen aber Jungs sind genau so. Eine Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Jungen ist genau so. Oder nicht? Vielleicht sind normale Freundschaften nicht so aber wenn man einen besten Freund hat, dann schon oder?

Ich kenne dich schon lange aber wir wurden nicht sofort Freunde. Das weißt du selber. Als wir in der achten Klasse zusammen in den Mathe G-Kurs geschmissen wurden, lernten wir uns erst richtig kennen. Wir waren vielleicht so 15 Schüler in diesem Kurs, wenn nicht sogar weniger. Zuerst sahst du neben meiner Feindin und als sie in den E-Kurs wechselte, sahst du vor mir mit einem anderen aus unserer Klasse. Dieser Mathe Lehrer konnte einfach nicht erklären und da drehtest du dich das erst mal zu mir um und fragtest, ob wir diese Scheiße verstehen würden. Du schautest dabei mich an und nicht die, die neben mir sahs. Du hast dabei gelächelt. Dieses Lächeln habe ich schon lange nicht mehr gesehen wenn ich mich zurück erinnere. Wo ist dein Lächeln geblieben? Und natürlich habe ich diese Scheiße auch nicht verstanden und wir beide fingen an zu lachen. Wir fingen an zu schreiben aber meistens nur über Mathe. Aber du sahst schon automatisch so schräg zu mir gerichtet im Mathe Unterricht. Irgendwann umarmten wir uns zur Begrüßung, einfache Freunde waren wir. Wir fingen an richtig zu schreiben, jeden Tag. Du warst manchmal noch echt schüchtern, das kenne ich von dir heute nicht mehr. Du hast immer auf mich gewartet vor der Klasse, damit wir zusammen zu Mathe laufen konnten, obwohl der Raum neben an war. Du hast mir in dieser Zeit sehr geholfen. Unser erstes Treffen war total komisch und wir gingen spazieren. Du hast mir so viel über dich erzählt, du warst so offen und warst nur am strahlen. Du hattest eine glückliche Kindheit und ich war froh darüber. Wir waren beide 14 Jahre alt. Deine Mutter hat dich damals abgeholt. Beim zweiten Treffen bin ich nach der Schule mit dem Bus mit gefahren zu dir nach Hause. Wir haben über so vieles geredet und uns kaputt gelacht wie noch nie. Du warst mein Bester Freund in diesem Moment, ich war sehr stark depressiv. Vielleicht hast du es gesehen an meinen Armen. Und trotzdem hast du an dem Tag meine Hand gehalten und ich schlief auf deiner Brust ein. Aber mehr war da nicht. Wir waren nur Freunde, beste Freunde. Das dachte ich immer. Aber ohne dich wäre ich nicht mehr hier, wir haben uns geliebt. Ich werde nie vergessen wie du das erste mal sagtest, das du mich liebst und du mich dann geküsst hast. Das war also Liebe. Danke dir, ohne dich würde ich immer noch denken, das sowas beste Freunde machen würden. Aber das tun nur Menschen, die sich lieben. Du hast es dir zur Aufgabe gemacht, mich zum lachen zu bringen, jeden Tag und das hast du toll gemacht. Meine Depression war weg, das dachte ich. Aber das alles perfekt sei, wäre doch viel zu schön gewesen. Im selben Jahr sagtest du mir, das deine Mutter Krebs hatte. Deine kleine Welt stürzte ein in dem Moment, als sie wirklich starb und du vor ihr Grab standest. Ich hielt auf ihrer Beerdigung deine Hand um zu zeigen, dass ich immer für dich da wäre. Und das versuchte ich, wirklich.  