Ganz weit weg

Ich konnte die Nacht kaum schlafen. Egal wie ich lag, irgendwie tat mir alles weh, ich wurde sogar von den Schmerzen in der Nacht wach. Mein Körper wird immer Berührungsempfindlicher. Auch wenn Marvin neben mir lag, konnte ich einfach kaum schlafen. Ich grübelte fast die ganze Nacht und betrachtete meinen Freund, der mir immerhin ein lächeln auf den Lippen schenkte. Ich grübelte viel über meine Krankheit und mir wurde klar, das es ab nächsten Monat genau zwei Jahre sind, dass ich nicht mehr normal lebe. Ich frage mich bis heute, wie mein erster Schub überhaupt entstanden ist. Es war ein Monat vor den Abschlussprüfungen, ich war wie eine bekloppte nur am lernen und um Max musste ich mich nebenbei auch noch kümmern, wir haben in der Zeit viel gestritten und ich habe ihn mit ganzer Kraft daran erinnert, dass seine Mutter gewollt hätte, würde er sich etwas anstrengen. Tja und an Ostern traf es mich dann wie ein Blitz den Gott auf mich gerichtet hätte. Es traf mich plötzlich am Rücken und breitete sich am ganzen Körper aus. Jede Bewegung tat so weh, dass ich weinen musste. Ich bekam dazu noch hohes Fieber, mein ganzer Körper versuchte sich gegen etwas zu wehren, es war total überfordert mit dieser Situation. Am nächsten Tag haben diese Schmerzen meine Fingerspitzen erreicht und ich war total blass im Gesicht. Ich dachte wirklich, ich sterbe. Der Arzt sagte aber, es sei nur ein Wachstumsschub und das es in meinem Alter ganz normal sei. Aber ich wusste sofort, dass das nicht wahr war. Ich fühlte es mit jeder Bewegung. Ich lag eine Woche lang im Bett und fühlte mich immer schlapper. Meine Eltern haben mich mit Schmerzmitteln zu geballert aber sie halfen nicht wirklich. Und plötzlich nach einer Woche, ging es mir total gut. Es war seltsam aber ich hatte keine Zeit, um mir darüber weiter Gedanken zu machen und musste meine Prüfungen schreiben. Ich bekam zwischendurch noch Schmerzen aber sie verschwanden immer. Ich habe diese Dinge ignoriert, weil ich keine Zeit dafür hatte. Und jetzt wünschte ich mir jeden Tag aufs neue, ich hätte sofort reagiert, als die Schmerzen das erste mal wieder da waren. Ich lebe damit schon seit fast zwei Jahren. Ich weiß gar nicht mehr wie es sich anfühlt, normal zu sein. Ich bin aus meiner Familie einer der ersten, die so eine seltene Krankheit hat. Das heißt, ich habe sie nicht vererbt, sondern eigenständig entwickelt. Meine Vergangenheit muss so krass gewesen sein für mich, dass diese Schmerzen ein Teil davon sind, das meinte jedenfalls mein Therapeut. Das gibt mir die Hoffnung, dass meine Kinder vlt nicht so leiden müssen wie ich und ich werde alles tun, damit sie eine schöne Kindheit haben werden und nicht Krank werden so wie ich.

Früher

Ich werde nächsten Monat 18. Ich lebe seit 10 Jahren in dieser kleinen Stadt. Am Anfang habe ich diese Stadt gehasst. Ich musste dafür meinen besten Freund verlassen. Martin und ich haben uns schon am ersten Schultag gut verstanden. Er war manchmal ein Idiot und manchmal fand ich ihn dann auch blöd. Aber trotzdem haben wir jede Pause zusammen fangen gespielt. Wir haben uns jeden Tag auf dem Berg am Klettergerüst getroffen und haben dann immer über die Serie Avatar geredet, den wir davor am Abend zuhause geguckt haben. Wir waren immer so gespannt, was in der nächsten Folge passieren würde. Er war da sieben und ich sechs. Ich habe es gehasst, das er älter war, sei es nur ein halbes Jahr aber das war damals schon zu viel. Wir beide waren immer zusammen. Manchmal habe ich ihn sogar in der Schulbetreuung besucht, weil das nicht weit von meinem Zuhause war. Manchmal habe ich ihm auch was mitgebracht. Er wartete immer am Zaun auf mich. Aber die schlimmste Nachricht kam dann, als ich umziehen sollte. ,,Du gehörst aber hier her! Wir sind doch Bochumer Kinder!“ sagte er mit acht zu mir, als ich ihm das gesagt habe. Das stimmte, ich habe es hier gehasst, ich war ein Bochumer Kind, diese kleine Stadt hatte rein gar nichts. Mit acht Jahren zog ich dann um. Am letzten Schultag habe ich ein selbstgemachtes Buch von meiner Klasse bekommen. Jeder hatte eine Seite zur verfügung, um mir die letzten Worte mitzuteilen. Ich habe es mir erst Zuhause angeguckt und musste dann weinen. Fünf Jahre habe ich nichts mehr von Martin gehört. Aber ich habe immer wieder an ihn gedacht, an meinen besten Freund. Und meine beste Freundin, die ich in dieser kleinen Stadt kennengelernt habe zwang mich, ihn anzurufen. Er hat nämlich seine Telefonnummer auf seiner Seite im Buch hinterlassen. Und nach fünf Jahren, hörte ich dann das erste mal seine Stimme wieder. Ich war da 13, seit dem sind wir ständig in Kontakt. Und als ich nach 10 Jahren wieder vor unserer Grundschule stand mit ihm, zeigte er mir ein Bild, was oben an der Wand der Schule hing. Es war ein Bild mit Kindern, die auf diese Schule gehen , die selbstgemalt waren. Und da erkannte ich meine Figur, die ich damals in der zweiten Klasse gemalt habe. Sie war genau neben Martins Figur. Nach 10 Jahren hing das immer noch an dieser Schule und ich war den Tränen nah. Er sagte mir in diesem Moment, dass als ich weg gezogen bin, er sich dieses Bild jeden Tag angeguckt hat und an mich gedacht hat. Es sei alles, was noch von mir übrig geblieben sei. Da merkte ich, das egal wie weit man von einander entfernt lebt, Freundschaft ganz tief im Herzen bleibt und das für immer.

Mein Beruf

Ich habe mich meistens an die kleinen Kinder gehalten im Kindergarten. Schließlich war es meine Aufgabe gewesen, bei den Kinder von 0-3 zu bleiben und sie zu Beobachten. Ich habe immer meine Aufgaben erledigt aber ich konnte die anderen Kinder ja kaum ignorieren. Ein kleiner Junge ist mir schon von Anfang an aufgefallen. Als ich das erste mal da war, war er noch drei aber als ich im Februar wieder kam, habe ich gerade vor einer Woche seinen vierten Geburtstag verpasst. Er hat mich nicht vergessen und verfolgte mich immer. Er war schüchtern und wunderschön. Seine blauen Augen strahlten immer, wenn er mich ansah. Er setzte sich im Morgenkreis immer neben mich. Manchmal nahm er meine Hand und wollte mir unbedingt etwas zeigen. Seine kleine Hand in meiner, bereitete mir eine Gänsehaut. Aber leider musste ich mich mehr an andere Kinder halten, die jünger waren als er. Einmal wollte er mit mir malen und hat sich auf mein Schoß gesetzt. Und da sah ich es zum ersten mal. Er nahm seinen Stift in die linke Hand und machte mir auf der rechten Seite platz für meine Hand. Aber als ich meinen Stift auch in die linke Hand nahm, wurden seine Augen größer. Er schaute mich an:,, Du malst genau so wie ich!“ und strahlte dabei übers ganze Gesicht. Ich war froh, dass ich jeden Tag gerne für diese Kinder aufgestanden bin und vielen eine Freude bereiten konnte. Aber am meisten ist mir klar geworden, dass ich einen Sohn möchte, mit leuchtenen blauen Augen, der mein Herz erstrahlen lässt. Lasse.

Ich

Ich liege gerade im Bett, weil ich krank bin. Nein, nicht meine Diagnose zu chronischen Schmerzen, die wahrscheinlich für immer bleiben werden. Ich meine krank im Sinne von Husten und Halsschmerzen und Fieber. Sowas, was jeder schon mal hatte. Dasletzte mal, als ich so krank war, war es in der achten Klasse. Da waren aber dann 15 gleichzeitig krank. Und jetzt trinke ich Tee, liege im Bett, lese mein Buch weiter, gucke Filme und bleibe morgen zuhause. Alles was ich eigentlich nicht tun sollte. Mir wurde wegen meiner Krankheit beigebracht, aktiv zu sein. Alles tun, was normale Menschen auch tun, um mich vom Schmerz abzulenken. Das was sie mir erzählt haben, ist natürlich logisch. Und ich strenge mich an, normal zu sein. Guckt nicht so blöd, mir geht es gut! Will ich am liebsten immer schreien, aber das wäre gelogen. Ich muss mich jeden Tag bemühen, nicht den Verstand zu verlieren. Aber die meisten Menschen vergessen, dass ich jeden Tag schmerzen habe und sind dann genervt. Es macht mich traurig, mies draufzu sein. Es macht mich traurig, mich vor den Menschen zu verstecken und so zu tun, als sei ich vollkommen normal. Guckt mal was ich jede Tag leiste! Ich stehe jeden Tag auf und niemand merkt, wie scheiße es mir geht. Sie meckern rum, zur Schule zu gehen und beschweren sich über den kleinsten Mist. Heule ich anderen jeden Tag die Ohren voll? Mein Rücken tut weh, jezt mein linker arm, jetzt mein rechter Fuß. Nein, das Ergebnis sieht man am Ende des Tages, wenn ich völlig fertig mich in den Schlaf weine. Aber ich will nicht alles schlecht reden, obwohl die Menschen meiner Meinung nach, scheiße sind. Oh nein, sie ist mies drauf, hat sie wieder ihre Tage? Nein, ich bin leider nicht so wie ihr, lasst ein Tag tauschen, mal gucken wer dann mies drauf ist.

Deine Tochter.

Papa? Darf ich das zu dir sagen? Du bist für mich doch ganz fremd. Weißt du, was aus diesem kleinen Mädchen eigentlich geworden ist? Hast du meine ersten Schritte gesehen und meinen ersten Zahn in meinem Mund? Ich habe es schon vergessen, ich war da ja ganz klein.

Guck mal Papa, wie schnell ich rennen kann! Kannst du mich anschaukeln? Ich kann das noch nicht. Lass mich nicht im Meer los Papa, ich kann noch nicht schwimmen! Die Sterne sind so schön Papa! Kann ich sie anfassen? Aber Mama, wo ist denn Papa? Wieso bist du immer arbeiten Mama? Papa? Ich habe heute im Kindergarten meinen Geburtstag gefeiert. Ich bin schon fünf, eine ganze Hand voll. Michela bringt mich gerade das Fahrrad fahren bei. Ich falle oft hin aber ich will es schaffen und gebe nicht auf! Ein Mann besucht Mama ganz oft, er bringt mir gerade das Uhren lesen bei. Man ist das schwer aber ich bin schon groß und kann das! Guck mal Papa, meine große Schultüte! Heute gehe ich in die Schule und Mama und dieser Mann sitzen in der ersten Reihe. Jann heißt er und er ist ganz lieb zu mir. Ich kann mir schon alleine die Schuhe zu binden! In der Schule sind alle nett zu mir aber ich finde die Jungs viel cooler als die Mädchen. Sie reden alle nur über Pferde und wollen immer nur Ballspielen. Ich renne lieber mit den Jungs durch die Gegend und ich bin die schnellste! Niemand kann mich einholen Papa! Mamas Bauch wird immer größer, bekomm ich ein Brüderchen? Nein es ist ein Mädchen, ich habe eine Schwester bekommen! Ist dieser Mann jetzt mein Papa?  Ich bin schon acht Jahre alt Papa. Wir ziehen gerade um! Ich bin total traurig, meine Freunde zu verlassen aber ich habe jetzt mein eigenes Zimmer! Wir leben in einer kleinen Stadt aber in einem riesen Haus! Emely kann schon laufen und rennt mir immer hinterher. Guck mal Papa, ich bin heute 10 Jahre alt, zwei ganze Hände voll! Ich habe viele Freunde gefunden aber ich frage mich langsam, wo du nur bist? Ich trage jetzt eine Brille, ich kann nicht so gut von der Tafel lesen. Ich bringe gerade Emely das Inliner fahren bei. Und ich habe das schönste weiße Kleid in der Kirche! Nein ich Heirate nicht Papa, heute ist meine Kommunion! Aber du sitzt nicht in der Kirche. Wir haben auch einen Hund bekommen! Artus heißt er und er ist so süß!  Papa? Ich bin fast 13 Jahre alt und heute ist etwas rotes auf mir unten heraus gekommen. Ist das normal? Bin ich jetzt eine Frau? Heute bin ich 14 Jahre alt, ich vermisse dich sehr und denke immer an dich. Manchmal habe ich keine Lust mehr zu leben. Ein Junge ist immer nett zu mir und ich mag ihn sehr. Liebe ich ihn etwa? Kannst du mir das sagen  Papa? Ich lese jetzt sehr viel aber viele in meinem Alter finden das langweilig und saufen lieber. Ich bin heute 15 Jahre alt, drei ganze Hände voll. Ich bin seit einem Jahr mit diesem Jungen zusammen und sehr glücklich. Ich bin in der zehnten Klasse und muss jetzt super gute Noten schreiben, damit mein Abschluss gut wird. Aber irgendwie tut mein Bein weh Papa, ist das normal? Ich kann nicht mehr so gut rennen Papa, wenn ich zu viel renne bekomme ich keine Luft mehr und falle in der Schule um. Ich nehme jetzt die Pille, damit mir ja kein Fehler passiert. Ich bin heute 16 Jahre alt Papa! Guck mal zu was für einer Frau ich wurde! Ich habe meinen Abschluss mit 2,5 erfolgreich abgeschlossen! Aber irgendwie fehlt mir etwas. Wieso bin ich denn nicht glücklich? Ich habe doch alles richtig gemacht. Papa? Ich habe eine Jungen kennengelernt aber irgendwie ist er ganz anders drauf als ich. Er riecht immer nach Zigaretten, ich mag den Geruch nicht, du hast auch immer so gerochen. Mein Freund mag ihn nicht  und will nicht mehr, dass ich ihn sehe. Warum Papa? Warum will ich ihn denn sehen? Mama hat gesagt, dass man sich so nicht behandeln lassen darf. Also bin ich mit 16 Jahren wieder Single. Ich habe mein Führerschein angefangen Papa! Kannst du gut Auto fahren? Wieso mag ich diesen Jungen denn so  sehr Papa? Er passt überhaupt nicht zu mir aber ich mag seine Art. Ich bin heute 17 geworden Papa. Ich liege gerade im Krankenhaus. Irgendwas stimmt nicht mit mir. Die Ärzte wissen nicht, was ich habe. Werde ich sterben Papa? Ich will dich noch ein mal sehen bevor ich oben bin. Hörst du mich auf der anderen Seite dieser Welt? Ich habe große Angst, ich will doch gar nicht sterben.  Mein zweiter Papa macht alles damit es mir besser geht. Er ist voller sorge. Würdest du dir auch sorgen machen, wenn du es wissen würdest? Ich bin krank Papa, das habe ich heute erfahren. Mama weiß nicht wie es mit mir weiter gehen soll und ich auch nicht. Ich habe Schmerzen Papa, alles tut mir weh. Ich will nicht mehr aufstehen Papa. Kannst du mich zu den Sternen tragen? Ich glaube ich liebe diesen Jungen aber ich habe keine Zeit dafür. Ich muss mich selber erst um mich kümmern. Heute ist mein erster Tag in der Klinik Papa. Hier sind alle so wie ich. Aber niemand weiß, woher diese Schmerzen kommen. Sie haben nach dir gefragt Papa aber bei dir wurde nur ein großes Fragezeichen hin geschrieben. Mir geht es mit den anderen zusammen viel besser. Ich merke meine Schmerzen gar nicht mehr. Das Fachabitur wird mir zu viel Papa. Ich bin im Unterricht einfach umgefallen und konnte nicht mehr sprechen. Ich sah aus, als würde ich sterben und mir viel das atmen so schwer. Ich habe im Krankenwagen einfach aufgehört zu atmen, weil es viel zu anstrengen war und ich sah dich kurz wieder Papa. Aber dann kämpfte ich weiter und holte so viel Luft wie ich nur konnte. Ich werde nicht sterben! Ich habe das Fachabitur abgebrochen Papa,  ich schaffe es in meinem Zustand nicht mehr. Aber ich schaffe es, diesen Jungen zu lieben und ich war so froh, als er meinte, dass er mich auch lieben würde. Ich mache jetzt eine Ausbildung, ich liebe Kinder sehr. Sie bereiten mir immer ein Grinsen im Gesicht. Ich habe jetzt auch einen Freund Papa, ja er ist gut zu mir keine Sorge. Ich will mit ihm meine Zukunft verbringen. Bist du stolz auf mich Papa? Hast du dir so dein Mädchen vorgestellt? Ich werde in genau zwei Monaten erwachsen sein. Aber ich werde das Jahr wieder ohne dich verbringen, wie die 15 Jahre davor auch.

HELD

Ich hatte einen Traum. Ich habe von der Beerdigung deiner Mutter geträumt Max. Ich war auf der Wiese  am Friedhof und bin zu der Horde von Menschen gelaufen. Und in der ersten Reihe sah ich uns da sitzen. Ich nahm deine Hand und drückte sie und ich hielt sie die ganze Beerdigung über fest. Eine Träne lief dir runter als  die Frau von der Geschichte deiner Mutter erzählte und ich neben dir habe versucht nicht los zu heulen. Das weiß ich noch und ich sah es diesmal auch vor Augen. Ich fühlte allerdings so wie damals den Schmerz in meiner Brust, als ich deine Träne runter laufen sah. Als wir dann bei dir im Zimmer waren alleine sah ich uns da beide stehen. Ich stand wirklich in deinem alten Zimmer wieder. Ich schaute dir in die Augen und sagte, dass ich dich niemals alleine lassen werde und ich dich niemals aufgeben werde, egal was passiert.  Das zu hören aus meinem eigenen Mund, ich konnte die Tränen nicht mehr zurück halten und wurde wach. Sein Vater hat jetzt Krebs. Ich wüsste nicht was ich tun würde, würde ich es einfach verpassen und von jemand anderen erfahren. Wenn er ganz alleine wäre. Es tut mir sehr weh ihn so zu sehen. Aber es ist nicht mehr meine Aufgabe ihm zu helfen. Es tut mir leid Max aber eine Sache ist in den letzten Jahren entstanden. Ich lernte einen anderen Mann zu lieben. Und somit bleibe ich nur deine erste große Liebe..aber bestimmt nicht deine letzte. Auch wenn ich dir nicht mehr helfen kann und es das beste ist, wenn wir getrennte wege gehen, werde ich nie den Jungen vergessen der mir gezeigt hat, was liebe wirklich ist. Das du dieses kaputte depressive Mädchen gerettet hast. Denn jetzt kann dieses Mädchen eine andere Seele retten, für die sie sterben würde.

Was mir schwer fällt.

Am 15. Februar habe ich meine erste Therapie Stunde. Als ich das letzte mal bei meinem Therapeuten war, hat er mir die Hausaufgabe gegeben, ein paar Sachen aufzuschreiben die mir schwer fallen, um darauf aufbauen zu können. Was mir schwer gefallen ist in den letzten drei Monaten? Im Dezember viel es mir besonders schwer, in die Schule zu gehen. Ich fühlte mich wegen der vielen Dinge die passiert sind in dieser Klasse fehl am Platz. Alle schauten mich an und man sah in ihren Augen, dass sie auf den nächsten Anfall warteten. Ich wachte jeden Morgen auf mit dem Gefühl zu ersticken. Ich war so müde, als hätte ich nie geschlafen und legte mich meistens vor der Klasse auf den Boden hin und machte meine Augen zu. Der Dezember war ein grauenvoller Monat in dieser Hinsicht. Im Januar hatte ich Probearbeiten und fühlte mich danach total fertig. Jetzt das Wochenende als ich jeden alleine ohne Hilfe machen musste Tag mir an dem Sonntag alles weh und schwere Patienten fest zu halten fühlte sich an, als ob meine Arme raus gerissen werden würden. Nach der Arbeit habe ich mich den ganzen Tag nicht mehr bewegt, weil jede kleine Bewegung weh tat. Was mir noch schwer fällt? Meine Gefühle bei mir zu behalten. Wenn meine schmerzen schlimmer werden, bin ich oft gereizt und hab schlechte Laune, das wiederum lasse ich an andere raus, so wie bei meinem armen Freund. Aber was mir am aller meisten schwer fällt ist, wenn meine Schmerzen längere Zeit weg sind und dann plötzlich wieder kommen.  Dieses Gefühl wenn plötzlich dieser Schmerz wieder in deinem Körper fließt und sich noch stärker anfühlt als davor der Schmerz. Das ist dass aller schlimmste. Man denkt, der Schmerz ist weg und man ist total happy und dann in innerhalb von einer Sekunde, macht es dir alles wieder kaputt. In Reli durften wir heute Mandala malen. Das letzte mal als ich einen gemalt habe, war ich in der Klinik. Als einige von uns in den Lernraum mussten und ich nichts zu tun hatte, haben sie mir ein Mandala gegeben, damit ich trotzdem beschäftigt bin. Neben mir sahs Hauke und wir haben die ganze Zeit geredet und gelacht. Aber auch in der Klinik fing nach 10 Minuten meine Hand an weh zu tun. So war es heute nicht anders. Ich liebe malen aber meine Hand tut dann immer so weh, dass ich weinen könnte. In diesem Moment habe ich mich gefragt, wie es dann im Kindergarten sein sollte, wenn ich mit den Kindern malen würde..alles bullshit.

Normal

Ist es okay, wenn man Angst hat?  Ich habe Angst. Meine Klasse weiß gar nicht, dass ich krank bin. Ich komme als normale Schülerin durch. Von außen sehe ich auch normal aus. Aber ich fühle mich nicht so. Ich will wie jeder andere frei sein. Ein eigenes Leben führen und fähig zu sein, Dinge zu tun, die jeder normale Mensch auch tut. Ich will eine stütze für Marvin sein und kein ballast. Ich will einfach nicht als nutzlos abgestempelt werden. Ich muss es vor meiner Arbeit verbergen, sonst von meinen Mitschülern jeden Tag. Und wenn ich dann Zuhause bin, lasse ich alles raus. Mein armer Freund sieht mich dann als die Version, die nur pissig ist was er tut. Dabei bin ich nicht pissig auf ihn, sondern auf das was in mir Tobt.  Wie gerne würde ich ihm sagen, das ich mit Hauke zocke, weil er der einzige ist der mich versteht. Wie gerne würde ich einfach in seinen Armen liegen, ohne das meine Arme anfangen zu zucken. Mich macht das alles fertig und traurig. Ich will ihn nicht verlieren aber mein Zustand wird leider immer schlimmer und für andere unerträglicher. Das ist nicht fair. Ich will das nicht. Aber wie kann ich vor Marvin stehen und sagen, dass es mir gut geht, wenn  gelogen ist? Das einzige was ich brauche ist ihn, kein Mensch macht mich glücklicher als er. Er ist das einzige Medikament was wirklich wirkt.

Ich liebe ihn.

Ich glaube an das Schicksal. Und ich glaube auch, dass es Schicksal war ihn kennen zulernen. Wir lernten uns in einer Zeit kennen, wo wir beide in verschiedenen Welten gelebt haben. Ich war das brave Mädchen von nebenan, dass Bücher lieste, nie feiern ging und sich ganz und gar nur für einen Mann interessierte. Er war total chaotisch. Gebrochen von seiner Ex, verloren in seinem Herzen. Und das Schicksal führte uns zusammen, damit sich etwas verändert. Ich habe am Anfang nie richtig Notiz von ihm genommen..bis ich in ihn rein gelaufen bin, wir uns nur für Sekunden in die Augen schauten und er dann mit einem schüchternem Lächeln zur Seite gegangen ist, an mir vorbei. Das war das erste mal, wo ich über ihn nachgedacht habe. Und ich wollte plötzlich alles von ihm wissen. Diese Interesse wurde so groß, dass es selbst mein Freund gemerkt hat. Und er stellte mich vor die Wahl. Er wollte, selbst nachdem ich mit ihm geschlafen habe, noch eine letzte Chance. Er wollte ein richtiges Date organisieren, sowas was ich mir immer gewünscht habe. Aber ich konnte die Gefühle für Marvin nicht ignorieren und habe abgelehnt. Ja genau, diese große liebe die man hier gelesen hat habe ich eiskalt fallen gelassen für jemand anderen. Aber er ist der richtige. Er war zwar oft verloren und verwirrt, am verzweifeln und hatte Angst aber ich habe ihn nie aufgegeben. Aber ich habe etwas Angst. Was ist, wenn er mich wieder verlässt, weil ihm alles zu viel wird? Ich könnte das nicht nochmal ertragen. Dafür liebe ich ihn zu sehr. Und es ist mir ganz egal, was andere von ihm denken. So wie ich ihn sehe, ist er perfekt. Und ich bereue es auch nicht, mich in ihn verliebt zu haben. Aus zwei Welten wurde eine.

Richtig oder falsch?

Ich versuche heraus zu finden, wieso es mir immer schlechter wird. Mein Kopf ist überladen,  mein Körper am zitter. Was hat mich in diese Situation geführt? Mir ging es eine Zeit doch auch besser. Meine Therapeutin sagte mir, das Veränderungen eine große Rolle spielen. Ich bin seit Anfang des Jahres mit Marvin zusammen, allerdings macht er mich glücklich und nicht traurig, also ist diese Veränderung wohl nicht der Grund dafür. Ein negativer Stress soll das sein. Die Ausbildung? Das kann es auch nicht sein, mir macht das sogar recht viel spaß und ich habe auch schon neue Freunde gefunden. Das Altenheim? So oft bin ich da ja auch nicht  außerdem habe ich dieses Wochenende frei und ich freue mich, den mit meinem Freund verbringen zu können. Also was ist es dann? Warum geht es mir denn schlechter? Was ist noch passiert? Jetzt fällt es mir ein. Ich habe doch diese schrecklichen Dinge zu Max gesagt an Silvester. Ich habe Marvin verteidigt und ihn den Deck gezogen und dabei noch seine Tote Mutter mit rein gezogen. Seit dem sind wir zerstritten. Fühle ich mich schlecht deswegen? Etwas ja, ich wusste Max schwachpunkt und habe ihn verwendet, um ihn absichtlich zu verletzen. Eigentlich ist das überhaupt nicht meine Art. Aber ich habe das getan, um Marvin zu verteidigen. Ich konnte mir von Max das nicht länger anhören, dass Marvin mich schlecht behandelt und ich total erbärmlich geworden bin, mich mit sowas abzugeben. Da wurde ich richtig wütend.  Aber ich habe in diesem Moment, als ich das alles gesagt habe, ihn gleichzeitig verraten. Max muss kapieren, das ich Marvin liebe. Und so habe ich es ihm deutlich gemacht. Du warst meine Vergangenheit Max aber ich möchte nur mit Marvin meine Zukunft verbringen. Ich darf mir deshalb keine Schuldgefühle einreden. Es ist Max eigene Schuld, dass er angefangen hat zu rauchen und sich total hängen gelassen hat. Ich bin nur gegangen, um mein Leben weiter zu leben..ohne ihn.

Veränderungen?

Mir geht es leider wieder schlechter. Heute wachte ich zich mal in der Nacht auf und fühlte mich beobachtet. Einmal dachte ich auch, ich hätte eine Gestalt gesehen und rannte sofort zum Lichtschalter aber, da war nichts. Und dann bin ich mit Licht an eingeschlafen, weil ich so Angst hatte. Ich wachte vor meinem Wecker auf und alles brummte in mir. Als hätte ich einen Kater. Ich war sogar so verpeilt, dass ich  mich selbst nicht halten konnte und beim ersten Schritt mein Bein weg geknickt ist und ich fast hingeflogen bin. Meine Beine fühlten sich viel zu schwach an. So viel zu meinem geilen Morgen. In der Schule ist es wesentlich entspannter als früher. Allerdings ist es im Altenheim dann drei mal so hart. Ich kam gestern so kaputt nach hause, dass ich mich sofort hingelegt habe. Ich weiß nicht, ob ich so weiter machen kann. Wie kann man sich jeden Tag so schlapp fühlen. Ich tu doch was. Jeden Tag stehe ich auf und gehe zur Ausbildung, zum Altenheim und jetzt bald auch wieder Babysitten. Sollte es mir dann nicht besser gehen? Wieso geht es mir nicht besser?! Wieso könnte ich jede Sekunde heulen, wieso fühle ich mich so, als würde ich sterben obwohl ich leben will?! Vielleicht übertreibe ich auch, weil ich meine Tage habe und meine Emotionen und Gefühle hin und her springen..aber leider auch mein Schmerz. Beides zusammen ergibt nichts gutes.