Wir waren da schon länger als 1 Jahr zusammen. Du ließt dich hängen aber das sah niemand, niemand außer ich. Du wolltest nicht mehr zur Schule gehen und hast oft ein paar Tage gefehlt. Hausaufgaben und Klausuren waren für dich nicht mehr so wichtig. Ich beschloss aber, dich nicht im Stich zu lassen, weil ich dich liebte. So rief ich dich fast jeden Morgen an, damit du auch den Bus für die Schule bekamst. Ich sagte dir, was du für die Klausuren lernen solltest und schickte dir die Hausaufgaben, damit deine Noten nicht schlechter wurden. Ich habe mich um dich gesorgt. Aber vielleicht wurde ich so zur Spießerin. Ich habe dich an alles erinnert, ja sogar auch oft angemeckert. Klar wurde es mir manchmal zu viel, aber ich liebte dich. Aber da sah ich nicht, dass du mir Dinge verschwiegen hast, weil ich dir vertraut habe und ich dich nie hinterfragt habe. Aber wieso, wieso hast du mir ein halbes Jahr so viel verschwiegen? Und wieso musste ich es von jemand anderen erfahren als von dir? Du warst an den Wochenenden, wo wir nichts machten saufen, mit deiner Gruppe von der ich nie etwas wusste. Du hast anderen Weibern Komplimente gemacht während ich Ahnungslos Zuhause war. Du gabst mir die Schuld, dass du sowas gemacht hast, weil ich mich mit Jungs getroffen habe , die was von mir wollten. Aber was du dir dachtest, was passieren könnte ist nichts im vergleich dazu, was wirklich bei dir passiert ist. Das war der Unterschied. Ich dachte, du vertraust mir. Du weißt nicht wie man sich fühlt wenn eine von deinen Weibern mir die heimlichen Treffen erzählt hat und wie oft ihr immer saufen wart. Du hast in diesem Moment mein Herz gebrochen. Und noch mehr, als du nicht mal versucht hast, es mir zu erklären. Du hast dich einfach nicht mehr gemeldet. Es hat mir schon gereicht, das du angefangen hast zu kiffen und selbst das musste ich selber heraus finden. Aber das, war noch schlimmer. Ich weinte die ganzen fünf Tage, es war ungefähr Ende Mai, vor ungefähr einem Jahr. Ich wusste es da noch nicht aber da bist du gestorben und ich auch. Und ich  habe mich gehasst, als ich dir noch ne Chance gegeben habe. Ich konnte dir nicht mehr vertrauen und habe wegen jedem scheiß gemeckert. Wir haben uns nur noch gestritten. An unserem zwei Jährigen hast du mir einen Ring an den Finger gesteckt aber danach distanziertest du dich noch mehr von mir. Ich war traurig, glaub mir. Aber als ich das erste mal in diese blau/grauen Augen sah war es, als ob mich etwas berührt hätte. Er war mir ein Rätsel, er ist es immer noch. Ja, er war meine entgültige Entscheidung, dass ich dich nicht mehr lieben würde. Er brachte mich wieder zum lächeln, er und nicht du. Das war deine Aufgabe, du hast es dir zur Aufgabe gemacht. Aber du wusstest nicht, dass dir jemand diese Aufgabe weg nehmen konnte. Er erinnerte mich wieder daran, wie es ist verliebt zu sein. Ich hielt nur noch fest, weil wir beste Freunde waren und ich dich nicht im stich lassen wollte. Ich sehe uns manchmal immer noch am Spielplatz sitzen, da waren wir noch wirklich beste Freunde. Aber ich konnte an nichts mehr festhalten, was nicht mehr da war. Also ließ ich dich los. Es tat mir weh aber ich habe an dem Tag nicht geweint, erst als ich alles von dir aus meinem Zimmer entfernt hatte und in eine Kiste stopfte. Ich versuche bis heute dir irgendwie noch zu helfen aber du wirkst mir immer fremder. Wir sind beide jetzt 17 Jahre alt.  Ich habe mich damit abgefunden , ich kann dir nicht helfen. Ich kann dir nur zu hören, aber ich liebe jetzt jemand anderes , dem ich jetzt zur Seite stehe und ich gehöre ihm und nicht mehr dir und ich bereue diese Entscheidung auch nicht. Als ich dir das letzte mal in die Augen sah, sah ich nur diese Leere, das kiffen hat deine ganzen Gefühle verblassen lassen. Dein Lächeln von damals war genau so weg. Du bist gegangen , du bist nicht mehr mein Bester Freund. Aber ich werde nie vergessen wer du warst, bevor du gegangen bist.