Damm.

Wird jetzt alles perfekt? Ich meine, seit dem ich mit dem Fachabi aufgehört habe, geht es mir irgendwie besser. Zwar habe ich noch schmerzen aber daran habe ich mich leider schon gewöhnt. In meine Ausbildung bin ich neu eingestiegen und ich muss feststellen, dass selbst die ersten drei Tage chilliger waren, als der kram beim Fachabi. Zwar sagt die Lehrerin, dass ich noch wie ein Erwachsener denke und nicht wie ein Kind, aber das würde ich schon hinbekommen. Wie soll man mit fast 18 plötzlich wieder wie ein drei jähriges Kind denken? Das muss ich noch üben. Im Februar bekomme ich meine Wochen Therapien. Vielleicht kann mir das helfen, meine Anfälle verschwinden zu lassen. Und ich bin nicht mehr single. Man kann sich denken, was passiert ist. Zuerst war ich skeptisch, weil ich sowas überhaupt nicht mehr erwartet habe. Aber ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich ihn nicht liebe. Aber das tue ich, jeden Tag. Bei uns beiden hat sich viel verändert und wir sind beide mit unserer Ausbildung beschäftigt aber wir haben uns nicht aus den Augen verloren. Und ich möchte ihn nie wieder verlieren, ich möchte für immer seins sein. Ich will seine verrückte Art jeden Tag erleben. Ich möchte ihn, weil er mich glücklich macht, mit dem was er ist. Ich liebe ihn. Und niemand kann uns auseinander bringen. Kein Typ könnte mich je beeindrucken, ich würde immer nur seine Hand halten wollen.

Max.

Es tut mir leid Max. Ich habe Dinge zu dir gesagt, die ich nicht so meinte. Aber als ihr alle aufeinander los gehen wolltet, tat mir das mehr weh als ich dachte.  Ich liebe ihn, keine Frage aber Max wird mir nie egal sein.  Und als Marvin sagte, dass es ihm egal ist, dass er in den Knast geht dafür blieb mein Herz kurz stehen und Tränen liefen mir übers Gesicht.  Und weil ich das nicht wollte, musste ich es überzeugend wirken lassen. Ich schrieb Max genau dass, was ihn an meisten verletzt. Es war scheiße von mir ihn mit seiner Mutter zu verletzen aber so würde er nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Ich ging auf Toilette und schrieb ihm alles und musste fast kotzen, als ich alles abgeschickt hatte. Ich habe mich in diesem Moment mehr geschämt als sonst. Aber wenn die sich prügeln würden, würde Marvin in den Knast gehen und das wollte ich nicht. Auch wenn ich Max immer beschützen will aber das war die beste Möglichkeit, ihn zu beschützen. Ich will nicht, dass Max mit sowas zu tun haben muss. Ich hoffe, er ist glücklicher ohne mich. Und Max? Tu nicht so, als hättest es jemals anders funktioniert. Ich kenne dich nämlich.

Anfälle

Ich habe das Gefühl, dass ich schwebe. Meine Schmerzen scheinen nach und nach weniger zu werden. Ich wache auf und bin einfach nur müde. Wie jeder, wenn um 6 Uhr der wecker klingelt. Ich fange langsam an, wieder normal zu werden. Vielleicht war es wirklich die Schule, die mir solche Schmerzen zugefügt hat. Eher die Angst, meine Eltern zu enttäuschen. Das Fachabi, hat wirklich meine ganze Energie genommen. Aber ich wollte genau so wie meine Schwester, meine Eltern glücklich machen. Meine Mutter war total erschrocken, als sie vor ein paar Tagen den Brief öffnete von meiner Krankenkasse. 14.000€ hab ich letztes Jahr gekostet. Durch die vielen Krankenhaus Aufenthalte, war ich das teuerste Kind letztes Jahr. Die Krankenkasse wollte jetzt noch 400€ Bonus von meinen Eltern erhalten, weil ich halt so viel gekostet habe. Das machte mich etwas traurig. Wir sind zwar nicht  die Ärmsten aber 14.000€ ist schon viel Geld. Neben bei kommt noch meine dauer Therapie im Februar, die Krankenkasse zahlt die ersten drei Stunden aber bei dem Rest, wollten sie noch gucken, ob ich das wirklich brauche. Ob ich das wirklich brauche? Zwar sind meine Schmerzen teilweise weniger geworden und ich versuche mein Leben weiter zu leben aber was ist wenn es von heute auf morgen schlimmer wird? Ich hatte jedes mal andere Anfälle. Und sie wurden immer schlimmer. Am schlimmsten fand ich den, wo ich nicht mehr sprechen konnte. Wo ich einfach nur da lag, meine Augen öffnet und  mein Vater mit mir sprach und mich Sachen fragt hat. Ich hab ihn nur angesehen ohne mir Mühe zu geben, um zu antworten. Ich wusste nämlich nicht mehr in diesem Moment, wie das ging. Erst Abends nach zwei Stunden schlaf, konnte ich wieder sprechen. Bei meinem letzten Anfall, haben sich die Wände bewegt und ich hatte vor alles Angst und nahm kaum mehr die Menschen um mich herum  war. Was ist, wenn ich wieder einen Anfall bekomme, einen schlimmeren? Warte mal. Bei meinem ersten Anfall letzten Jahres, konnte ich nichts mehr sehen, außer weißes Licht. Danach waren meine Beine versteift und ich konnte sie nicht mehr bewegen. Neben bei kamen noch die Zitter Anfälle und die Stimmen, die ich hörte. Meine Stimme wurde mir geraubt und meine Umgebung hat sich verändert. Was kommt danach?

Ich hasse dich.

Ich weiß, eigentlich sollte ich langsam damit aufhören mir Gedanken darum zu machen. Vor Weihnachten, musste ich was für mein Handy suchen und hab den ganzen Dachboden auf den Kopf gestellt. Natürlich bin ich über Max Sachen gestolpert, es ist gruselig, es sieht aus wie ein Grab und alles ist unter Staub begraben. Als ob Max gestorben wäre, aber das ist er auch irgendwie. Naja, wenigstens habe ich die guten Erinnerungen unter einer Kiste begraben. Da gehört es nämlich hin, ich gebe ein fick auf den Menschen, der er geworden ist. Also schob ich den Kram bei seite und bin auf einen Zettel gestoßen. Ich faltete ihn auf und mir blieb kurz die Luft weg. Es war eine Collage die ich mal als kleines Kind gefunden habe. Meine Mutter hat es mir damals weg genommen, als ich es gefunden habe. Seit dem habe ich es nie wieder gesehen. Ich war da vielleicht 4 oder 5. Damals wusste ich nicht mal, wer dieser Mann auf den Fotos war aber sein Gesicht kam mir so bekannt vor. Und als ich es  nach den jahren wieder in der Hand hielt, kamen mir die Tränen. Es war mein Vater, Erzeuger, was auch immer. Ich hatte schon als ich klein war das Gefühl, dass es mir gehörte. Ich glaube, mein Vater hat es für mich gemacht, bevor er gegangen ist. Auch wenn er dachte, dass wir zusammen weg laufen würden, hat er es wohl doch irgendwie geahnt. Da ist Amerika zu sehen, vielleicht hat er es ja mit der Post geschickt. Ich weiß es nicht. Ich hab den Zettel mit genommen und seit dem unter mein Kopfkissen getan. Ich habe an dem Tag auch von ihm geträumt und schaue es mir jeden Tag an. Ich weiß auch nicht, ich habe eine Familie und einen Papa, der alles für mich tut. Aber diese Verbindung zum Blut, lässt mich nicht richtig los. Er ist da draußen, er hat sogar facebook. Aber melden tut er sich nicht und ich auch nicht. Ich traue mich nicht, ich habe Angst abgewiesen zu werden. Aber vielleicht denkt er ja genau so wie ich. Wieso konnte er nicht eher von mir gehen, so, dass ich mich gar nicht mehr an ihn erinnere? Aber er war lang genug da, dass ich sein Gesicht immer wieder erkennen würde. Ich hasse ihn dafür.

Kindergarten.

Ich hätte nie gedacht, dass ein Kindergarten mich so glücklich machen kann. Gestern wusste ich überhaupt nicht, wie ich es angehen sollte. Ich bin generell ein sehr ruhiger und schüchterner Mensch am Anfang, wie soll ich dann auf fremde Kinder zu gehen? Aber die Kinder kannten das Wort Angst wohl gar nicht. Viele Kinder kamen auf mich zu und wollten mit mir spielen. Ein kleines Mädchen wollte sogar, dass ich sie an mich nehme. Und als ich heute wieder kam, rannten viele schon auf mich zu und umarmten mich zur Begrüßung. Die Jungs wollen mit mir natürlich immer Lego bauen und da baute ich einfach drauf los. Die wahren bei allem was ich tat total begeistert. Das waren die großen 5 jährigen Jungs. Aber der bewegenste Moment war für mich, als mich ein kleines Mädchen an die Hand nahm, weil sie mir was zeigen wollte. Und noch oben drauf, wollte eine süße kleine zwei jährige auf meinem Arm und hat ihren Kopf an meinen angelehnt. Leider streiten sich auch schon einige um mich und wollen mich auch nicht teilen. Das ist dann immer sehr anstrengend, aber irgendwie auch ein Kompliment. Aber als heute zwei Kinder Geburtstag hatten und 5 Jahre alt wurden, viel mir wieder ein, warum ich Erzieherin werden wollte. Meine Kindergarten Zeit war die schlimmste Zeit für mich. Ich wollte nie nach Hause, weil Roland nur auf mich gewartet hat, um mich wieder zu schlagen. Im Kindergarten konnte ich ein richtiges Kind sein. Ich konnte wie die anderen lachen, rennen und Spaß haben. Und als die kleinen heuten 5 wurden, erinnerte ich mich kurz an meinen fünften Geburtstag im Kindergarten. Ich werde nie die Erzieherin vergessen die gesagt hat „Du bist schon fünf, eine ganze Hand voll“ und durfte dann ein Hand abdruck machen. Das war für mich einer der schönsten Geburtstage. Deshalb will ich Erzieherin werden, um den Kindern wenigstens etwas Freude wieder zu geben und das sie keine Angst vor der Welt haben müssen.

Unmöglich?

Heute morgen, da wollte ich zuerst gar nicht aufstehen. Ich fühlte mich so schwach und kaputt, dass ich auf nichts Lust hatte. Aber dann bin ich doch aufgestanden, für meine besten Freunde. Ich fühle mich schon oft genug wie eine schlechte Freundin, weil ich mich kaum bei den beiden melde. Ein treffen kurzfristig abzusagen, wäre so garnicht mein still. Und als wir dann zusammen als Gruppe durch meine alte Stadt liefen, fühlte ich mich kurz wieder wie 5 Jahre alt. Ich blühe richtig in dieser Stadt auf, dass sogar meine Schmerzen verschwanden. Ich war in dieser Zeit mit meinen Freunden richtig glücklich. Und als der Film vorbei war merkte ich erst, dass es Lea nicht gut ging. ,,Herzrasen“, sagte Martin nur und googlte, was man dagegen tun konnte. Als ich die Tränen in Leas Augen sah, sah ich kurz mich selbst wieder. Lea und ich haben viel gemeinsam, auch, dass unsere Gehirne anders sind, als die von anderen. Genau so wie ich, hat sie Momente, wo sie nicht weiß was mit ihr passiert und da dreht ihr Körper dann durch, genau wie meiner. Nur hat sie keine Chronischen Schmerzen so wie ich. Das ist der Unterschied. Aber in dem Moment wusste wenigstens ich selbst, was zu tun war. Sie ablenken. Mit ihr reden. Sie zum lachen bringen. Und nach einer halben Stunde, ging es wieder.  Mein bester Freund schüttelte nur den Kopf und meinte lächelnt, dass wir nicht ganz normal wären. Ich war froh, dass es bei Lea nicht ganz so schlimm war, wie bei mir letzte mal. Ich höre den Krankenwagen immer noch in meinem Ohr. Aber auf dem Rückweg, fingen die Schmerzen dann wieder an. Ich habe mich daran gewöhnt, dass sie manchmal für kurze Zeit verschwinden aber leider immer wieder zurück kommen. Und immer wenn das passiert, fühle ich mich noch schwächer und noch kränker. Mein Hüfte tut irgendwie immer mehr weh. Ich bekomme die Worte von Arzt nicht aus dem Kopf, dass da etwas nicht stimmte. Wäre ja ein wunder, wenn ich einmal nichts haben würde. Das ich noch erkältet bin, macht es die Sache auch nicht besser. Bei einer erkältung sollte man sich ausruhen. Aber für meine Krankheit, ist das pures Gift. Die Ärzte und Therapeuten haben mich immer davor gewarnt, dass ich mich nicht zu lange schonen sollte, wenn ich einmal krank sei, dass würde alles nur noch schlimmer machen. Also renne ich seit einer Woche mit einer erkältung, die nicht richtig weg geht, weil ich immer auf den Beinen bin und wenn ich mich zu lange schone, werden meine Schmerzen immer schlimmer. Was mache ich also? Ich laufe. Eine erkältung ist zwar total nervig aber wenigstens tut sie mir nicht weh. Auch wenn meine Rippen jetzt irgendwie weh tun, hoffe ich nicht, dass ich schlimmer krank werde. Ich will mir nicht ausmalen wie es sein wird, wenn ich Fieber habe..

Neues Jahr!

Ist es okay, jemanden los zu lassen? Jemanden, der einmal dein Held war? Gestern ist ein Streit eskaliert. Ja, zwischen Max und ihm. Das die beiden sich nicht mögen, war mir von Anfang an schon bewusst. Das erste mal, wo ich Max gefragt habe, ob ich mich mit ihm treffen darf hat mir gezeigt, dass Max ihn hasste. Max war eifersüchtig auf ihn. Anders rum ist es heute irgendwie auch. Ich könnte das nicht mit ansehen, wenn die beiden sich schlagen würden. Ja ich habe Max geliebt, mehr als sonst irgendwen..aber das war bevor ich ihn traf. Und wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich ohne zu zögern mich für ihn entscheiden. Max und ich haben uns gestern noch richtig gestritten und irgendwann wurde ich so sauer, dass ich seine Mutter mit rein gezogen habe. Josh hat gesagt, ich sollte mich schämen, für jemanden so Loyal zu sein und Max einfach so zu verletzen. Wenn es aber um ihn geht, gibt es kein halt bei mir. Es passiert einfach automatisch, dass ich ihn verteidige. Weil ich ihn liebe. Max war mal ein Teil von meinem Leben aber, er ist für mich gestorben.

Meine letzten Worte?

In zwei Tagen ist dieses Jahr vorbei. Ich hab leider keine Zeit um es kurz vor Neujahr zu verfassen, deshalb schreibe ich jetzt meine letzten Worte für dieses Jahr auf. Dieses Jahr hat sich einiges geändert für mich. Vieles um genau zu sein. Am Anfang dieses Jahres, war ich motiviert mein Fachabi zu meistern, mein Führerschein zu machen und etwas glück mit der Liebe zu haben. Nichts davon ist wahr geworden. Mein Fachabi zerbrach in dem Moment, als ich am ersten Mai ins Krankenhaus eingeliefert wurde, weil ich meine Beine nicht mehr bewegen konnte. Und ein Teil zerbrach in mir, als meine Krankheit bestätigt wurde. Ich hab mich, seit der Wahrheit meines leiblichen Vaters, noch nie so schwach gefühlt. Es war nicht nur meine Seele, die brannte. Es war mein Körper, der weh tat. Und so zog ich mich zurück. Ich sprach mit meiner Familie kaum noch. Und dann ging ich in die Klinik für drei Wochen. Meine Eltern meinten, ich sei fröhlicher gewesen an den Tagen, wo ich Zuhause war. Das war ich auch, wir waren in der Klinik wie eine kleine Familie. Nur leider, hab ich durch das ganze durcheinander, nicht mehr an meinen Führerschein gedacht. Ich kam beim Fachabi nicht mehr mit und kippte vor allen in der Klasse zwei mal um. Es war hart. Bei der Liebe habe ich leider aufgegeben in diesem Jahr. Vielleicht lag es daran, weil ich viel mit meiner Krankheit beschäftigt war. Typen wollten sich mit mir treffen, wollten mich ins Bett bekommen aber ich hasse das. Kann mich mal ein Typ nicht nur wegen meinem Körper mögen? Es nervt mich. Es wundert mich, dass ich nicht so tief gesunken bin, wie ich eigentlich gedacht habe. „Sie ist krank verdammt und säuft sich jetzt nur noch ins Koma oder raucht wie ne kloppte oder schläft mit jedem Typen, nur um sich davon ablenken zu lassen“. Nein, so wollte ich nie sein. Mein Gehirn ist zwar komplett unter Strom aber meinen Stolz und meinen Wert habe ich nicht weg geworfen. Ich werde nicht saufen und rauchen, wie mein Vater. Ich werde keine schlampe, die sich von jedem durchnehmen lässt. Ich bin immer noch Ich selbst geblieben. Zwar etwas kälter aber immer noch ich selbst. Und das wünsche ich mir auch fürs nächste Jahr. Ich werde kämpfen, für mein Führerschein, für meine Ausbildung, für meine Familie, meine Freunde und nicht zu vergessen: Für mich selbst! Und wenn die Liebe eines Tages auf mich zu kommt, werde ich keine Angst haben. Ich werde nächstes Jahr 18. Es wird Zeit Erwachsen zu werden.

Wahre Stärke

Gestern bin ich aufgewacht und stand unter Strom. Jeder kleine Schritt tat mir weh. Aber ich musste stark sein, für die große Weihnaschtswanderung. Ich habe mich jedes Jahr davor gedrückt. Letztes Jahr war es mein Knie, was weh tat. Davor das Jahr tat mir der Rücken weh und so weiter. Aber dieses Jahr gab es keine Ausreden mehr. Ich musste da durch. Die ersten Schritte, taten am meisten weh. Mein Körper werte sich, zwang mich, aufzuhören. Aber ich wollte meine Familie nicht enttäuschen. Nach Meterlangem laufen, waren wir im Wald. Der Geruch des Waldes, jagte mir eine Gänsehaut ein. Ich war als Kind oft im Wald und habe dort mit meinen damaligen Freunden gespielt. Es fühlte sich an, wie eine Ewigkeit, als wir immer tiefer in den Wald gingen. Bis wir an einer Stelle ankamen, die mir bekannt vor kam. ,,Wir sind hier?!“, fragte ich meine Eltern. Sie lachten nur. Hier war ein Teil von Olfen, den ich auswendig kannte, Eversum. Und als wir einen Weg lang liefen, fiel es mir wieder ein. Als ich die große Wiese sah, wo die Lippe umher floss, kamen mir so viele Erinnerungen zurück. Hier bin ich damals mit Wiebke immer hin gegangen. Ich sah mich auf der Wiese rennen und lachen, wo daneben jetzt ein Aussichst Turm war. Und dann merkte ich auch, wie lange ich nicht mehr hier war. Dieser Moment hat mich so sehr bewegt, dass mir die Tränen kamen.  Ich war da 13 Jahre alt und noch voller Energie. Aber der Schmerz stichte in meinem Rücken. Und nach der Pause fing ich an, schneller zu laufen, fester zu laufen. Ich blendete den Schmerz aus. Und war plötzlich von meiner Familie ganz vorne mit dem Hund. Meine Geschwister jammerten schon, das sie nicht mehr konnten. Aber plötzlich war ich voller Energie und spürte keine Schmerzen mehr. Ich fühlte mich wieder, wie ein Kind. Meine ganze Familie war von meiner Stärke begeistert und stolz auf mich, dass ich 10 Kilometer, ohne jammern gemeistert habe.  Dieses mal, habe ich den Schmerz für diesen Tag besiegt und genoss es, für diesen Augenblick, schmerzfrei zu sein. Und mit dieser Stärke, gehe ich morgen arbeiten.

Sorgen.

Ist es falsch, sich so viele Sorgen um einen Menschen zu machen? Das man diesen Menschen beschützen will und zu ihm rennen würde? Egal was man gerade hat? So habe ich mich gestern gefühlt, als er nach mir gerufen hat. Als ich seine Stimme hörte, war es sofort klar: ich muss zu ihm!“ Ich zog meine Jacke an und wollte gerade die Tür auf machen, als mein Vater rein kam. Er ließ mich nicht gehen, ich wäre viel zu blass im Gesicht und außerdem zitterten meine Beine und mein Gang wäre ganz schwach. Er wollte nicht, dass ich auf dem Weg umkippe und niemand bekäme es mit. So zog er meine Jacke aus, entschuldigte sich und ging raus. Ich wäre zu ihm gegangen, egal ob ich kurz vorm umfallen gewesen wäre. Für ihn würde ich alles tun. Und ich frage mich immer noch, wieso ich? Wieso kommt er immer zu mir? Normale Freunde sind wir ja wohl nicht. Und ich kann nicht aufhören, mir so viele scheiß Sorgen um ihn zu machen! Ich weiß so viel von ihm und nichts davon schreckt mich ab, für ihn da zu sein. Ich kenne ihn. Und ich würde immer zu ihm halten und für ihn kämpfen. Weil..ich ihn..liebe. Ich weiß nicht mal selber was das bedeutet. Ich weiß nur, dass ich immer zu ihm gehen würde und immer nur das Gute in ihm sehe..

Liebe?

Merkt man es, wenn man jemanden liebt? Und welche Art von Liebe ist es? Natürlich ist es ein Unterschied, wenn man jetzt seine Schwester oder seine Freunde liebt. Und wir suchen doch alle einen, der uns irgendwie wiederspiegelt. Die Person fürs Leben. Sonst ist man ja eines Tages alleine. Aber woher weiß man genau, dass es diese Person ist?

Ich habe das selbe Max vor kurzem gefragt. Viele Weiber stehen auf ihn, was mich nicht besonders wundert. Er sieht gut aus und hat ein Herz aus Gold. Er fand es aber nicht so toll. Er meinte, dass er keine davon je lieben würde.  Ich fragte ihn, warum? ,,Liebe entsteht nicht einfach so. Es braucht Zeit, um zu wissen, dass man diese Person liebt. Diese ganzen Mädchen, meinen mich zu lieben, obwohl sie mich nie weinen gesehen haben. Sie haben immer nur meine gute Laune genossen. Aber wenn man jemanden liebt, dann muss man alles von ihm sehen. Und wenn diese Person dann weint, würde man alles tun, um diese Person glücklich machen zu wollen“. Ich war baff. Ich fragte ihn, woher er das alles wusste. ,,Ich habe dich geliebt und sonst keine seit dem“, sagte er nur und zog an seiner Kippe. Ich war dann froh, dass ich wenigstens eine gute Sache bei ihm hinterlassen habe.  Kaum zu glauben, dass wir so ein Gespräch geführt haben. Aber er hatte recht. Ich hoffe für ihn, dass er eines Tages wieder so eine Liebe findet. Ich habe sie schon gefunden.

Geist.

Ich glaube, mein Gehirn ist ziemlich kaputt. Ich fange an Dinge zu vergessen. Nach jedem Anfall, sind es immer mehr Dinge. Und gestern, als sich plötzlich die Wände im Badezimmer bewegt haben, dachte ich, ich bin verrückt.  Stimmen wurden ganz stumpf und alles fühlte sich plötzlich so unecht an. Ich bekam Angst, wie ein kleines Mädchen war ich in meinem Kopf gefangen. Meine Therapeutin sagte mir, ich soll ganz genau achten, was mich in so einer Lage bringt. Aber dafür gab ich nicht mal einen Grund, ich habe normal mit meiner Familie gegessen, bis ich mich wie eine Maschine verhielt. Alles verdammt gruselig. Vorallem ging es mir davor noch super. Ich habe mit den Kindern gespielt und mich aufs Essen gefreut mit meiner Familie aber anscheinend war ich zu glücklich, denn da dachte sich mein Kopf „Jetzt bist du wieder verrückt“ und zack war ich ein Geist. Ich glaube aber, wenn ich mich zu  sehr damit befasse, wird es schlimmer. Morgen muss ich wieder zur Klinik, um meine Fortschritte mitzuteilen. Fortschritte? Ich bin mehr umgekippt oder hatte Anfälle in den letzten Monaten, als in den ganzen zwei Jahren wo ich diesen Schmerzanfall bekam. Mein Kopf tut auch mega weh gerade und irgendwie zieht es im Unterleib auch noch. Reicht es nicht schon, dass ich regel schmerzen habe, soll das zwischendurch auch noch weh tun? Aber was sagen die Therapeuten immer? „Ignorier  es“ wow, danke für den Tipp. Wenn sich jemand mal den Arm bricht, soll man auch einfach daneben stehen und sagen „Ignorier es“? So fühl ich mich immer. Warum auch Gott wollte, dass ich eine komplizierte Krankheit bekomme. Ich überlege schon, die Pille abzusetzen, weil die ganze Hormone vlt auch meine Schmerzen verstärkt. Aber dann denke ich mir auch, wenn es nicht der Fall ist und ich dann Schwanger werde, hätte ich die schmerzen dann doch behalten und nicht rum experimentiert. Also Augen zu und durch.

Ich wünsche mir..

Als ich in der Klinik war, sollte ich in der letzten Deutschstunde etwas schreiben.  Ich sollte schreiben, was ich mir wünsche. Es war Dienstag und die Lehrerin hat mir einen ganzen Stapel voller Papier gegeben, von Patienten, die vor mir da waren und ihre Wünsche aufgeschrieben haben. Ich konnte mir nicht alle durchlesen und fand ein Brief, der mich bewegt hat. Und als ich unten ankam, sah ich auch wer es geschrieben hat. Es war Nika, die an dem Freitag gegangen war. Obwohl sie erst 15 war, schrieb sie wundervoll. Ich vermisste sie in dem Moment und machte ein Foto von ihrem Brief. Als ich weiter schaute, sah ich einen Brief mit einer schrecklichen Handschrift. Und obwohl darauf kein Name stand, wusste ich sofort, wer das geschrieben hat. Es war Hauke. Gerade mal 14 Jahre alt und das einzige was er sich gewünscht hat, war seinen Unfall verhindern zu wollen. Ich wollte ihn in diesem Moment umarmen aber er war schon fast eine Woche nicht mehr da. Diese Menschen in der Klinik sind mir alle ans Herz gewachsen. Wir saßen alle bei Nika, als sie jeden Abend ihre komischen Anfälle hatte. Jeden Abend kamen wir alle zusammen und spielten Werwolf. Unsere Gemeinschaft war so stark und wir haben uns gegenseitig vom Leid abgelenkt. Gestern als ich Reli hatte, war unsere Aufgabe, sich etwas zu wünschen und aufzuschreiben. Ich dachte dabei an Nika und Hauke und all die Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Meine Mitschüler wünschten sich ein Auto, Geld oder den Führerschein. Einige wünschten sich auch Liebe und Glück fürs neue Jahr. Sie wünschten sich, dass sie das Fachabi schaffen würden. Einige wünschten sich auch Gesundheit. Ich schrieb nur einen Satz auf, der alles verkürzt, was ich in der Klinik geschrieben habe „Ich wünsche mir…das Gesundheit für jeden das wichtigste bleibt“. Heute in Deutsch sagte unser Lehrer, wie eine Welt wäre, wenn es nur ums Geld gehen würde. ,,Ein chronisch krankes Kind soll man helfen? Wozu? Es wird doch immer nutzlos für die Bevölkerung sein. Dann kann man lieber 20 gesunde deutsche helfen, eine Wohnung zu finden, die können ja dann wenigstens arbeiten gehen“, sagte er vor der ganzen Klasse. In diesem Moment schaute mich Robin von der Seite an und es drehten sich einige Mitschüler zu mir und tuschelten. Warum dieser scheiß Lehrer ausgerechnet das als Beispiel gegeben hat weiß ich nicht. Er weiß doch genau, dass ich das habe. Ich bin nach der vierten dann gegangen, weil mein Körper seit dem mit Schmerz übergossen war, dass mir jeder Knochen weh tat. Aber ich bin nicht so hilflos, wie alle denken. Ich hab es satt, dass sich alle sorgen um mich machen und mir helfen wollen. Ich bin krank ja, aber ich bin nicht behindert. Ich kann immer noch sprechen und denken, wie normale Menschen. Ich kann fühlen, ich bin nicht kaputt wie eine Maschine. Aber der Lehrer hatte schon recht. Würde die Welt nur so denken, würde man mir nicht helfen wollen. Aber eigentlich, kann dir das niemand nehmen. Man muss es selber bekämpfen und das tue ich jeden Tag. Als ich gestern bei ihm war, hatte ich keine Schmerzen. Es war wundervoll, dass ich Momente mal genießen konnte, ohne ein fake lächeln zu erzwingen. Es war echt. Alles. Und ich danke ihm dafür. Es gibt doch noch etwas, was ich mir wünsche: Das dieser Mann eines Tages wirklich glücklich ist. Das hat er verdient.

Innerlich.

Mein Onkel ist zu besuch.  Aber nicht nur irgendein Onkel, es ist der Bruder meines leiblichen Vaters. Als ich ihn das erste mal gesehen habe, viel mir sofort seine innere Ruhe auf. Er ist anständig und seine Kinder schätzen ihn als Vater. Ich will nicht wissen, was seine Kinder über mich denken. Wahrscheinlich kannten sie meinen Vater und die ganzen Geschichten und plötzlich steht seine Tochter vor ihrer Tür. Manchmal vergesse ich es, eine Polin zu sein. Aber je mehr ich da sahs und jedes einzelne Wort verstand, was sie redeten, fühlte ich mich wieder wie ein kleines Kind. Meine erste Sprache die ich konnte war polnisch. Ich war ein richtiges polnisches kleines Mädchen. Ich war oft in Polen bei meiner Oma mit meiner Schwester, Mama hatte immer viel zu tun. Mit meiner Cousine verbrachte ich die meiste Zeit zusammen, neben meiner Schwester. Obwohl wir zwei Jahre auseinander waren, machten wir alles zusammen. Wir redeten dabei nur polnisch. Aber das war unser Problem damals. Wir mussten plötzlich eine andere Sprache können. Ich tat mich nicht schwer dabei, ich war da gerade erst vier und je kleiner man ist, umso leichter kann man einem Kind was beibringen. Meine Cousine war schon sechs und tat sich damit ganz schwer. Ich durfte sie zwei Jahre nicht sehen, weil meine Tante meinte, dass sie wegen  mir kein deutsch konnte und nur mit mir polnisch sprach. Das war für mich sehr schwer damals. Kein polnisch sprechen. Nur deutsch. Das sagte selbst meine Mutter immer zu mir. Und eines Tages, wenn meine Mutter mich was auf polnisch fragte, antwortete ich auf deutsch. Jedes mal. Polnisch war in meinem Leben gar nicht mehr so wichtig gewesen. Deutsch können stand ganz oben bei mir. Im Kindergarten hatte ich so meine ersten Freunde gefunden und in der Schule sah man mir nicht mehr an, dass ich eine Polin war. Plötzlich war ich eine deutsche gewesen. Ich lernte lesen und schreiben auf deutsch. Man hat mich zu was ganz anderes geformt. Und meine polnische Familie lernte ich nie kennen oder sah sie viele Jahre nicht mehr. Das was ich wirklich war, versteckte sich in meinem Herzen und ist ganz tief vergraben worden. Ich war keine Polin mehr. Ich war eine deutsche. Und als meine Oma nach sieben Jahren uns besuchen kam, konnte ich nicht mehr mit ihr sprechen. Es war einfach weg. Ich konnte sie verstehen, jedes einzelne Wort aber ich konnte es nicht von mir geben. Ihr Gesicht dabei, als ob ihr Herz brechen würde. Und es tat mir so leid in diesem Moment. Aber ich gehörte nicht mehr dazu. Ich war keine Polin mehr. Ich sprach es nicht mehr bis ich meinen Vater kennenlernen wollte. Und als mein Onkel Freitag mit mir getanzt hat, hat er mit mir einen polnischen  Tanz getanzt, den alle Polen können in meinem Alter. Meine Tante nahm es ganz stolz mit ihrem Handy auf und sagte :Wie eine richtige Polin tanzt du. Du bist eine Kluczkowski“. Dieser Satz, bei dem bekam ich eine Gänsehaut durch meinen ganzen Körper. Als ob mich etwas berührt hätte. In diesem Moment, mochte ich meinen Namen zum ersten mal. Durch meinen Vater hab ich diesen Namen nur mit schlechten Dingen verbunden, aber zum ersten mal sah ich, dass dieser Name nicht nur Schmerz in mir auslöste, sondern auch liebe.

Ausbildung

Heute war ein entscheidener Tag für mich. Ich wurde von meiner Lehrerin zu einem Gespräch gerufen mit einer anderen Schülerin. Sofort bekam ich Panik. Würde ich jetzt von der Schule geschmissen, weil ich so schlecht geworden bin? Die Lehrerin aber machte uns ein Angebot. Ich wollte nach meinem gescheitertem Fachabi, eine Ausbildung in der Kinderpflege machen. Plötzlich bekam ich das Angebot, schon nach dem Halbjahr zu wechseln in die elfte Klasse. Die hätten ein Platz für mich und warteten nur noch auf meine Zustimmung. Entweder ich mach das Fachabi noch mit oder ich wechsel. Ich würde dann nur das halb jahr mit machen und dann sofort in die zwölfte versetzt werden und nach der zwölften, hätte ich meine Ausbildung. Meine Eltern waren von diesem Angebot total glücklich. Ich hatte meine bedenken und habe bis Freitag Zeit, mich zu entscheiden. Wie sieht das denn in den Bewerbungen aus mit einem abgebrochendem Fachabi? Was soll ich dann sagen? „Ich habe eine Chronische Erkrankung und bekomme hin und wieder ein paar Anfälle, mein Gehirn ist also geschädigt und nicht in der Lage, dem niveau  vom Fachabi anpassen zu können, weshalb ich die Kinderpflege Ausbildung in betracht gezogen habe“ , die würden auch nur denken, ich wäre gestört oder so. Allgemein, wenn ich sowas in eine Bewerbung mit einbringe, würde mich keiner nehmen aus Angst, ich könnte jeden Moment umfallen. Und da ich erst im Februar dauerhaft Therapiert werde, war ich am nachdenken. So weitermachen oder ertrage ich eine neue Umgebung mit noch mehr neuen Menschen die kein Plan haben, wie es mir wirklich geht. Anderer seits kann ich auch neu Anfangen. Alle wissen von meiner schlimmen Krankheit und alle Lehrer haben ja so mitleid mit dem armen jungen Mädchen. Weshalb hab ich wohl ein Platz bekommen in der Ausbildung in weniger als zwei Wochen? Krankheitsbonus! Ich kann jemand anderes sein. Ich kann gesund sein. Nur für einen Moment kann ich da ganz normal sein. Auch wenn es kacke sein wird meine Freunde da einfach hängen zu lassen aber wie meine Therapeutin mir geraten hat „Du musst einmal an dich denken“  Und das werde ich, ich will nicht dieses kranke Kind sein, ich will eine Zukunft haben. Ich mach es.

Heute war ich auch bei Max. Tja was soll ich sagen, es hat sich nichts geändert..denke ich.

Peinlich.

Heute als ich aufgewacht bin dachte ich, dass ich jeden Moment kotzen müsste. Mein Kopf dröhnte, wie bei einem Kater. Dabei habe ich seit Samstag kein Alkohol mehr getrunken. Das waren wohl die Nebenwirkungen von meinem Anfall gestern. Schlimm genug, dass ich jeden Moment ein Anfall bekommen könnte, nein, es muss dann auch noch passieren, wenn ich bei ihm bin. Peinlich. Langsam weiß er aber schon, wie  man dabei reagiert. Ruhig bleiben, mich in den Arm nehmen und mich beruhigen. Anders als in der Schule, wo alle Panik geschoben haben und den Krankenwagen gerufen haben. Trotzdem habe ich es in diesem Moment gehasst. Wer will denn bitte die Kontrolle von seinem Körper verlieren? Meine Therapeutin meinte, dass sowas entsteht, wenn ich zu erschöpft bin, dass sich mein Gehirn ganz abschalten will. Als ich Zuhause war, hab ich dann also zuerst bis 23 Uhr geheult, bis ich dann eingeschlafen bin. Und heute morgen war dann das Ergebnis von diesem Drama. Ich habe meinen Bus fast verpasst, weil ich zu spät aufgestanden bin und 20 Minuten gebraucht habe um mich anzuziehen und meine Zähne zu putzen. Ungeschminkt und mit leerem Magen ging ich dann. Und vor der Klasse habe ich mich hingelegt und habe versucht, da weiter zu schlafen. Und weil es nach den ersten Stunden nicht besser wurde, bin ich nach der vierten einfach gegangen. Die Lehrer mussten mich nur ansehen um zu wissen, dass ich die Wahrheit sagte, dass es mir nicht gut gehen würde. Und jetzt sitze ich hier, Zuhause und habe heute noch ein Vorstellungsgespräch im Altenheim. Das war einer der Gründe, wieso ich auch eher gegangen bin, damit ich wenigsten beim Gespräch etwas besser aussehe als jetzt. Aber ich brauche diesen Job.Mir ist immer noch scheiße übel. Ich habe selbst mein Essen in der Schule aufgegessen. Und morgen bin ich bei Max, das kann ja was werden.

Strom.

Das Jahr ist bald rum und irgendwie denke ich mir jedes Jahr: Was zur Hölle war das?!

Bei meinem Führerschein sieht es langsam wenigstens besser aus. Als ich gestern da war, hab ich sogar ein Bogen bestanden. Der Fahrlehrer meinte, dass ich bald in die Prüfung gehen könnte. Ich weiß noch wie Svenii und ich da saßen und wir darüber lachen mussten, weil wir im Februar angefangen haben und wir schon fast Dezember hatten und wir nicht mal die Theorieprüfung bestanden haben. Meine Freunde sind echt goldwert. Svenii und Lea erinnern mich immer an die tollsten Momente, sei es in der Schule oder in der Freizeit. Sie erinnern mich an eine Zeit, wo alles noch normal war. Lea, Svenii und ich waren in der Schule immer zusammen. Ab und zu bin ich zu Max gegangen und ich war einfach glücklich. Das wir alle in einer Klasse saßen war das beste für mich. Wenn man nur zu Schule geht, um seine Liebsten zu sehen, dann hat man die Definition von Freundschaft. Ich habe nie fünfen geschrieben und Schmerzen haben nie mein Leben beeinflusst. Ich finde solche Erinnerungen immer wieder schön. Wo Noten meine einzigen Sorgen waren, wo ich noch gesund war und Max Mutter noch lebte. Lea merkt, wie sehr ich in mich hinein sinke, seit dem meine Krankheit immer tiefer in meinem Gehirn verankert ist. Immer schreibt sie mir und will Zeit mit mir verbringen. Sie ist echt eine beste Freundin. Und wenn ich traurig bin, versucht sie immer alles positiv zu reden. Ich kann echt froh sein, solche Freunde zu haben. Suyien fragt auch immer ob ich Zeit habe und hat mal aus Spaß gesagt „Ja du meldest dich ja sonst nie“. Das zu hören, tat mir schon etwas weh. Vernachlässige ich meine Freunde so sehr? Ich habe das Gefühl, dass nicht nur ich unter meiner Krankheit leide, sonder die ganzen Menschen um mich herum auch. Familie und Freunde. Mit meiner Mutter streite ich mich in letzter Zeit nur noch. Sie macht mich aggressiv wenn sie davon redet, was ich alles tun könnte, damit es mir besser geht. Ich weiß es doch selber. Aber sie sagt, sie sieht nicht, wie sehr ich mich bemühe. Mein Vater kann davon nicht viel mit reden, ich hab ihn seit zwei Tagen nicht mehr gesehen, weil er arbeiten ist. Und wenn wechseln wir nur ein zwei Worte miteinander. Seit meine große Schwester ausgezogen ist, hat sich einiges geändert. Ich bin einfach wütend. Aber das ist mein Kampf und keiner soll darunter leiden müssen, dass wurde für mich bestimmt.  Und ich werde lächeln, obwohl meine ganzen Knochen unter strom sind.

IchLiebeDich

Ich habe damals immer gedacht, dass Männer kein Herz haben. Ich frage mich, wie ein Mann eine vier jährige gegen die Wand pressen konnte und ihr ins Gesicht geschlagen hat, als wäre es gar nichts. Ich frage  mich, wie es ihn nicht interessiert hat, dass er mich gegen die Tür geschubst hat und meine Lippe platzte und das Blut einfach so runter floss. Er hat nur gesagt, ich soll das sauber machen. Alles was blieb, war die Narbe an meiner Lippe. Aber er hat mich nicht zerstört. Ich hatte zwar mehr Angst als andere Kinder, war aber als ich hier her zog, das glücklichste Kind überhaupt. Mit acht Jahren war mein Leben wunderschön. Ich habe auf den Straßen gespielt und habe gesehen, wie jedes Haus hier aufgebaut wurde. Ich bin mit meinem Hund immer durch die Mais Felder gerannt mit zehn und ich hatte alles was ich brauchte. Bis ich mit elf Jahren einen dummen Gedanken hatte. Wo ist mein Vater? Ich habe ihn gefunden. Eine elf Jährige, versessen darauf, ihren Vater zu finden hat eigenständig ihn in Amerika aufgespürt und zu ihm Kontakt aufgebaut. Es waren die schönsten zwei Wochen, die ich mit meinem Vater hatte. Wir haben jeden Tag geskypt und ich schrieb mit ihm immer im fünf Uhr morgens, weil es da bei ihm 23 Uhr war. Und dann ging ich zur Schule. Aber als alles raus kam, war er der erste Mann, der mir das Herz brach. So viele schreckliche Dinge musste ich mir von meiner Mutter anhören und ich merkte, wie alles in mir stück für stück zerbrach. Aber meine Mutter hat dabei so sehr geweint, dass ich völlig verstört war. An dem Tag habe ich meinen Hund geschnappt und bin raus gegangen. Ich bin gerannt, ins Mais Feld, habe mich hingekniet und geweint. Ich habe noch nie so laut geschrien. Wie kann jedes Wort von ihn eine einzige Lüge gewesen sein? Ab da wurde ich ganz anders. Und mit zwölf wollte ich mich dann umbringen. Alles war geplant. Als ich das Blut sah, war es fast so weit. Aber da hörte ich eine kleine Stimme die mich rief. Es war meine kleine Schwester, die damals fünf Jahre alt war. Und sofort kam mir ihr lächeln vor Augen, wie sie sich immer freute, wenn ich von der Schule kam. Ich konnte ihr das nicht antun. Und so hörte ich auf. Mir wurde aber alles egal. Meine Noten waren schlecht und son Typ wie Sven nutzte das alles aus. Dann empfand ich so viel Wut und Hass auf Männer, dass ich Sven nur noch Leiden sehen wollte. Männer sind grausame Wesen, dachte ich mir, als ich den plan schmiedete, Sven vor der ganzen Schule bloß zu stellen. Ich war da immer noch zwölf, fast dreizehn. Und ich hatte es geschafft. Alle lachten ihn aus und schlugen auf ihn ein. Er hat seine ganzen Freunde verloren und ich habe gelacht. Bis ich mich irgendwann darin verlor. Er hat es verdient. Und dann kam noch Nico, der mich ja so sehr geliebt hat. Mein Gott diese Jungs waren alle damals so naiv. Sahen die nicht, wie kaputt ich war? Ich meine ich habe einem Jungen gerade alles genommen und er hat deshalb die schule eher verlassen. ich war zu jedem Jungen eis kalt. Aber dann kam eine Flamme auf mich zu. Sie schenkte mir wärme, Licht und Geborgenheit. Das aller wichtigste aber: Liebe. Er war ein guter Junge und wollte mir helfen. Es hat lange gedauert, bis ich ihn an mich ran ließ. Aber er war es mir Wert. Max ist mein Retter gewesen. Er hatte mein Blut an seinen Händen und versprach mir, mich nie wieder zu verlassen. Ich habe ihn einmal gefragt, wieso er mich will, wo er doch so viele andere haben kann, die nicht so kaputt waren. Er schaute mir in die Augen und sagte: Weil mir die anderen egal sind und ich nur dich will. Kein Mann auf dieser Welt hat mich so glücklich gemacht. Wir haben uns mal auf den Boden gelegt und bis in die Nacht und über unsere Träume und Wünsche geredet. Ich war da vierzehn. Er war mein Held, diese roten Haare waren nicht der Teufel, es war das warme Licht. Ich danke dir Max, du hast dafür gesorgt, dass ich das gute in Menschen sehe. Ich würde alles für dich tun, du hast mich gerettet. Und nur wegen dir, weiß ich was Liebe ist. IchLiebeDich.

Ein Traum?

Ich habe von einem Kind geträumt. Ich kannte dieses Kind nicht, jedenfalls am Anfang nicht. Das Kind war ein kleiner Junge mit blauen Augen und blondem Haar. Er hatte einige Sommersprossen am ganzen Körper und seine Hände waren ganz klein. Ich glaube er war da drei oder so. Ich habe Tage in meinen Traum gelebt mit diesem kleinen. Ich war allein. Bis es irgendwann seine Arm zu mir ausstreckte und mich Mama nannte. Ich nahm das Kind automatisch auf meinen Arm, sagte, dass ich es immer beschützen würde. Keine Spur vom Vater. Ich war alleine mit diesem Jungen, der mein Sohn sein sollte. Alles ganz schön komisch, wenn man von sowas träumt. Als ich aufgewacht bin, war ich ziemlich verwirrt. Träume sind echt gruselig. Einmal habe ich von jemanden geträumt den ich noch nie gesehen habe und zack, stand er eines Tages vor mir. Dieser Moment war krass. Warum träumt man solche sachen? Sind es Vorahnungen? Das würde ja super passen, dass ich ein Kind allein groß ziehen würde. Dann würde sich meine Geschichte wiederholen. Und mein armes Kind hat den schmerz ganz tief in sich drin, nie einen  Vater zu haben und sich weniger Wert zu fühlen. Wenn das meine Zukunft sein sollte, habe ich was falsch gemacht. Komme auf diesen Traum nicht klar.

Freundschaft

Die Familie kann man sich nicht aussuchen, die Freunde aber schon. Und dann werden die richtigen Freunde, auch ein Teil deiner Familie. Jeder meiner Freunde hat gute und schlechte Eigenschaften. Meine beste Freundin zum Beispiel. Sie hört mir immer zu und wir haben uns wirklich noch nie gestritten. Aber verdammt, sie ist der unpünktlichste Mensch den ich kenne. Ich habe mich schon so oft darüber aufgeregt und bin damals nur wegen ihr immer zu spät in den WP1 Kurs gestürmt, weil ich sie vor der Schule immer abgeholt habe und sie ewig brauchte. Ich höre die Stimmen meiner Klassenkameraden immer noch, wie sie damals alle  zusammen immer „Zu späääääät“ gerufen haben und ich mich hinsetzte und mir dachte „Nur wegen dir Lea“.  Aber ich wollte nie ohne sie fahren. Mein bester Freund ist irre lustig. Man kann ihm alles anvertrauen und er verurteilt mich nie. Aber das er fast bei jedem Weib denkt, dass er verliebt ist , geht mir ganz schön auf die nerven. Wie oft habe ich ihn die Meinung gegeigt um ihn zu beschützen, dass er sich nicht in irgendwas verrennt. Und dann hinterfragt er alles, was man sagt. Aber verdammt, ich würde für die beiden sterben. Nicht nur für die beiden. Für alle  meine Freunde. Sie sind nämlich meine Familie geworden. Und es ist schwer, ehrliche Freunde zu finden. Wo ein „wie geht es dir?“ nicht nur eine begrüßungs Form ist, sonder weil man wirklich wissen will, wie es einem geht. Natürlich erzähle ich nicht allen meinen Freunden meine Geheimnisse. Ihm habe ich auch nicht alles erzählt, aber er weiß viel von mir. Und er hat mir auch vieles anvertraut.  Für ihn würde ich auch sterben. Aber es gibt gerade einen Freund, um den ich mir am meisten sorgen mache. Ja, Max. Er hat mir vor zwei Tagen erzählt, dass sein Vater Krebs hat. Ich war so sauer, dass ist alles so unfair. Er hat doch seine Mutter vor zwei Jahren an Krebs verloren und jetzt auch noch sein Vater? Er wäre ein weisen Kind. Das hat er nicht verdient. Und warum haben die alle Krebs? Wegen dem RAUCHEN. Ich will das meinen Kinder nicht antun müssen, zu sterben, wo sie mich doch am meisten brauchen, nur weil ich Lungenkrebs habe. Ich wäre sofort zu Max gerannt aber leider wohnt er nicht neben an. Ich will nicht wissen, was mit ihm passiert, wenn auch noch sein Vater Tod ist. Er war damals so ein glücklicher Junge und er ist gerade dabei, alles zu verlieren. Ich werde da sein Max. Ich werde deine Hand halten, wenn es so weit gekommen ist. „Freunde für immer“ sagten wir uns mit 14.

An meine Eltern

Du bist gerade in mein Zimmer gekommen Mama und hast gefragt, was ich mache. Das ich ein Blog habe ist einer der vielen Dinge, die du nicht über mich weißt. Du kennst mich, ich bin deine Tochter. Aber jeder hat seine Geheimnisse. Ich habe meinen Blog schon drei Jahre. Dort schreibe ich immer meine Gedanken und Gefühle auf, weil ich sie nie so wirklich ausdrücken kann. Ich weiß auch nicht, wieso ich mich euch nicht so öffnen kann. Man soll mit den Eltern doch alles reden können oder nicht? Ihr kennt mich Zuhause, als das Stille Mädchen, was nie wirklich etwas erzählt. Bei meinen Freunden bin ich die lauteste. Die verrückteste. Die, die immer so viel zu erzählen hat, weil bei ihr immer so vieles passiert. Vielleicht erzähle ich euch nicht so viel, weil ich leider von klein auf mich meiner Angst stellen musste, jeden Tag. Die Angst hat so viel Macht über meinen Körper. Als ich dich kennenlernte Papa, hatte ich Angst vor dir. Ich wollte nie mit dir alleine sein. Ich wollte, dass du gehst. Weißt du noch Mama, als du Roland endlich raus geworfen hast und er nur zwei Wohnungen weiter von uns entfernt war? Das war mein Schulweg. Ich bin morgens immer daran vorbei gerannt. Und zurück bin ich immer durch die Schrebergärten gelaufen. Manchmal hast du mich sogar angemeckert, dass ich so spät zuhause sei. Dabei bin ich immer ein Umweg gelaufen, aus lauter Angst. Das wusstest du wahrscheinlich nie. Wie gesagt, du kennst mich, aber du weißt viele Dinge nicht. Als ich das erste mal mit Papa alleine war, war ich krank. Ich hatte Magendarm und du warst arbeiten. Er war in unserem Zimmer am Computer und ich lag im Bett. Ganz still war ich und habe versucht, so leise wie möglich zu atmen. Aber als ich zur Toilette musste, wollte ich mich leise raus schleichen. Roland hat nämlich alles an mir kritisiert. Wie ich laufe, wie ich esse, ja sogar wie ich mir die Hände waschte. Und machte ich es einmal nicht so, wie er es wollte, zack, lag ich auf dem Boden. Papa hat gemerkt, dass ich raus wollte. Er fragte mich, wieso ich mich raus schleiche, es sei doch total normal, dass ich zur Toilette musste, wenn ich krank bin. Ich sagte nichts und ging ganz schnell aufs Klo. Mein Herz raste und ich habe gehofft, das du nach Hause kommst. Er hat sich wirklich immer so viel Mühe gegeben, mein Vertrauen zu gewinnen. Jetzt kommen mir wieder die Tränen. Er hat mir so vieles beigebracht und sich um mich gekümmert. Und als Emely da war und Papa immer mit ihr Spazieren gehen wollte, bin ich mit gegangen. Aber nicht wegen Papa. Ich hatte Angst. Angst, dass er Emely etwas antut. Ich wollte sie beschützen, eine Siebenjähre hatte solche Gedanken. Das alles nur wegen der Angst. Obwohl Papa doch so ein guter Mensch ist. Nach einer Zeit ging es. Und als ich zehn war und Emely drei, haben wir viel auf dem Heuboden gespielt. Wir haben immer eine Heuschlacht gemacht. Einmal habe ich aber nicht aufgepasst und Emely bekam Staub ins Auge und fing an zu weinen. Du warst in der Nähe Papa und hast gefragt, was passiert ist. Ich hab versucht es dir zu erklären und wollte Emelys Hand nehmen aber du wolltest mich zur Seite schieben..und hast mich dann ausversehen geschubst und ich viel hin. Sofort bekam ich Angst und selbst deine geschockten Augen und dein „Es tut mir leid“ kam nicht bei mir an und ich rannte weg. Ich habe dann geweint, weil ich etwas falsch gemacht habe und auf dem Boden lag, wie Roland es früher gemacht hat. Es sind diese Kleinigkeiten, die ihr nie wusstet. Kleinigkeiten, die mich geformt haben. Du konntest nichts dafür Papa, du wusstest nicht, dass ich danach noch mehr Angst hatte, was falsches zu tun. Das speicherte sich alles  bei mir ab. Aber je älter ich wurde, desto mehr ging das in den Hintergrund. Ihr habt nichts falsch gemacht, dass alles ist nicht eure Schuld. Du hast für uns gekämpft Mama, in Zeiten, wo wir nur uns drei hatten.  Und Papa, du kamst leider zu spät um mir all die schönen Dinge zu erzählen, denn bei mir war schon was verankert. Ich hatte immer das Gefühl, ein Problem Kind zu sein. Es lag nicht an euch. Ich wollte auch so gut sein, wie Michela, sie war schon immer mein Vorbild gewesen. Ich hatte das Gefühl, dass alle in meiner Klasse immer besser waren als ich. Woher kam denn diese Unzufriedenheit? Wieso habe ich mich immer so hart beurteilt? Das weiß ich selber  nicht, es war einfach wie eingespeichert. Und zu meinem Pech wurde ich auch noch krank. Chronische Schmerzen zu haben, sind nicht einfach nur Schmerzen. Ich stehe morgens auf und fühle mich, als hätte ich Fieber. So schlapp und müde aufzustehen will niemand. Die meisten bleiben ja dann mit Fieber im Bett liegen. Leider darf ich das nicht. Ich stehe aber immer später auf, ich hab schon oft deswegen fast den Bus verpasst. Ich erinnere mich an das Mädchen, die perfekt immer alles organisiert hat und immer pünktlich für die Schule aufgestanden ist. Es macht mich traurig, dass sie plötzlich so weit entfernt scheint.  Ich fühle mich einfach dauerkrank. Noch dazu kommen die Schmerzen, die hin und her von Körperteil zu Körperteil wandern, als ob es Leben würde. Ich kämpfe mit meinem eigenem Gehirn. Mein Schmerz ist so unterschiedlich, es fühlt sich immer anders an. Manchmal wie ein blauer Fleck, dann wie Feuer aber ganz oft wie Strom. Es ist ein ekelhaftiges Gefühl, wenn der Strom durch deine Knochen hin und her wandert. Ihr tut mir leid, Mama und Papa. Mama, du kannst mir nicht helfen und das ist das schlimmste, was einer Mutter passieren kann, meintest du. Wenn dein eigenes Kind leidet und man nur zusehen kann. Ich kann nicht sterben Mama, Gott will nicht, das ich sterbe. Ja und ich stehe nur für euch auf. Wie oft wollte ich im Bett liegen bleiben, weil mich meine Schmerzen die ganze Nacht wacht gehalten haben. Und ich gehe trotzdem zur Schule. Mein Gesicht ist manchmal so blass, dass meine Freunde sagen, ich sehe aus wie der Tod. Ja, so fühle ich mich oft. Aber ich lächel dich immer an Mutter. Ich bleibe stark, ich bin dein Kind. Deine Stärke fließt durch meinen Adern. Ich werde eines Tages genau  stark sein für meine Kinder. Du würdest für mich sterben Mama. Ich würde auch für dich sterben. Für jeden von euch in meiner Familie. Emely, es tut mir leid, dass du mich oft  sehen musstest. Du kamst manchmal einfach in mein Zimmer und hast mich weinen gesehen. Auch wo ich meine Anfälle hatte, habe ich deine Angst in deinen Augen gesehen. Manchmal hast du mir sogar geholfen. Als ich geweint habe, hast du dich neben mich gesetzt und hast mir ein Taschentuch gegeben und mich ganz doll umarmt. Es tut mir leid Emely, ich bin die große, ich muss auf dich aufpassen, nicht umgekehrt. Ich bin stolz auf dich. Papa, ich weiß wir hatten nicht immer so ein guten draht zueinander. Das war nicht fair von mir.  Du hast mir das Uhrenlesen beigebracht mit fünf. Du hast mich abends immer ins Bett gebracht in Bochum. Du hast mir eine kleine Schwester geschenkt und dieses Leben hier. Du warst mit mir bei so vielen Ärzten um heraus zu finden was ich habe. Du gehst jeden Tag raus und kämpfst mit deinem Leben, nur damit wir in ruhe schlafen können. Ich denke viel darüber nach wie meine Krankheit entstanden sein konnte. Ich hatte nie wirklich einen Unfall, der meine ganz Körper Schmerzen ausgelöst haben kann. Aber mir den Kopf zu zerbrechen macht die Sache nun auch nicht besser. Meine Freunde haben es nicht leicht mit mir in letzter Zeit. Ich hab mich gestern aufgerafft, mich mit meiner besten Freundin wieder zu treffen. Ich melde mich nie bei ihr, was mir auch leid tut. Obwohl ich sie über alles liebe. Svenii hab ich schon lange nicht mehr gesehen, drei Monate oder so. Bei Martin melde ich mich auch nie, obwohl er mein bester Freund ist. Aber ich bin zu müde, um meine ganzen storys zu erzählen und zu müde, um mir seine anzuhören.Ich war damals ein echt guter zuhörer. Aber mitlerweile kann ich nicht mal mehr richtig zuhören, wenn man direkt mit mir spricht. Das ich nicht mal absicht. Es tut mir leid. Ich bin selber zu ihm richtig kacke. Ich sage dinge, ohne darüber nachzudenken. Max hat mich für diese Eigenschaft geliebt. Ich hab nie groß drum herum geredet, sondern war knall hart. Bei ihm bin ich wohl zu knall hart.  Ich weiß auch nicht wieso. Als ich letzte Woche bei ihm war und er raus gegangen ist, habe ich von seiner Schwester einiges erfahren und es hat mich etwas stutzig gemacht. Er hätte wohl ein alkohol Problem. Da tat er mir leid und ich wollte eigentlich zu ihm und ihn umarmen aber ich blieb wie angewurzelt sitzen. Obwohl wir nicht zusammen sind und das wahrscheinlich auch nie passieren wird, bin ich mitten in seiner Familie drin und die reden so mit mir, als ob ich zur Familie gehöre. Seine Schwester hat mich schon immer gemocht, meinte sie. Sie hat mir mal gesagt, wie froh sie ist, dass er mich kennengelernt hat.  Wir haben uns glaube ich im Juni für zwei Stunden getroffen, als er arbeiten war. Er weiß nichts davon, er musste auch nicht wissen, wie sehr wir uns wirklich verstanden. Sie hat mir so viel von seiner Vergangenheit erzählt, so viele Dinge wo ich mich gefragt habe: Und was soll ich jetzt machen? Sie hat wahrscheinlich gehofft, dass ich ihn zu irgendwas bewege. Hab ich das? Ich denke nicht so wirklich. Und obwohl ich alles über seine Vergangenheit weiß, bin ich trotzdem bei ihm geblieben. Ich war für ihn da und er für mich. Mama, du hasst ihn aber du kennst ihn nicht so wie ich. Er hat schon so vieles für mich getan und mich so oft zum lachen gebracht. Er hat ein gutes Herz und ich werde immer hinter ihm stehen. Als Freunde.

Heute gehe ich auf einen Geburtstag. Aber mir geht es gerade richtig scheiße. Abzusagen wäre echt scheiße, ich will meine Freundin nicht enttäuschen, die sich so darüber gefreut hat. So, einfach mein lächeln auf setzten, mich nach Wochen wieder schminken, damit ich nicht wie de Tod aussehe, was hübsches anziehen und fertig. Ich schaff das schon. Ich muss.

Alltag

Ich finde den Anfang der Woche immer ganz schwierig. Kenn ihr das, wenn ich nach einer Feier mit zu viel Alkohol aufwacht und man sich einfach total scheiße fühlt?  So viele ich mich jeden Morgen. Im Bett liegen bleiben is aber nicht. Man muss aufstehen und da raus gehen. Mit einem dröhnenden Kopf, einem blassen Gesicht und nebenbei wird einem noch scheiße übel. Mein Morgen. Jeden Tag. Ich konnte wieder niemandem zu hören und war Geistig gar nicht anwesend. In Mathe fing meine linke Hand auf zu geben und versetzte sich in eine Starre. Ich konnte einfach mein Stift nicht mehr halten. Dann kam mein ganzer Arm hinterher. Will mein Körper mich eigentlich verarschen? Meine linker Arm wurde eiskalt und blau lila. Tja, bei meinem Glück ist er jedenfalls nicht abgefallen. Dann wurde mir richtig heiß und ich sah nur noch Umrisse. Nochmal kippe ich nicht um, dachte ich und stand auf. Den Mathe Lehrer hat das gar nicht mal gemerkt, dass ich wieder kurz vorm zusammenklappen war.  Ich ging durch meine Reihe und stolperte fast auf den Boden. Meine Beine zitterten, werten sich, weiter zu laufen. Mein linker Arm hang einfach nur noch neben mir. Ich hörte die Stimmen meiner Klassenkameraden, je mehr mich das Licht holte. Aber ich riss mit aller kraft mit meiner rechten Hand die Tür auf nach draußen und der kalte Wind befreite mich. Meine Sehkraft kam wieder und ich konnte wieder normal sehen. Die frische Luft tat mir so gut aber mein linker arm wollte sich immer noch nicht bewegen. Viele fragten mich, ob es mir gut geht und meine Freundin war so süß und hat sich so gut um mich gekümmert. Ein Freund von mir dagegen, war wie jeder andere. „Geh doch nach Hause, wenn es dir nicht so gut geht“. Dieser Satz machte mich so wütend, dass ich ihn angeschrien habe.  Normale Menschen haben doch keine Ahnung wie sehr ich kämpfe und mir wünschte, gar nicht mehr mein Bett zu verlassen. Als ich zuhause war, klagte meine Mutter über Rückenschmerzen, wie sehr ihr das weh tut und es nach Tabletten einfach nicht besser wurde. Als ich sie einschmiere musste am Rücken musste ich es einfach raus lassen. „Stell dir vor, du hast diese Schmerzen jeden Tag und es gibt garichts, was es besser machen würde“. Sie sagte: Das wäre schrecklich, so würde ich nicht leben wollen“. Zack, meine Mutter jammert wegen jedem scheiß, also von ihr hab ich es jedenfalls nicht, oder? Sage ich jeden Tag zu meinen Mitmenschen, was ich für schmerzen habe und wie schlimm die sind? Nein, ich lächel sie an. ,,Genau so fühle ich mich jeden Tag“ antworte ich ihr und verließ schweigend das Zimmer. Menschen die sagen, sie haben Kopfschmerzen, alles ist scheiße und ihr Tag war ja so anstrengend , mit den will ich mal ein Tag tauschen. Aber bei mir kommt so viel auf einmal, ich weiß gar nicht mehr, auf was ich reagieren soll. Der Typ mit dem ich gestern dieses Date hatte, wollte sich heute wieder mit mir treffen. Mit diesem Zustand? Aähm, nein? Und dann wollte er noch telefonieren. Was soll das? Er nennt mich schon Prinzessin obwohl wir uns nur einmal getroffen haben. Ich glaube, er ist etwas anhänglich und gerade jetzt nervt mich das. Und der will mir einfach so Geld geben! Wir treffen uns Mittwoch und da hat er eiskalt gefragt, ob ich Geld brauche. Natürlich brauche ich Geld aber ich hasse es zu schnorren. Und überhaupt ist das mega unhöflich. Der wollte mir eiskalt ein 50 Euro schein geben! Ich habe auf 20 reduziert, so viel Geld will man doch nicht annehmen. Will er mich etwa kaufen? Dieser Typ ist komisch. Und überhaupt macht er mir mindestens 10 mal am Tag ein kompliment. Das ist viel zu viel, ich will doch nicht, dass mich ein Typ vergöttert und mir am Arsch hängt. Jemanden den ich beleidigen kann und er mir ein konter gibt und wir beide fangen an zu lassen, ist viel schöner. In der dunkelheit betrunken durch die Stadt zu laufen mit dem richtigen Menschen ist viel schöner, als Geld zu bekommen. Es sind diese Momente, die Menschen näher bringt. Noch dazu hasst er raucher. Er hat sie „nichtsnutzen“ genannt. Sofort wurde ich pissig und sagte, man sollte keine Menschen sofort verurteilen, nur weil sie etwas tun, was man nicht mag. Dabei habe ich nur für einen Menschen gesprochen. Gruselig, dass ich ihn schon unbewusst in Schutz nehme. Auch wenn ich mega wütend auf ihn wäre, würde ich ihn bei anderen immer verteidigen. Ich mag ihn einfach immer noch. Natürlich. Mit ihm die Zeit zu vertreiben ist wesentlich entspannter.

Gegen meinen Willen

Ich bin gerade vom Date wieder zurück gekommen. Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll. Kennt ihr dass, wenn ihr einen Menschen das erste mal sieht und man entweder den drang hat, noch mehr von ihm sehen zu wollen oder den drang hat, ganz weit weg zu laufen? Ich habe beides. Der Typ ist begeistert von mir, was mich nicht besonders gewundert hat. Es klingt zwar eingebildet aber alle Typen die ich kennenlerne, wollen entweder mehr oder finden mich cool und bin mit den gut befreundet. Dieses mittelding hasse ich ja total. Deshalb  habe ich auch nicht mit jedem Typen der was von mir wollte mit dem geschlafen, dann wäre die Liste lang. Ich habe auf der Autofahrt daran gedacht, was dieser Typ eigentlich alles hat. Alles was man braucht. Warum war ich dann nicht so glücklich? Ich habe kurz an ihn gedacht und mich gefragt, ob er auch die letzten Tage an mich gedacht hat. Wahrscheinlich hat er sich auch schon andere bitches geklärt und ich bin für ihn nur noch Vergangenheit. Eine Sache mehr, die mich dazu veranlasst diesem Typen eine chance zu geben. Wenn er ohne mich leben will dann muss ich lernen, mich mit dem Gedanken an zu freunden, dass mich bald jemand anderes anfässt. Obwohl ich ihn immer noch liebe muss ich lernen, ihn los zu lassen. Obwohl ich immer zu ihm rennen würde und diesen kaputten Jungen einfach in den Arm nehmen könnte, kann ich das bald nicht mehr. Ich hoffe er verzeiht mir, dass ich bald nicht mehr zu ihm rennen werde oder ihn auf die Stirn küsse und sage, dass alles gut wird. Er wollte es so, ich muss nur damit leben.

Glücklich?

Ich vermisse ihn. Ich weiß nicht, wieso er mir so wichtig ist. Wieso geht er nicht aus meinem Schädel raus? Ein Freund von mir auf der Klasse ist nicht gerade die große Hilfe. Er reden nur von ihm, wie soll ich mich dann auf jemand anderen konzentrieren? Der Typ der mich Daten will am Sonntag hat eigentlich alle, was meine Mutter sich für mich wünscht. Er hat ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern, ein guten Job und ist auch noch gut aussehend. Das er mich ausführen möchte, ins teure Extrablatt und mich noch mit seinem teurem Audi abholt davon war meine Mutter begeistert. Ich habe auch versucht, mich zu freuen. Ein Mann, der mal sein Leben auf die reihe bekommt, aufmerksam ist und mich einfach anruft, um meine Stimme zu hören. Ich sollte eigentlich glücklich sein. Wieso bin ich es dann nicht? Irgendwie glaube ich, dass er immer noch tief in meinem Herzen ist. Ich habe mit ihm so viel erlebt, sowohl gute als auch schlechte Momente. Ich würde ihn wählen , immer. Aber leider muss ich diesen anderen Weg nehmen, ohne ihn. Ich will neben ihm liegen und seine Hand halten. Wenigstens nur noch ein mal, dann bin ich glücklich.

Wechsel

Ich habe heute von meinem Vater geträumt, ja, von meinem leiblichen. Ich war da ganz klein, 3 Jahre  oder so und habe mich selber gesehen auf einer Schaukel, mein Dad hat mich angeschubst. Er hat mir die Sterne gezeigt und über den Himmel gesprochen. Alles auf polnisch. Er meinte, dass diese Sterne Engel seien die nur darauf warten, einem Menschen zu helfen und im Schlaf über dich wachen. Selbst mein dreijähriges Ich hat auf polnisch geantwortet. Ich habe fast vergessen, dass es meine erste Sprache war, die ich konnte. Es tat gut ihn zu sehen. Alle sagen, er sei ein schlechter Mensch. Dabei habe ich doch gesehen, wie er mich gehalten hat und mich ins Bett getragen hat. Ich habe in dieser Nacht, noch nie so gut geschlafen, das ist schon ewig her gewesen. Ich habe den ganzen Tag über diesen Traum nachgedacht. Wieso träume ich von ihm? Ich kann mich sogar an den Ort erinnern, wir waren da im Urlaub gewesen. Ich habe heute erfahren, wo mein Vater im Gefängnis sahs. Das ich nur 23 km von meiner Stadt entfernt. Krass wie nah die Vergangenheit meines Vater hier bei mir ist. Das mit meinem Vater, geht mir schon sehr nah. Manchmal hasse ich ihn, für das was er getan hat und manchmal fange ich an zu weinen, weil ich ihn vermisse. Ein Kampf ist das in mir. Ich überlege ihn schon zu Kontaktieren, aber ich will nicht enttäuscht werden. Er ist ein krimineller, rauchender, Tätowierter Mann aber scheiße, ich bin sein Fleisch und Blut. Meine Mutter wollte mich immer nach ihr formen, damit ich ja nicht so werde wie mein Vater. Ich kann nicht fassen, dass sie einfach ein Teil von mir vertuschen wollte. In der Stadt bin ich die Tochter eines Polizisten. In Wahrheit die Tochter eines Kriminellen. Ich trage seinen Namen und bin ein Teil von ihm. Die Sprüche meiner Mutter, gehen mir auch auf die nerven ,,Das hast du nicht von mir“, schön! Ich bin nicht du Mama! In mir ist noch eine andere Seite, die du immer unterdrücken wolltest! Ich bin scheiße wütend und ich weiß nicht mal wieso! Ich habe chronische Schmerzen und keiner weiß so recht, woher das kommt! Normalerweise entsteht chronischer Schmerz durch akut Schmerz. Der war bei mir nie vorhanden. Ich spüre diese innere Unruhe und habe den drang, irgendwas kaputt zu machen. Es ist genau so wie bei ihm. Wenn einer schlecht über ihn redet, verteidige ich ihn sofort, weil ich weiß, dass er kein schlechter Mensch ist. Meine Mutter redet von meinem Vater so schlecht, dass ich glaube, dass es gar nicht so wahr ist. Sie redet über ihn auch schlecht und ich motz sie an, dass sie in meiner Gegenwart, nicht so über ihn sprechen soll und ihn in Ruhe lassen soll. Seit dem ich sie mal richtig zur sau gemacht habe deswegen, lässt sie ihn auch in Ruhe. Wenigstens etwas. Aber durch den ganzen Stress deswegen, ist mir etwas klar geworden. Mein Vater muss nicht so schlecht sein, wie sie es empfindet. Vielleicht sieht alles ganz anders aus. Ich muss die Antwort wissen, solange er lebt. Wer weiß, wie es in Amerika  aussieht.

Ein schlechter Mensch?

Bin ich ein schlechter Mensch? Manchmal frage ich mich, ob in mir auch diese Kriminellen Gene stecken von meinem Vater. Es ist blöd zu spekulieren, wenn ich doch nicht wirklich etwas weiß. Ich bin 17.  Was weiß ich schon vom Leben? Menschen kommen und gehen. Geld hier, Geld da.  Man muss Wählen zwischen gut und böse.  Ganz einfach, nicht wahr? Meine Eltern wissen ja, wer gut und wer böse ist. Auf die sollte ich hören. Ob mein Stiefvater schon alles über ihn weiß? Bestimmt hat er davon gehört, aber gefragt habe ich ihn nicht. Ich versuche, mich da so weit es raus zu halten.  Ich habe damit abgeschlossen. Kein hin und her, keine unnötigen Streitereien. Ich werde etwas kühler sein, aber besser so, als mein Herz zu verlieren. Ich habe genug Probleme und er auch. Machen wir uns doch nicht gegenseitig zum Problem. Ich kann nicht schlafe, obwohl wir fast zwei Uhr morgens haben. Mir tut alles einfach wieder weh, ich hasse es. Ich kann nicht mal schlafen. Ich bin nicht so ein Mensch, der gerne im Mittelpunkt steht oder gerne jammert. Deshalb habe ich das hier. Alles aufzuschreiben hilft mir, mich selber zu verstehen. Wie lange habe ich diesen Blog eigentlich schon? Seit dem ich 14 bin, krass. Wenn ich mir die scheiße durchlese, die ich vor drei Jahren geschrieben habe, könnte ich meinem früherem Ich gerne mal in die Fresse schlagen. Da hat man gemerkt, dass es mir gut ging. Ich habe mich aufgeregt, dass ich in der Schule in der zweiten Reihe sitzen musste! Was ein Weltuntergang! Und jetzt beschwere ich mich über Chronische Schmerzen. Ist ja fast das selbe. Ich frage mich, wie Max es mit mir ausgehalten hat, wenn ich auf jede Kleinigkeit geachtet habe. Man tut er mir jetzt leid. Naja, er hat mich wohl echt geliebt. Wieso habe ich ihn verlassen? Ach ja, da war ja was. Er gehört jetzt auch zu den Leuten, die  ihrer Freizeit sich die Birne weg kiffen und rauchen. Dabei weiß ich noch, wie er solche Menschen abstoßend fand. Es tat echt weh, ihn zu Grunde gehen zu sehen. Was denkst du dazu Moni? Du liebst deinen Sohn bestimmt immer noch, auch wenn er jetzt seit dem du Weg bist, viele Fehler gemacht hat. Ich denke manchmal auch an dich. Immer wenn ich eine Kerze in der Kirche anzünde, dann sehe ich ich dich vor meinen Augen. Dein Sohn vermisst dich, ich hoffe, Gott beschützt dich.  Leider konnte ich deinen Sohn nicht retten, ich habe ihn aber gerne geliebt. Ich hoffe, du konntest es von da oben auch sehen. Ich hoffe, dein Sohn findet eines Tages wieder eine neue Liebe, ich wünsche ihm nur das beste. Menschen die kiffen, sind keine schlechten oder dumme Menschen. Ich bin total dagegen..weil ich meine erste Liebe dadurch verloren habe. Ja Max, ich meine dich. Ich habe dir in die Augen gesehen und sah nur noch diesen rausch in deinen Augen, diese Leere, diese Dunkelheit. Was ich am kiffen besonders hasse? Das einem alles egal wird. Ja Max, ich habe dich zur Schule immer geweckt, weil du nicht mehr hingehen wolltest. Das kiffen hat deine Gefühle zu mir getäubt. Du meintest, du weiß nicht mehr, ob du mich liebst. Und zack mach ich was mit jemand andere, schon kommst du angerannt und willst das beschützen, was dir gehört. Ich konnte das nicht mehr, es tut mir leid. Und als du mich verloren hast, bist du vor mir auf die Knie gegangen. Du hast geweint. Ich auch..aber erst, als du gegangen  bist. Ja das ist schon über ein Jahr her.  Und in der Zeit ist so viel passiert. Yeah, krank sein ist super! Scheiß Noten bekommen auch! Die Eltern enttäuschen noch mehr!  Ich hoffe, ich  enttäusche Gott nicht. Ich bin ehrlich in der Liebe, Loyal zu meinen Freunden und gutmütig zu Menschen. Ich will Menschen helfen. Meine Familie ist mir heilig und ich kämpfe für sie. Ich habe gelernt, Mensche nicht sofort  zu verurteilen, dazu hat er beigetragen, danke, wirklich. Natürlich habe ich auch Fehler gemacht, ich bin ja nicht perfekt. Aber krank zu werden, war nie mein Ziel. Ich rauche nicht, ich trinke nicht viel und ich ernähre mich gesund. Wieso lässt du mich dann leiden Gott. Was habe ich im Leben falsch gemacht? Bin ich in deine Augen kein guter Mensch?

Müde.

Kenn ihr das, wenn man an alles zweifelt? Das habe ich in den letzten Tagen sehr oft erleben müssen. Ich weiß auch nicht, aber ich bin müde.  Seit Sonntag sind meine Schmerzen schlimmer geworden. Uns wurde zwar gesagt, dass wir nicht daran denken sollen aber scheiße, dass macht mich aus. Es ist alles so unglaublich schwer für mich zur Zeit. Ich muss mich um so viele Kleinigkeiten bemühen. Ich habe ihn verletzt. Das war nicht mal meine Absicht. Ich wollte nie, dass er es sieht. Ich meine, dass ich krank bin. Aber die normalen Menschen, haben für unsere Krankheit nur kurz ein Auge darauf. Nach einer Woche, haben sie es fast schon wieder vergessen und motzen rum, wenn wir schlecht drauf sind. Ich will nicht jammern, sie kennen diese Schmerzen nicht. Und kein Mensch der Welt sollte so etwas empfinden. Ich habe jetzt wirklich überall Schmerzen. Das hat sich alles weiter ausgeprägt. Ich hab jetzt sogar Chronische Bauchschmerzen, nice. Warum Gott? Warum ich? Was habe ich falsches getan? Du bestrafst mich, in dem  mir eine unheilbare Krankheit gibst und an die mein Körper nicht sterben kann. Wieso? Ich will nichts besonderes sein. Ich will nicht in meinem Zimmer hocken und alleine sein. Ich will nicht so wenig kraft haben. Ich bin müde Gott. Ich kämpfe doch jeden Tag, um ein guter Mensch zu sein. Ich sterbe jeden Tag in mir. Ich weine mich Nachts in den Schlaf, weil ich nicht liegen kann. Ich kann nicht mehr feiern gehen, ohne total abwesend zu sein. Ich werde mir immer fremder. Und besonders tut es mir weh, wie ich die Menschen um mich herum behandel. Meine Schwester schmeiße ich immer aus meinem Zimmer, weil ich alleine sein will. Mit meinen Freunden treffe ich mich kaum noch, melden tue ich mich fast nie bei ihnen. Und ihm..ich würde ihm gerne so vieles sagen. Ich würde ihm sagen, dass ich ihn brauche. So eine Umarmung, als ich diesen Anfall hatte. Er tut mir gut. Aber ich habe es vergeigt. Ich war  gemein zu ihm, so will ich gar nicht sein. Er ist mir doch so wichtig. Wieso guter Gott, wieso hast du dich nicht einfach entschieden, mich zu töten? Anstatt mir eine Krankheit zu geben, hättest du mich einfach vor ein Auto werfen können. Aber du willst nicht, dass ich sterbe. Wieso willst du dann, das ich leide?

Endgültig

Langsam merke ich, was ich wirklich will. Das ich ihn kennengelernt haben sollte mir glaube ich etwas wichtiges zeigen: Wer ich bin. Und ich will nicht so sein, wie ich es jetzt bin. Mit jemandem zu schlafen, war mir schon immer wichtig gewesen. Das hört sich falsch an. Anders formulieren. Ich habe nur mit zwei Typen in meinen 17 Jahren geschlafen. Und ich hätte die Zahl vergrößern können. Ohne eingebildet zu klingen aber, die meisten Jungs sind ziemliche Arschlöcher und wollten mich nur ins Bett bekommen. Das Problem ist, dass sie es immer noch wollen. Warum sag ich nein? Weil ich nur mit jemanden schlafe, für den ich etwas empfinde. Wenn es nicht da ist, warum sollte ich mich dann nackt zeigen? Ich sehe den Sinn dahinter nicht.  Max und ich waren zwei Jahre zusammen und so eine wunderschöne Liebe, so viele schöne Erfahrungen, nehme ich mit ins Leben. Und ich bin stolz darauf, für das was ich denke! Sex ohne Liebe ist bullshit. Kiffen ist das dümmste, was ein Mensch machen kann. Zu saufen, weil man dann total betrunken ist und sich Filmrisse einfangen will, ist zum kotzen. So denke ich. Wieso zum fick mag ich ihn dann so sehr?! Er ist die Sorte Typ, die ich damals richtig scheiße fand! Das habe ich gestern zum ersten mal richtig gemerkt. Wir sind so verdammt unterschiedlich, diese tolle „Freundschaft“ gab es nie. Nein, von Anfang an war da was zwischen uns. ER hat angefangen mich zu küssen! Ganz am Anfang hat ER gesagt, er sei in mich verliebt! Dieser Typ macht mich so sauer! Und nein, diesmal meine ich es ernst. Ich werde den Kontakt nicht mehr stand halten, wenn er sich nicht mal bereiterklärt, vernünftig mit mir zu reden! Ich habe so oft nachgelassen. Bin so oft eingeknickt und habe mich um ihn gesorgt. Ich wollte so oft mit ihm normal über alles reden! Ihn hat das alles kalt gelassen. Jetzt bin ich diejenige , die das kalt lässt. Er kann mir noch so oft schreiben, mich so oft besoffen anrufen, ich werde nicht einknicken, bis er sein scheiß Schädel mal benutzt und sich Fragt, was ich für ihn bin! Ich bin es satt, die brave liebe zu sein, die immer das Gespräch zu ihm suchen muss. Es reicht! Wenn er nicht weiß was er will, kann er mich auch gleich in Ruhe lassen. Ich brauch dieses hin und her nicht.

Gott

Es passiert wieder. Ich fühle mich schrecklich. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Der Tag heute war beschissener wie schon seit langem nicht mehr. Es fing schon gestern Abend an, ich konnte einfach nicht schlafen. Nein, nicht weil ich wegen den Ferien eine andere Uhrzeit gewohnt war, wie die meisten in meinem Alter. Ich war müde. Ich wollte schlafen. Aber ich konnte nicht auf dem Rücken liegen. So etwas, hatte ich schon gut einen Monat nicht mehr. Mein Rücken war zu versteift und verkrampft um selbst etwas weichen wie mein Bett auszuhalten. Ein glück schlafe ich meistens auf dem Bauch, aber der Schmerz wollte mich einfach nicht schlafen lassen. Die Schmerzen traten danach in den Oberschenkeln auf und wanderten immer weiter  bis  meinen Füßen, die dann ganz heiß wurden. Irgendwann konnte ich sie kaum bewegen, sie waren so schwer und taten so weh. Und so habe ich mich also in den Schlaf geweint. Aber das war ja nur gestern Abend. Heute morgen habe ich fast den Bus verpasst, weil ich alles in Zeitlupe gemacht habe. Dann bekam ich zwei Klausuren zurück – beide 5. Man merkte es dem Mathe Lehrer an, dass er etwas Mitleid mit mir hatte. Er versuchte, mir Mut zu sprechen und meinte, dass die nächste Arbeit besser wird. Er meinte, ich sei so ordentlich und fleißig, er sieht, wie sehr ich mich bemühe. Aber die fünf in EW hat mich geschockt. Ich war mir so sicher, dass das ne drei wird. Für kein Fach habe ich mich so sehr bemüht wie dieses. Ich musste echt meine Tränen zurück halten. Was ist aus mir geworden? Wo ist das Mädchen, was nie ne fünf geschrieben hat? Wirklich nie! Und jetzt sind das meine ganzen Noten? Fünf hier fünf da? Ich habe mich so dumm gefühlt. Und ich habe dafür sogar gelernt. Ich war schon lange nicht mehr so enttäuscht von mir gewesen. Und mein Herz tat am meisten weh, als ich es meiner Mutter erzählt habe und sie total geschockt war. Tja, wieder im Badezimmer ne Runde heulen. Es tut weh, die Mutter immer zu enttäuschen. Ich finde es ja schon peinlich, dass ich krank bin. Welches Gehirn lernt denn bitte den Schmerz? Das braucht kein Mensch! Meine Mutter hat aber gesehen, dass ich geweint habe. Sie versuchte, auf ihre Art, mich etwas zu trösten. Das half mir, aber nur etwas. Später am Abend, als mein Vater von der Jagt kam, erzählte meine Mutter ihm natürlich alles und mein Vater sagte ernsthaft : Sie soll sich mal zusammen reißen, nicht mehr an diesem Arschloch hängen und endlich Erwachsen werden!“ Als ich das gehört habe, bin ich nach oben gerannt und hab dann wieder geheult.  Wieso bin ich so eine Enttäuschung für meine Eltern? Und was hatte er damit zu tun? Wollte mein Vater jetzt ihm die Schuld daran geben? Die checken es immer noch nicht das ich verdammt nochmal KRANK bin und ich deshalb so scheiße gelaunt bin oder kack Noten schreibe.  Meinen Eltern sage ich gar nichts mehr. Die lästern doch eh darüber, wie ich mich gegenüber etwas entscheide. Die tun mir doch am meisten weh. Nicht mal er hat mir so krass weh getan, wie meine Eltern heute an diesem Tag. Ich wollte mit meiner großen Schwester reden, ihr konnte ich immer alles erzählen. Aber als ich sie angerufen habe, meinte sie, dass sie mit ihrem Freund bei deren Eltern ist und gerade nicht kann. Eigentlich sollte ich sauer sein, aber ich kann nicht. Wie oft ist sie in mein Zimmer gegangen und hat gejammert, dass sie kein Freund hat. Ich wollte ihr nicht meine Probleme erzählen, während sie glücklich neben ihm sahs. Tja, also sitze ich hier, alleine in meinem Zimmer ohne das jemand weiß, dass ich nicht mehr kann. Gott entscheidet, wer leben darf und wer sterben soll. Aber wieso hat er mir eine Krankheit gegeben, wo man Körperlich nicht sterben kann aber trotzdem leidet? Wieso hat er entschieden, mich zu bestrafen? Hätte er mich gleich töten können, statt mich jeden Tag mit Schmerzen aufstehen zu lassen.